Das „Tropenparadies“ vor den Toren Berlins könn­­te ein reizvolles Nah­er­ho­lungs­ziel werden. Dafür ist aber noch viel zu tun.

Wie ein riesiges Ufo steht die Halle im Brandenburger Flachland. Sie ist 360 Meter lang, 210 Meter breit und 107 Meter hoch. Eigentlich sollten hier Luftschiffe für Lastentransporte gebaut werden. Doch dafür scheint es keinen Bedarf zu geben. Die Cargolifter AG ging Pleite. In die Werfthalle hat der aus Malaysia stammende Geschäftsmann Colin Au ein „Tropenparadies“ bauen lassen mit Regenwald, Tropendorf, ausgedehnten Sandstränden und zwei großen Wasserflächen. Das Paradies in der Riesenbüchse ist für maximal 7 000 Besucher pro Tag ausgelegt.

Zum Schwimmen ideal

Als wir Tropical Islands besuchten, waren allerdings nur ein paar Hundert da. Der erste Eindruck war zwiespältig. Zunächst störte, dass die Tropen fast noch dunkler waren als der graue Januartag draußen. Darunter leiden offenbar auch die Pflanzen. Beim Anblick des Regenwaldes denkt man mitleidsvoll: traurige Tropen. Doch das soll sich ändern. Es wurde bereits damit begonnen, 20 000 Quadratmeter Dachverkleidung gegen eine UV-durchlässige Membran auszutauschen.

Den Wasserangeboten können wir schon jetzt ein hohes Niveau bescheinigen. Was die Größe angeht, gibt es kaum etwas Vergleichbares. Die „Südsee“ (4 000 Quadratmeter) ist zum Schwimmen ideal. Sie wird von einem etwa acht Meter breiten Strand eingefasst, an dem 850 Stoffliegen zum Entspannen einladen. Die etwas höher gelegene „Bali-Lagune“ ist zwar wesentlich kleiner (1 200 Quadratmeter), bietet aber viele Wasserattraktionen: Fontänen, Strömungskanal, diverse Sprudler, Nackenduschen, Whirlpool und zwei Rutschen. Eine Saunaanlage soll im Herbst dazukommen.

Gefroren haben wir nicht, auch wenn die Temperaturen meist ein, zwei Grad unter den versprochenen Werten lagen. Wenn die Halle mit Besuchern voll ist, könnte es Probleme beim Umkleiden geben. Denn es stehen nur knapp 2 200 Schränke zur Verfügung und an der Schlüsselausgabe staute es sich schon bei den wenigen Gästen.

Die Halle ist noch längst nicht fertig. Betonböden, Rohre und Kabel an vielen Stellen lassen wenig Exotik aufkommen. Auch der Kinderbereich sieht, gelinde gesagt, noch sehr provisorisch aus.

Professionell ist dagegen das Unterhaltungsangebot. Und zwar sowohl auf der Wayang-Bühne, wo balinesische Tänzer, indische Trommler oder chinesische Akrobaten auftreten, als auch auf der großen Seebühne. Derzeit ist „Viva Brasil“ zu sehen, eine Show, die nach einem etwas zähen Beginn die Zuschauer mit üppigen Bildern in Sambalaune versetzt.

Das gastronomische Angebot ist vielfältig, die Preise sind moderat. Aber auch hier wirkt vieles noch improvisiert.

Eins der größten Probleme dürfte der Energiebedarf sein. Die Betreiber geben darüber keine Auskunft. Vielleicht, weil etwas dran ist an dem, was Kritiker meinen: Die Riesenhalle sei „die größte Energieschleuder Brandenburgs“.

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