Trockenfrüchte Meldung

Pestizide in Trockenfrüchten In frischen Tafeltrauben sind Pestizide keine Seltenheit, auch Rosinen können belastet sein. Unser Test zeigt, welche Produkte Sie meiden sollten.

Das Ergebnis unseres Tests von frischen Tafeltrauben im Oktober war höchst unerfreulich: Von 26 Proben grüner Trauben war mehr als jede zweite deutlich bis stark mit Pestiziden belastet. Jetzt im Winter haben wir uns die Rosinen herausgepickt. Was steckt in den beim Backen so beliebten getrockneten Weinbeeren an Spritzmitteln? Für eine Probe haben wir 20 Produkte eingekauft und nach rund 440 verschiedenen Pestiziden gefahndet.

Die gute oder sogar sehr gute Nachricht: Elf der untersuchten Rosinenprodukte, mehr als die Hälfte, waren überhaupt nicht oder nur sehr gering mit Spritzmitteln belastet. Die schlechte: Immerhin sie­ben Produkte mussten wir eine deutliche oder sogar starke Belastung attestieren. Stark belastet waren die Sultaninen Golden Fruit von Aldi (Nord). In ihnen steckte ein Cocktail 13 unterschiedlicher Pestizide. Der Gehalt eines dieser Pestizide lag über der zugelassenen Höchstmenge. Diese Rosinen hätten gar nicht verkauft werden dürfen.

16 Pestizide in Eurogroup-Sultaninen

Trockenfrüchte Meldung

Frisch getrocknete, noch grüne Rosinen.

Wie in den frischen Tafeltrauben fanden wir auch in den Rosinen fast aller belasteten Produkte gleich mehrere Pestizide. Spitzenreiter sind die Sultaninen von Eurogroup. Sie enthielten insgesamt 16 verschiedene Spritzmittel. Und neben den Sultaninen von Aldi (Nord) waren auch die von Rio Bravo mit immerhin 13 verschiedenen Pestiziden belastet.

Über die Gründe der Mehrfachbelastung muss man spekulieren. Zum einen verwenden die Anbauer wohl mehrere Präparate, um sich gegen so unterschiedliche Schädlinge wie Insekten, Würmer, Spinnmilben oder andere zu schützen. Abwegig ist aber auch nicht der Verdacht, dass durch die gleichzeitige Anwendung mehrer Pestizide Höchstmengenüberschreitungen bei einem einzelnen Mittel leichter vermieden werden können. Denn die gesundheitsschädigende Bewertung von Rückständen und die Festsetzung von Höchstmengen gilt derzeit nur für einzelne Stoffe. Eventuelle Wechselwirkungen oder sich summierende Effekte wurden bislang nicht berücksichtigt. Hier besteht Forschungsbedarf.

Vier der fünf Bioprodukte pestizidfrei

Von den fünf Bioprodukten im Test werden vier den Erwartungen voll und ganz gerecht: Sie sind völlig frei von Pestiziden. Nur die Bio Gut und Gerne Sultaninen sind deutlich belastet und tragen ihr Bio-Siegel zu Unrecht. Sie enthalten insge­samt sechs verschiedene Pestizide, von denen gleich zwei nahe der Höchstmenge lagen. Eins dieser Mittel heißt Trifloxystrobin und wird von Bayer als „neuer Fungizid-Star“ beworben, ist also ein Pilzbekämpfungsmittel.

Am häufigsten verantwortlich für die deutliche oder starke Belastung ist jedoch Flufenoxuron, das gleiche Pestizid, das uns schon uns bei den frischen Weinbeeren aufgefallen war. Flufenoxuron, das im Weinbau vor allem gegen Spinnmilben eingesetzt wird, ist in Deutschland bislang gar nicht zugelassen. Als Höchstmenge gilt deshalb für Tafeltrauben der niedrige Wert von 0,01 Milligramm pro Kilogramm. In anderen EU-Ländern wie Italien, Spanien, Luxemburg, Frankreich ist das Mittel zugelassen. Dort gilt für Weintrauben das Zehn- beziehungsweise sogar das Fünfzigfache dieses Wertes.

Gesundheitskritisch?

Zur Beruhigung: Alle vorliegenden Studien legen nahe, dass Flufenoxuron – genau wie die meisten angewendeten Pestizide – bei vorschriftsmäßiger Anwendung weder akut noch langfristig gesundheitsge­fährdend ist. Doch wie erwähnt: Wechselwirkungen und Anreicherungen vieler unterschiedlicher Mittel sind kaum erforscht. Deshalb gilt vorbeugend: So wenig Pestizide wie möglich aufnehmen.

Meist geschwefelt

Trockenfrüchte sind in der Regel geschwefelt, meist mit Schwefeldioxid, E 220. Das Antioxidationsmittel verhindert die von vielen Menschen als unappetitlich empfundene Braunfärbung der getrockneten Früchte, kann aber bei empfindlichen Menschen zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall und anderen Unverträglichkeiten führen. Deshalb gibt es gesetzlich festgesetzte Höchstmengen. Unter den von uns untersuchten Rosinen waren nur zwei geschwefelte Produkte, die auch entsprechend deklariert waren. Achten Sie auf das Zutatenverzeichnis, wenn Sie auf ungeschwefelte Ware Wert legen: Schwefeldioxid, E 220, muss aufgeführt sein. Wenn auf der Verpackung keinerlei Hinweise stehen, muss das Produkt ungeschwefelt sein.

Anders als bei den Feigen und Datteln spürten wir in sieben Rosinenprodukten das Schimmelpilzgift Ochratoxin A auf – allerdings in so geringen Spuren, dass gesundheitliche Auswirkungen nicht zu befürchten sind.

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