Trotz neuer Initiative Meldung

„Ebay schafft klare Verhältnisse“, sagt das Internetauktionshaus über sich selbst. Bieter sollen demnächst sofort erkennen können, ob ein Verkäufer Privatmann oder gewerbsmäßiger Händler ist. Allerdings: Der Verkäufer darf sich wie bisher selbst aussuchen, ob er als Privatmann oder Profi auftritt. Neu ist nur, dass Ebay alle Mitglieder auffordert, in den nächsten Monaten Farbe zu bekennen. Bisher hing die Präsentation von Angeboten allein vom Verkäufer ab. In Zukunft zeigt Ebay von sich aus an, ob ein Anbieter privat antritt oder sich als Händler präsentiert. Käufer können sogar gezielt nach Angeboten nur von Händlern oder nur von Privatleuten suchen. test.de erklärt, wodurch sich der Kauf bei Profis und Privatleuten unterscheidet und worauf Bieter achten sollten.

Zusätzliche Sicherheit bei Profis

Der Kauf beim gewerblichen Händler bietet zusätzliche Sicherheit: Kunden bekommen mindestens die gesetzliche Gewährleistung. Zwei Jahre lang müssen Händler dafür einstehen, dass sie einwandfreie Waren geliefert haben. Während der ersten sechs Monate gilt zugunsten von Käufern zusätzlich eine Beweislastumkehr: Treten innerhalb der Zeit Mängel auf, wird vermutet, dass sie bereits bei Lieferung vorlagen. Will der Verkäufer die Gewährleistung verweigern, muss er beweisen, dass der Mangel erst nachträglich entstanden ist. Ausnahme sind Gebrauchtwaren. Bei diesen dürfen Händler die Gewährleistung auf ein Jahr verkürzen. Privatleute dagegen können die Gewährleistung stets vollständig ausschließen. Wenn Sie ihr Angebot unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung bieten, haften sie nur noch bei bewusstem Verschweigen von Mängeln und falschen Angaben.

Recht zur Rückgabe

Zweiter Vorteil des Ebay-Einkaufs beim Profi: Kunden haben mindestens zwei Wochen lang ein Rückgabe- und Widerrufsrecht. Es reicht aus, die Ware innerhalb der Frist an den Händler zurückzuschicken. Die Portokosten für die Rücksendung muss allerdings in der Regel der Käufer selbst tragen. Die Zwei-Wochen-Frist gilt nur, wenn der Verkäufer korrekt über das Widerrufsrecht informiert hat. Wenn die Informationen nicht genau den gesetzlichen Vorgaben entsprechen oder nur über Zwischenschritte abrufbar sind, bleibt der Widerruf auf Dauer möglich.

Keine Überprüfung durch Ebay

Der Kauf bei Ebay bleibt allerdings Vertrauenssache. Ebay will nicht prüfen, ob Mitglieder sich korrekt als gewerbsmäßige Händler oder Privatanbieter darstellen. Einzige Ausnahmen: Anbieter, die bei ebay ihre Umsatzsteuernummer angegeben haben, werden automatisch als Profis geführt. Auch bei Powersellern und Verkaufsagenten herrscht ab November tatsächlich Klarheit: Als solche dürfen bei Ebay dann nur noch gewerbsmäßige Händler auftreten. Allerdings ist die Unterscheidung zwischen Profis und Privatleuten im Einzelfall ziemlich schwierig. Von Rechts wegen gilt: Gewerblich ist jede auf die Erzielung von Gewinn gerichtete und nicht bloß gelegentlich ausgeübte Tätigkeit. Was das genau heißt, haben Gerichte schon sehr unterschiedlich beurteilt.

Möglichkeiten zum Schummeln bleiben

Selbst wenn ein gewerbsmäßiger Händler sich als solcher zu erkennen gegeben hat, macht Ebay ihm keine weiteren Vorschriften. Er behält die Möglichkeit, unzulässige Geschäftsbedingungen zu verwenden und Informationen zur Person und zum Widerrufsrecht zu unterschlagen. Von Rechts wegen ist das in der Regel eigentlich kein Nachteil für Kunden: Unfaire Regeln sind meist unwirksam, so dass die verbraucherfreundlichen gesetzlichen Regeln gelten. Problem nur: Tatsächlich kommen Verbraucher in derartigen Fällen dennoch oft zu kurz: Die Verbraucherschutzregeln nützen nur dann etwas, wenn Käufer überhaupt mal von ihren wahren Rechten erfahren.

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