Wer sich für das richtige Reisegepäck entscheidet, kommt entspannter ans Ziel. 20 Trolleys mussten in einem harten Test ihre Qualität beweisen.

Rollen ist leichter als tragen. Reisekoffer mit ihren kleinen Rollen an der Schmalseite neigen aber oft zum Kippen. Durch weiter auseinander liegende Räder bieten Trolleys eine bessere Spurtreue. 20 mittelgroße Fabrikate mussten im Test die Haltbarkeit ihrer Nähte, Verschlüsse, Räder und Griffe unter Beweis stellen. Zudem wurden Verarbeitung und Handhabung beurteilt.

Material: Hart oder weich

Welcher Trolley sich am besten eignet, hängt zum Beispiel vom gewählten Verkehrsmittel ab. In den Kofferraum eines Autos passt ein weicher, nachgiebiger Koffer besser als eine robuste Hartschale. Die spielt ihre Vorteile eher bei Flugreisen aus. Schmale Gänge in Eisenbahnwaggons stellen besondere Anforderungen an die Manövrierfähigkeit des Gepäcks. Innovative Fahrwerke mit vier oder sogar sechs Rädern sollen auch hier die Mobilität sicherstellen. Der überwiegende Teil der getesteten Koffer ist aus flexiblem Polyestergewebe gefertigt. Daneben prüften wir aber auch Hartschalen aus Polypropylen, Polykarbonat und den Rimowa-Klassiker aus Aluminium im Rillendesign. So unterschiedlich wie das Material fällt auch das Gewicht aus. In der ausgewählten Größe wiegen die Trolleys zwischen 2,6 und 5,5 Kilogramm. Wer Hemden oder Anzüge faltenfrei verstauen will, findet Packriemen, Packplatten oder separate Fächer. Die Travelite-Reisetasche hat nichts von alledem und eignet sich eher für Globetrotter, die mit Jeans und T-Shirts reisen und denen eine knitterfreie Garderobe nicht so wichtig ist. Pfiffig durchdacht, mit Packriemen und einem separaten Fach im Deckel gut ausgestattet, ist aber die Delsey-Xeo-Reisetasche. Sie kostet allerdings auch 100 Euro mehr als die Travelite.

Monsunregen: Einer hielt dicht

Was passiert, wenn der Koffer einen ordentlichen Regenschauer abbekommt? Werden die Sachen dann nass, verfärben sie womöglich? Wir ließen im Test einen wahren Monsunregen auf die Koffer niederprasseln. Die gute Nachricht: Auch die dunklen Futterstoffe der Koffer färbten nicht auf die weißen Stoffe ab und das Synthetikmaterial der Weichkoffer ließ meist kein Wasser durch. Die schlechte Nachricht: Durch Reißverschlüsse, Nähte und die Öffnungen am Einschub des Teleskopgriffs drang trotzdem jede Menge Wasser ein, sodass der Kofferinhalt mehr oder weniger nass war. Als wahres „U-Boot“ erwies sich der Samsonite F`Lite. Der Deckel der Hartschale hat eine Gummidichtung, Außenfächer gibt es nicht und das Trolleygestell ist außerhalb der Schale installiert. Lohn der Mühe: Der Koffer hält absolut dicht. Relativ gering durchfeuchtet wurde der Inhalt der Hartschalenkoffer Kaufhof Eminent und Rimowa Salsa-Plus. Ein Vielfaches der Wassermenge anderer Fabrikate sog dagegen der Weichkoffer Lambertazzi auf.

Tipp: Schützen Sie Reiseutensilien, die keine Nässe vertragen, zum Beispiel Haartrockner, Elektrorasierer, Medikamente oder Bücher, im Koffer durch eine Plastiktüte vor eindringender Nässe.

Die Teleskopgriffe rasten oft in mehreren Höhen ein und lassen sich so an die Körpergröße anpassen. Wird gegen die Laufrichtung geschoben, zum Beispiel beim Aussteigen aus einem Bus oder Fahrstuhl, muss die Rastung des Griffs auch bei beladenem Koffer sicher arretieren. In Bus und Bahn sind die Gänge oft zu eng, um einen größeren Trolley hindurchzuziehen. Dann heißt es: tragen. Aber nur der Sam­sonite Cruisair Nozomi Spinner und der Stratic Speed – mit 55 Zentimetern der breiteste Trolley im Test – lassen sich durch ein intelligentes Fahrwerk auch seitlich schieben. Der Samsonite hat dazu vier rundum drehbare Rollen, die auf unebenem Boden nicht immer geradeaus laufen und auch die Standfestigkeit verschlechtern können. Der Stratic fährt auf seinen vier zusätzlichen Rollen spurtreu wie auf Schienen. Da sie nicht lenkbar sind, muss der Koffer zur Richtungsänderung allerdings jeweils angekippt werden.

Gut im Griff

Neben dem Teleskopgriff verfügen alle Trolleys über zusätzliche Griffe, die das Tragen und Verstauen erleichtern. Alle haben einen Griff an der Längsseite und – mit Ausnahme der Samsonite-Hartschale – einen weiteren neben dem Teleskopgriff. Einige bieten selbst an der Unterseite eine Griffschale oder -schlaufe. So lässt sich der Koffer bequemer auch aus tiefen Gepäckfächern herausziehen.

Sesam, öffne dich

Bis auf die Travelite Reisetasche sind alle Trolleys abschließbar – mit Hebelzugschlössern an den Hartschalen des Rimowa Opal und Samsonite, mit eingebauten Zahlenschlössern und am Reißverschluss eingehängten, teilweise minderwertigen Bügelschlössern. Das des Bree Cabrio brach schon beim Versuch, es abzuschließen, auseinander. Ein flach eingebautes Schloss wird beim Transport nicht so leicht abgerissen.

Für alle gilt: Kofferschlösser sind kein Diebstahlschutz! Sie dienen eigentlich eher dem Zweck, unbeabsichtigtes Öffnen zum Beispiel beim Transport zu vermeiden. Deshalb gehören Wertgegenstände, Schlüssel und Papiere ins Handgepäck und nicht in aufgegebene Koffer.

Erstaunlich haltbar

Beim Umladen wird Reisegepäck nicht gerade schonend behandelt. Da wird hoch gestapelt, an Riemen und Griffen gezerrt, ab und zu fällt auch mal ein Koffer herunter. Im Testabschnitt Haltbarkeit haben wir die Trolleys deshalb ordentlich strapaziert. 5 000-mal wurde jeder voll beladene Koffer am Griff und 100-mal am Teleskopgriff hochgerissen und ruckartig abgesetzt. Dann ließen wir die Trolleys – wieder voll beladen – aus einem Meter Höhe auf jede der acht Ecken krachen. Es ist erstaunlich, dass auch die leichten und preiswerten Fabrikate dieses Martyrium ohne größere Blessuren überstanden. Nur beim Aldi klemmte eine Rolle nach dem Falltest und beim World Wide Travel war eine Naht gerissen, was zum Punktabzug führte.

Unser Dauerlauftest simulierte die Belastung des Fahrwerks und des Trolleygestells im mehrjährigen Gebrauch unter erschwerten Bedingungen: über eine Strecke von 25 Kilome­tern bei einer Geschwindigkeit von vier Kilometer pro Stunde mit maximaler Beladung der Trolleys. Zur Krönung steckte während der gesamten Prüfung noch eine fünf Kilogramm schwere Notebook-Tasche auf dem voll ausgezogenen Trolleygestell. Das Laufband war teilweise mit Schmirgelpapier bestückt, um den Abrieb der Rollen zu forcieren. In regelmäßigen Abständen holperten die Trolleys über Querstreben des Laufbandes, die nicht nur die Räder, sondern auch das Gestell zusätzlich belasteten. Diese Prüfung überstanden Kaufhof Eminent V020 und der Lambertazzi nur befriedigend, während alle anderen gut oder sogar sehr gut abschnitten. Der Verschleiß der Rollen war bei allen Fabrikaten sehr gering.

Garantie mit Lücken

Samsonite und Stratic bieten drei Jahre Garantie, Rimowa sogar fünf Jahre. Gut zu wissen, denn wie oft hat man am Gepäckband im Flughafen schon beschädigte Koffer ankommen sehen. Aber viele Anbieter schließen gerade solche Beschädigungen von der Haftung aus und verweisen stattdessen darauf, dass Schäden noch vor dem Verlassen des Airports sofort bei der betreffenden Fluggesellschaft reklamiert werden müssen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2802 Nutzer finden das hilfreich.