Trockenfutter für Hunde Test

Für 900 Millionen Euro liegt in Deutschland jährlich Hundefutter in Fressnäpfen. Wir haben 30 Produkte getestet: Einige sind für Welpen ungeeignet bis gefährlich.

Wer seinem Hund etwas Gutes zwischen die Zähne geben will, hat jede Menge Auswahl an industriell gefertigtem Trockenfutter. Es erfreut sich steigender Beliebtheit . Schon in jeder zweiten verkauften Packung Hundefutter rascheln die Ringe, Brocken und Pellets. Wie unser Test zeigt, kann der Griff zur falschen Tüte aber fatale Folgen haben. Das gilt vor allem dann, wenn zuhause ein Hund im zarten Welpenalter auf das Futter wartet. Der kleine Liebling bekommt dann unter Umständen eine Überdosis Kalzium – mit dem Risiko gesundheitlicher Schäden vor allem beim Knochenwachstum. Ist zu viel Kalzium im Futter, können vor allem bei Welpen großwüchsiger Rassen Skelettschäden entstehen, die im Extremfall dazu führen, dass sie eingeschläfert werden müssen (siehe dazu auch „Kalzium im Futter“).

Hundefreunde tappen in die Do­sierungsfalle, weil sie von etlichen Anbietern nicht korrekt informiert werden. Wohl eher aus Unwissenheit über die Erkenntnisse zur Ernährungsphysiologie des Hundes als aus Vorsatz, bieten sie ihre Allein-Trockenfutter ohne Einschränkungen für alle Hunde in allen Alterskategorien an. Dass ihre Produkte für Welpen ungeeignet bis gefährlich sind, kann der Hundebesitzer jedenfalls nicht erkennen.

18 der 30 getesteten Futtermittel werden ausdrücklich nur für „erwachsene“, „ausgewachsene“ beziehungsweise „adulte“ Hunde angeboten. Welpen sind damit ausgeschlossen. 12 Produkte hingegen haben keine einschränkenden Hinweise auf der Packung. Von ihnen weisen zwei sogar explizit darauf hin, dass sie „vom Welpen bis zum Senior“ (Markus Mühle) oder „auch für Welpenaufzucht bestens geeignet“ sind (Schlecker/AS).

Achtmal „mangelhaft“

Aus der Gruppe der angeblich für alle Hunde geeigneten Futtermittel haben wir fünf Hundemahlzeiten wegen der ungeeigneten Zusammensetzung für Welpen sowie der irreführenden Deklarationen, die darauf nicht hinweisen, auf das Qualitätsurteil „mangelhaft“ abgewertet. Es sind Angebote von dm, Markus Mühle, Plus, Schlecker und Yarrah, einem Produkt, das sich Bio nennt, mit „ökologische(n) Hundebrocken“ wirbt und zudem mit 82 Cent für die Tagesration das teuerste Produkt im Test ist. Während die Kalziumaufnahme bei diesen fünf Futtermitteln für ausgewachsene, „adulte“ Hunde noch vertretbar ist, wird die sichere Obergrenze für Welpen überschritten. Aldi (Nord)/Rufus, das sechste „mangelhafte“ Produkt dieser Gruppe, hatte andere Probleme: Hauptsächlich waren eine Unterversorgung mit Vitamin A und ein ungünstiges Verhältnis von Linol- zu alpha-Linolensäure Ursache der Abwertung.

Auch unter den Produkten, die nur für ausgewachsene, „adulte“ Hunde ausge­lobt sind, gibt es zwei „mangelhafte“. Bei Frolic kamen viele Fehler zusammen: Das Kalzium-Phosphor-Verhältnis war nicht optimal, Kupfer und Selen erheblich unter Bedarf und das Verhältnis von Linol- zu alpha-Linolensäure war ungünstig.

Vitamine Fehlanzeige

Trockenfutter für Hunde Test

Guten Hunger: Nicht immer ist das Futter ausgewogen komponiert.

Das ebenfalls „mangelhafte“ Marengo ist auch kein Alleinfutter. Die Versorgung mit Zink, Kupfer und Selen liegt erheblich unterhalb des Bedarfs und die Vitamine A und E waren gar nicht erst nachweisbar. Das ist besonders gravierend, weil sowohl Vitamin E fehlt als auch Selen unter dem Bedarf liegt. Diese beiden Nährstoffe ergänzen sich beim Zellschutz gegen freie Radikale gegenseitig. Obendrein war die Phosphorversorgung zu knapp.

Es gibt auch eine ganze Reihe noch mit „gut“ bewerteter Trockenfuttermittel, bei denen die Analyse eine nicht ganz optimale Zusammensetzung ergab. Ganz ohne Fehl und Tadel sind allein die acht im Prüfpunkt der ernährungsphysiologischen Qualität mit „sehr gut“ bedachten Produkte. Ärgerlich: Purina One enthält genverändertes Soja, ohne darauf hinzuweisen. Da viele Zeitgenossen Genverändertes in jeder Form ablehnen, ist das ein schweres Versäumnis – und ein Verstoß gegen gesetzliche Vorschriften.

Im Monat 15 Euro Unterschied

Zu den positiven Testnachrichten: Dank der vielen „guten“ und auch „sehr guten“ Noten hat der Halter eine große Auswahl an ausgewogenen Produkten für Hunde jeder Altersstufe. Da lohnt sich erst recht ein Blick auf die Kosten. Die Preispalette reicht von 14 Cent für eine Tagesration (Das Futterhaus/Draft) bis hinauf zu 63 Cent pro Tag (Hill’s Science). Im Monat summiert sich der Unterschied auf immerhin knapp 15 Euro. Wir haben die Preise auf Basis der günstigsten Packung errechnet. Es war immer die jeweils größte.

Nicht nur unter den Menschen, sondern auch in der Hundewelt hat sich die „Couch potato“ verbreitet: Träge fläzt sich Bello auf der Couch, glotzt TV mit Herrchen und ist nur noch selten in Bewegung. Es fehlen nur die Pulle Bier und Chips. Natürlich sind bewegungsarme Hunde ein Produkt menschlichen Fehlverhaltens. Aber die Verhältnisse sind nun einmal wie sie sind und müssen bei der Fütterung der Vierbeiner bedacht werden.

Als Modellhund für unseren Test haben wir deshalb einen bewegungsarmen, erwachsenen Vierbeiner gewählt, der etwa 15 Kilo wiegt, also die Statur eines Cockerspaniels hat. An seinem – relativ bescheidenen – Bedarf orientiert sich unsere ernährungsphysiologische Begutachtung.

Die Beschränkung des Tests auf Trockenfutter hat den Vorteil, dass wir eine große Palette von Produkten prüfen und damit der Vielfalt des Angebots auch kleinerer Anbieter im Fach- und Versandhandel gerecht werden konnten.

Als „Alleinfutter“ deklariert

Trockenfutter für Hunde Test

Struppi ist ganz Ohr und Nase, wenn es was zu fressen gibt. Er und 5 Millionen Artgenossen werden gern mit Trockenfutter versorgt.

Ausgesucht wurden Produkte, die als „Alleinfutter“ deklariert sind, also all das intus haben sollen, was ein Hund so braucht. Prinzipiell ist Trockenfutter keineswegs weniger gesund und nahrhaft als Feuchtfutter. Trotzdem raten Experten, den jungen Hund auch mit Feuchtfutter bekanntzumachen und ihm generell verschiedene Futterprodukte anzubieten – das erleichtere einen Futterwechsel, wenn der Hund Diät halten muss oder das Gewohnte einmal nicht zur Verfügung steht.

Als Nachfahre des Wolfes ist der Hund ein „carnivore-omnivore“, also ein Mittelding zwischen einem fleischfressenden Raubtier und einem Allesfresser: Er ­verschlingt seine Beute mit Haut und Haaren, einschließlich Darminhalt, Organen und Knochen – verschmäht aber auch pflanzliche Nahrung nicht. So sichert er sich alle lebensnotwendigen Nährstof­fe – neben Eiweiß und Fett auch pflanzliche Stoffe, Mineralien und Vitamine. Nach diesem Muster muss auch das Futter für den Haushund komponiert sein, denn Fressverhalten und Verdauung haben sich in der Entwicklungsgeschichte vom Wolf zum Pudel nicht grundlegend geändert. 

Welches Fleisch für Trockenfutter verarbeitet wird, entscheidet auch der gewöhnliche Verbraucher mit seinen Vor­lieben oder Reaktionen auf echte oder vermeintliche Lebensmittelskandale. Denn beim Produzenten werden die normalen Schlachtabfälle verarbeitet. Kommt wegen BSE oder Geflügelpest (vulgo Hühnergrippe) kaum Rind und Geflügel auf die Tische der Menschen, gibt es auch weniger Überbleibsel für die Verarbeitung zu Hundefutter. Beim Trockenfutter wird am häufigsten Geflügel genommen. Aber nach Expertenmeinung liegt die beworbene Fleischsorte meist weit unter 10 Prozent am Fleischanteil insgesamt. Was da auf der Packung stehe, sei eher Marketing.

Futteranalyse im Labor

Am liebsten hätten wir auch Hunde über ihr Futter mitentscheiden lassen. Aber schon mit Menschen sind subjektive Bewertungen oft heikel. So beschränkten wir uns auf die Futteranalyse, zu der es eine Fülle wissenschaftlicher Publikationen und auch gesetzliche Festlegungen gibt.

Bei der Futteranalyse achteten wir auch auf Schadstoffe und die mikrobiologische Unbedenklichkeit der Hundefutterproben. Die gefundenen Werte für Blei und Kadmium lagen allesamt deutlich unter der zulässigen Höchstmenge (bei Blei) oder der künftig geltenden Höchstmenge (bei Kadmium). Gleiches gilt für den Schadstoff Arsen – kein Hundefutter war hier schlechter als „befriedigend“. In keiner Probe waren chlorierte Kohlenwasserstoffe nachweisbar.

Da in Trockenfutter meist mehr Getreide steckt als in Feuchtfutter, sind auch Schimmelpilze und deren Gifte, die Mykotoxine, ein Thema bei den Hundemahlzeiten. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat zur Vorsicht gemahnt. Das Schimmelpilzgift Aflatoxin spielt dabei die größte Rolle.

Aflatoxine: Hunde eher gefährdet

Trockenfutter für Hunde Test

Ab in die Tonne: Gibts was Leckeres zu futtern, ist für Hunde kein Halten mehr.

Generell sind Hunde, deren Futter durchschnittlich einen höheren Kornanteil aufweist, eher gefährdet als Katzen. Akute Fälle von Aflatoxikosen bei Hunden wurden dieses Jahr über das EU-Schnellwarnsystem für Futtermittel aus den USA gemeldet. Allerdings ist es schwierig, in der Praxis nachzuweisen, dass Krankheitssymptome auf Schimmelpilze zurückzuführen sind. Eine gewisse Entwarnung bringt unser Testergebnis: In keiner Probe waren Aflatoxine nachweisbar. Nur bei Purina Beneful wurden erhöhte Werte der Schimmelpilzgifte Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZEA) gefunden. Die mikrobiologische Prüfung auf schädliche Keime bestanden übrigens sämtliche Hundefutter mit Bravour.

Für wichtig hielten wir auch, ob Fütterungstipps in guter Qualität und ausreichendem Umfang gegeben werden. Besonders der Hinweis auf Wasser zur freien Verfügung und sinnvoll abgestufte Dosierungsempfehlungen für den gesamten Gewichtsbereich der Hunderassen wurden bewertet. Minuspunkte gab es unter anderem für englische Bezeichnungen. Schließlich kann man nicht davon ausgehen, dass jedes Herrchen oder Frauchen weiß, was da gemeint ist.

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