Pappwabentüren mit Billigschlössern sind kein ernstes Hindernis für Einbrecher. Wir sagen, was zu tun ist.

Zuerst die schlechte Nachricht: Alle drei Minuten wird in Deutschland eingebrochen. Schäden pro Jahr: über 500 Millionen Euro. Und nun die gute: Fast jeder zweite Einbruchversuch scheitert an mechanischen Sicherungen. Hier vorzusorgen lohnt sich also. Wir haben uns der Schwachstelle Nummer eins, der Eingangstür, angenommen. Vor allem bei Etagenwohnungen ist sie oft der einzig mögliche Zugang für Einbrecher.

Für gut gesicherte Wohnungstüren muss nicht gleich der Maßstab von Fort Knox gelten, des Aufbewahrungsorts der US-Goldreserven. Riegel, Schlösser und die Tür selbst sollten aber hinreichend lange Widerstand gegen manipulative, aber auch brachiale Aufbruchversuche mit Brecheisen, Meißel oder Bohrer leisten. Dazu gibt es unter anderem stabile Türschilde, einbruchhemmende Zylinderschlösser und eine ganze Palette zusätzlicher Schlösser, die der Wohnungstür mehr inneren Halt geben.

Je nach Ansprüchen, örtlichen Gegebenheiten und Geldbeutel gibt es die Nachrüstprodukte in verschiedenen und auch verschieden widerstandsfähigen Versionen. Die Kriterien werden durch Normung beim Berliner DIN festgelegt. Auf Anforderung prüft und zertifiziert die aus dem Verband der Schadenversicherer hervorgegangene VdS Schadenverhütung (eine Tochter des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV) die technischen Produkte. Sie stützt sich dabei auf die DIN-Normen, geht aber teilweise auch über die Forderungen der Normen hinaus.

Wir haben uns bei den Prüfungen weitgehend am DIN- und VdS-Standard orientiert. Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte ebenfalls nach einem Türschild, Stangen- oder Zylinderschloss greifen, das mindestens der DIN, besser noch den VdS-Anforderungen entspricht. Der Kunde erkennt solche Produkte an einem kleinen eingestanzten VdS-Zeichen. Das ist aber einfacher gesagt als getan, denn viele Händler wissen oft nicht, ob sie nun ein VdS- beziehungsweise DIN-Produkt haben oder nicht. Dabei ist das keineswegs eine Formalie. Spätestens im Versicherungsfall hat man mit einem nachweislich vom VdS zertifizierten Sicherheitsprodukt eindeutig bessere Karten. Auch das Angebot „Nehmen Sie den, der ist genauso gut wie VdS, aber billiger“ ist deshalb mit Vorsicht zu genießen.

Schließzylinder

Türsicherungen Test

Das Herzstück jeder Tür ist der Schließzylinder, also das Teil, in das der Schlüssel kommt, um den Riegel zum Auf- und Zuschließen zu bedienen. Zum Nachrüstfall wird der Schließzylinder immer dann, wenn er deutlich übersteht und damit für jede Rohrzange zur leichten Beute wird. Auch beim Wohnungswechsel sollte der Zylinder vorsichtshalber ausgetauscht werden, um den eventuellen Besitzern „schwarzer“ Schlüssel (wie Vormietern oder Handwerkern) keine Chance zu geben. Ein guter Schließzylinder muss mit zwei Situationen fertig werden: mit roher Gewalt und mit „intelligenten“ Öffnungsmethoden durch Manipulationen am Schloss. Gegen den intelligenten Angriff hilft der komplexe Aufbau im Innern und das entsprechend ausgefeilte Spezialprofil des Schlüssels. In Verbindung mit einer Sicherungskarte, die es nur ihrem Eigentümer erlaubt, einen solchen Schlüssel nachfertigen zu lassen, ist man auf der sichereren Seite.

Gegen rohe Gewalt hilft ein Aufbohrschutz aus Hartmetall, der in den Zylinderkörper eingearbeitet ist und jeden normalen Bohrer kapitulieren lässt. Ein Ziehschutz gegen die Korkenzieher-Methode, mit der Einbrecher bei einfacheren Schlössern schnell ans Ziel kommen, sollte ebenfalls nicht fehlen. Den Zieh- und Aufbohrschutz kann aber auch ein robuster Türschild mit einer speziellen Abdeckung für den Zylinder übernehmen.

Wir haben uns sechs hochwertigere Schließzylinder zu Preisen zwischen 64 und 115 Euro beschafft und geprüft. Bei den ausgewählten Produkten handelt es sich – wie bei den Schilden und Zusatzschlössern – um eine Stichprobe ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Repräsentativität. Bis auf Abus EP 10 machten alle getesteten Modelle eine gute bis sehr gute Figur. Hervorzuheben ist CES 810 RE 5: Er ist mit 64 Euro das günstigste Produkt und hat anders als der noch etwas bessere Ikon SK 6 einen integrierten Ziehschutz. Montagekosten für Schließzylinder: etwa 40 Euro.

Türschilde

Ein absolutes Muss sind heutzutage Sicherheits-Türschilde (auch Schutzbeschläge genannt), die sich nicht von außen abschrauben lassen, das Einsteckschloss gegen Aufbohren schützen und den Schließzylinder so abdecken, dass er nicht mit einer Zange abgedreht oder herausgezogen werden kann. Türschilde gibt es in allen möglichen Schutzklassen, Preisen und Designs. Auch die hier vorgestellten sechs Produkte sind in mehreren Ausführungen zu haben. Der Abus KLZS 714 F1 (VdS Klasse A, DIN Klasse 1) hat sich in unserem Test besonders gut bewährt und er ist auch noch der billigste Türschild des Vergleichs (zirka 48 Euro). Allerdings schützt die Klasse 1 nur gegen Einbrüche mit relativ einfachem Werkzeug und hält auch nicht ganz so lange stand wie höherklassige Schilde. Wer noch mehr für die Sicher-heit tun will, ist mit dem ebenfalls „sehr guten“ Ikon S 408 (DIN Klasse 2, VdS B) besser bedient. Das Mehr an Standhaftigkeit schlägt aber auch mit einem gut verdreifachten Preis von etwa 160 Euro zu Buche. Montagekosten Türschilde: zirka 70 Euro.

Zusatzsicherungen

Als dritter Schritt für die Aufrüstung der Eingangstür zu einem Bollwerk gegen Einbrecher empfiehlt sich die Montage eines Stangenriegelschlosses oder Panzerriegels. Der Panzerriegel, auch Doppel- oder Querriegelschloss genannt, wird unterhalb des Türschildes quer über die gesamte Breite der Tür geschlossen und gibt ihr rechts und links festen Halt, sichert also auch die oft vernachlässigte Bandseite. Der Riegel sollte deshalb im unteren Drittel montiert werden, weil hier der Hauptangriffspunkt für das Brecheisen des Einbrechers liegt. Montagekosten Panzerriegel: ca. 160 Euro.

Ähnlich effektiv ist eine Mehrfachverriegelung, oft auch Stangenriegelschloss genannt. Beim Zuschließen fahren nach oben und unten über Stangen gesteuerte stabile Riegel in ihre Verankerungen. Die Tür ist somit nur noch schwer aufhebelbar, weil sie sich keinen Spalt breit mehr aufdrücken lässt. Mit dem Melchert Protector lässt sich sogar ein Sechsfach-Verriegelung herstellen. Im Test machte als Panzerriegel der Abus PR 1900 für 375 Euro die beste Figur, als Stangenriegel der Ikon Z 262 für 490 Euro. Montagekosten Mehrfachriegel: etwa 160 Euro.

Ein Sonderfall, aber ebenfalls empfehlenswert sind Bandsicherungen, wie beispielsweise die geprüfte Abus TAS 112: Sie verzahnen die Tür an der einbruchgefährdeten Bandseite (dort, wo sie sich in den Scharnieren dreht) fest mit dem Rahmen. Damit wird diese Schwachstelle deutlich verstärkt. Montagekosten Band-riegel: zirka 70 Euro.

Zusatzschlösser sollten von Fachleuten montiert werden, weil der normale Heimwerker leicht überfordert ist. Für die Montage bieten sich VdS-anerkannte oder DIN-CERTCO-Errichterbe­triebe an. Aber auch andere seriöse Firmen können gute Arbeit leisten. Firmen von den „Gelben Seiten“, die nur eine Telefonnummer angeben, lieber links liegen lassen. Die Preise für Türsicherungen – auch die von uns per Anbieterbefragung ermittelten – sind generell mit Vorsicht zu genießen. Zum einen wegen der Preisdifferenzen zwischen den Geschäften. Zum anderen werden oft Paketpreise inklusive Montage gemacht. Die genannten Preise sind deshalb nur grobe Richtwerte.

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