Trockens­hampoo im Test Sprühen statt waschen – klappt das tatsäch­lich?

Trockens­hampoo im Test - Sprühen statt waschen – klappt das tatsäch­lich?
Spray gut schütteln, mit mindestens 20 Zenti­meter Abstand auf die Ansätze der Haar­partien sprühen. © Andreas Labes

Jedes zweite Trockens­hampoo kann eine Haar­wäsche gut ersetzen. Die meisten Sprays sind den Pudern über­legen.

Trockens­hampoo im Test Testergebnisse für 14 Tro­ckens­hampoo 11/2019

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Für zwischen­durch“, „Schnell­wasch­gang auf Knopf­druck“, „tolles Volumen und Griffig­keit“ – so bewerben Anbieter ihre Trockens­hampoos. Nach einem Boom in den 70er Jahren fristeten sie jahr­zehnte­lang ein Nischendasein. Jetzt sind sie in knall­bunten Dosen zurück. Voll­kommen zurecht, wie unser Test ergibt. Von 14 Trockens­hampoos schneiden 7 gut ab, 6 befriedigend, eines ausreichend. Die meisten Sprays sind den Pudern um einige Haaresbreiten voraus. Die Puder hinterlassen mehr sicht­bare Rück­stände im Haar. Drei Sprays und ein Puder enthalten gesund­heits­kritische Stoffe.

Unser Rat

Eimi
von Wella ist das beste Trockens­hampoo, aber teuer: Einmal reinigen kostet 3,65 Euro. Eine Anwendung mit dem zweit­besten, Schauma von Schwarz­kopf, kostet nur 48 Cent, eine mit dem dritt­besten, dm Balea Fruity Dreams,nur 28 Cent. Die preis­werten sind Geruchs­sache: Sie duften fruchtig. Das teure riecht dezenter.

Was zeichnet ein gutes Trockens­hampoo aus?

Die sieben guten im Test bewähren sich in allen Prüf­punkten: Sie reinigen und entfetten das Haar effektiv – ganz ohne Wasser. Das zeigte unser Praxis­test mit 20 Probandinnen (siehe So haben wir getestet). Fürs Entfetten sorgen Stärkep­artikel, oft aus Reis­stärke. Sie saugen Fett auf. Nach dem Ausbürsten sieht das Haar wie frisch gewaschen aus, es hat wieder Volumen. Bei den guten Produkten sind auch praktisch keine Stärker­ückstände im Haar mehr sicht­bar.

Mit welchen gesund­heits­kritischen Stoffen fielen einzelne Produkte auf?

Algemarina, Colab und Got2b von Schwarz­kopf enthalten den Duft­stoff Lilial. Er steht in Verdacht, die Fort­pflan­zungs­fähig­keit zu beein­trächtigen. Verbraucher erkennen Lilial in der Inhalts­stoff­liste unter seinem chemischen Namen Butylphenyl Methyl­propional. Unserer Ansicht nach hat Lilial nichts in Kosmetika zu suchen. Das gilt auch für einen weiteren Duft­stoff in Algemarina: Lyral, deklariert als Hydroxyisohexyl 3-Cyclohexene Carboxaldehyd. Er kann Allergien auslösen. Kosmetika mit Lyral dürfen nur noch bis 2021 im Handel sein. Das Volume-Trocken-Kräuter-Shampoo enthält Borat. Der Stoff war noch erlaubt, als wir das Produkt kauf­ten. Seit Ende Mai 2019 ist es aber in Kosmetika verboten. Er kann Fett binden, aber auch fort­pflan­zungs­schädigende Borsäure freisetzen. Folgen für alle vier Produkte: ausreichend im Urteil kritischer Stoffe.

Warum schneiden die Puder schwächer ab als viele Aerosole?

Trockens­hampoo im Test - Sprühen statt waschen – klappt das tatsäch­lich?
Tipp: Breite Bürste nutzen. Kunst- oder Naturborsten erwischen mehr Partikel als glatte Metall­borsten. © Andreas Labes

Vor allem, weil störende Reste im Haar verbleiben. Die Friseu­rinnen, die das Haar der Probandinnen aus Profi-Sicht kontrollierten, monierten auch, dass sich die Pulver nicht so gut ausbürsten ließen. Und einige Probandinnen klagten etwa beim Dosieren des Puders von Lush, dass „zu viel Produkt auf einmal“ käme und es sich „schlecht verteilen“ ließe. Aerosole sind da im Vorteil: Sie dosieren mit Sprüh­stößen präziser.

Trockens­hampoo im Test Testergebnisse für 14 Tro­ckens­hampoo 11/2019

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Wie oft hinter­einander kann ich ein Trockens­hampoo anwenden?

Wir raten, es nur einmal zwischen zwei Wäschen zu nutzen. Die Produkte lassen sich nie ganz ausbürsten. Auf Dauer sammeln sich Reste im Haar, sie können die Kopf­haut reizen.

Was passiert, wenn man den feinen Staub eines Shampoos einatmet?

Die Nase kann viele der Partikel filtern, deren Größe laut einiger Anbieter im Mikro­meter­bereich liegt. Wer Staub durch den Mund einatmet, hustet das meiste ab. Wie viel in der Lunge bleibt, ist unklar. Die Produkte lieber nur gelegentlich nutzen.

Verstärken die Treibgase in den Sprays den Treib­haus­effekt?

Nein, die Sprays enthalten die Treibgase Propan und Butan. Laut Umwelt­bundes­amt fallen sie kaum ins Gewicht. Anders die längst verbotenen Fluor­chlorkohlen­wasser­stoffe (FCKW): Sie schaden der Ozon­schicht, fördern den Treib­haus­effekt.

Sind Trockens­hampoos ökologisch sinn­voll, weil sie Wasser sparen?

Gewiss lässt sich mit Trockens­hampoos Wasser sparen – etwa 36 Liter fließen in drei Minuten aus einem Dusch­kopf, dazu kommt Energie fürs Wasser­wärmen. Aber wir haben nicht geprüft, ob Trockens­hampoos etwa bei der Rohstoff­gewinnung, Herstellung, Verpackung ökologische Vorteile gegen­über Stan­dard­shampoos haben.

Vier Produkte enthalten Silikone. Die stehen in der Öko-Kritik. Klär­anlagen filtern sie zwar aus dem Abwasser, sie bleiben aber im Klär­schlamm. Düngen Bauern damit, könnten Silikone aufs Feld geraten. Es ist unklar, ob sie dort schaden.

Wann ist ein Trockens­hampoo über­haupt praktisch?

Wenn die Zeit zum Haarewaschen fehlt oder für mehr Volumen auf die Schnelle. Die Produkte können auch alten und kranken Menschen strapaziöse Haar­wäschen ersparen – und coloriertem Haar den Kontakt mit farbfeindlichem Wasser.

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