Triple-Play Special

Fernsehen schauen, telefonieren, im Internet surfen: Zahlreiche TV-Kabelnetz­anbieter und Telefon­provider bieten alles zusammen in einem einzigen Paket an.

Aus Telefonie, Internet und Fernsehen wird Triple-Play. Kabel- und Telefonanbieter werben für Medien aus einer Hand. Doch das lohnt sich nicht für jeden.

Der Preis scheint günstig. Bereits für 26,90 Euro im Monat können Kunden von Kabel Deutsch­land unbe­grenzt im Internet surfen, dutzende Fernsehsender schauen und ins deutsche Fest­netz telefonieren. Alles kommt über eine Leitung ins Haus, sie erhalten eine Gesamt­rechnung und für sämtliche Probleme gibt es einen einzigen Ansprech­partner.

Solche Medienpakete gibt es nicht nur bei Kabel Deutsch­land. Auch die Deutsche Telekom und Vodafone sowie andere Kabelnetz­betreiber werben für diese Triple-Play-Angebote. Je nach Leistungs­umfang kosten sie bis zu 80 Euro im Monat.

Was einfach klingt, ist für Kunden aber keine leichte Entscheidung. So lassen sie sich je nach Anbieter auf unterschiedliche Über­trags­wege ein. Während bei den Kabelnetz­betreibern alles über den TV-Breitband­kabel­anschluss ins Haus kommt, fließen bei Telefon­providern mit DSL-Technologie alle Daten über den Telefon­anschluss. DSL steht für Digital Subscriber Line, deutsch digi­taler Teilnehmer­anschluss.

Das kann Triple-Play

Triple-Play bietet einen unbe­schränkten Zugang ins Internet. Kunden können unterschiedliche Geschwindig­keiten wählen: Mehr Tempo kostet mehr Geld. Hinzu kommt ein umfang­reiches Angebot an TV-Sendern – oft mehr als 100 –, wovon die meisten kostenfrei sind.

Die Programme prominenter Fernsehsender wie ARD, ZDF und Co. können in hoch­auflösender HD-Qualität empfangen werden. Kunden können auf kosten­pflichtige Online­video­theken wie zum Beispiel Netflix und Maxdome zugreifen.

Bei allen in unserer Tabelle genannten Tarifen ist eine Telefon-Flatrate ins deutsche Fest­netz inklusive. Telefonate in deutsche Mobil­funk­netze kosten jedoch um die 20 Cent pro Minute.

Damit alles klappt, stellt der Anbieter Kunden die notwendige Hard­ware wie Router, Receiver oder Rekorder zur Verfügung. Die vertragliche Mindest­lauf­zeit beträgt 24 Monate.

Sonderpreise zu Vertrags­beginn

Alle Angebote haben eine monatliche Grund­gebühr. Doch diese lässt sich nicht immer ohne weiteres miteinander vergleichen: Bei manchem Anbieter sind die Kosten für die benötigte Hard­ware wie etwa Router, Rekorder oder Receiver inklusive, bei anderen fallen sie zusätzlich an. In unserer Tabelle führen wir deshalb die monatlichen Gesamt­kosten auf.

Im Kampf um neue Kunden locken viele Anbieter mit Sonderpreisen zu Vertrags­beginn. Diese gelten aber häufig nur für die ersten 12, manchmal sogar 24 Monate. Danach kann es erheblich teurer werden. So kostet beispiels­weise der Grund­tarif des Kombi-Pakets Basis 25 bei Kabel Deutsch­land in den ersten zwei Jahren 24,90 Euro, danach 34,90 Euro im Monat. Vorsicht ist auch bei voreinge­stellten Zusatz­optionen geboten wie etwa einem erweiterten Angebot von Fernsehsendern in HD-Qualität: Diese sind in den ersten Monaten oft gratis. Nach Ablauf eines bestimmten Zeitraums werden sie dann zusätzlich berechnet, wenn der Kunde sie nicht recht­zeitig abbestellt.

Der Kosten­vergleich

Der Umstieg auf ein Triple-Play-Paket kann für Nutzer über­legens­wert sein, die bisher über einen Kabelanbieter Fernsehen schauen und ihren Internet- und Fest­netz­zugang über den DSL-Markt­führer Telekom beziehen. In solch einem Fall liegen die Kosten für zwei separate Anschlüsse dann häufig höher als für ein Triple-Play-Paket. Beispiel: Das Basis-Paket Kabel Digital HD (Fernsehen) von Kabel Deutsch­land für 5,90 Euro (Receiver inklusive) im Monat plus Magenta Zuhause S (Internet, Fest­netztelefonie und Routermiete) von der Telekom für 39,90 Euro kosten zusammen 45,80 Euro. Ein vom Leistungs­umfang etwa vergleich­bares Triple-Play-Paket von Kabel Deutsch­land kostet in den ersten zwei Jahren monatlich 26,90 Euro, danach 36,90 Euro.

Wer hingegen über Satellit oder Antenne (DVB-T) fernsieht und damit zufrieden ist, fährt mit einem Internet-Telefonie-Kombi-Paket meist güns­tiger. Solche Pakete sind ab etwa 20 Euro im Monat zu haben.

Beschränkte Wahl­möglich­keiten

Doch allein mit einem Preis­vergleich ist es nicht getan, denn Interes­senten für Triple-Play-Pakete haben nur beschränkte Wahl­möglich­keiten: Leben sie in einer Region , in der das Kabel­fernsehnetz nicht ausgebaut ist, können sie auch nichts über Kabel empfangen. Immerhin haben weit mehr als die Hälfte aller Haushalte in Deutsch­land Zugang zum Kabelnetz.

Doch auch schnelles DSL mit 16 Megabit pro Sekunde und vor allem VDSL mit bis zu 50 Megabit pro Sekunde ist nicht flächen­deckend verfügbar. Von den großen DSL-Providern haben bisher die Telekom und Vodafone Triple-Play-Pakete im Programm, 1&1 und O2 hingegen nicht.

Kabelnetze sind regional aufgeteilt

Entscheidet sich der Kunde für das schnelle TV-Kabelnetz, kann er sich den Betreiber normaler­weise nicht aussuchen. In vielen Regionen gibt es lediglich einen Anbieter. Kabel Deutsch­land betreibt in 13 Bundes­ländern Kabelnetze. In Nord­rhein-West­falen, Hessen und Baden-Württem­berg hat der Verbund von Unitymedia und Kabel BW die Kabelhoheit.

Neben diesen beiden Platz­hirschen sind lokal auch zahlreiche kleinere Anbieter aktiv. Zu den Größten der Kleineren zählen Tele Columbus und Primacom.

Um das Internet über TV-Kabel nutzen zu können, muss ein Techniker vor Ort die veraltete TV-Anschluss­dose gegen eine internettaugliche, rück­kanal­fähige Multimediadose austauschen.

Ohne Tempo kein HD-Fernsehen

Ohne schnelle Leitung hat der Nutzer wenig Freude an Internet, Telefon und Fernsehen aus einer Hand. Das heißt, sie muss hohe Daten­über­tragungs­raten ermöglichen. Hier haben die Kabelnetz­betreiber auf den ersten Blick die leistungs­fähigere Infrastruktur: Sie können ihren Kunden über ihre Kabelnetze Download­geschwindig­keiten von bis zu 200 Megabit pro Sekunde anbieten.

Zum Vergleich: Stan­dard­mäßig offerieren Telefon­provider via DSL-Breitband ihren Kunden Höchst­geschwindig­keiten bis zu 16 Megabit pro Sekunde. Intensiven Nutzern wie beispiels­weise Spielefreaks und anspruchs­vollen HD-Filmfans reicht dieses Tempo oft nicht mehr aus. Deshalb bewerben die Telefon­provider verstärkt ihre schnellen VDSL-Zugänge mit 50 Megabit pro Sekunde. Diese sind bisher allerdings vorwiegend nur in Ballungs­gebieten verfügbar.

In ausgewählten Regionen ist die Telekom seit einigen Jahren dabei, ihr modernes Glasfasernetz (FTTH — Fibre to the Home) auszubauen: Hier bietet auch die Telekom Download­geschwindig­keiten von bis zu 200 Megabit pro Sekunde an.

Vorsicht bei den Tempo­angaben

Bei den Download­geschwindig­keiten, die die Anbieter in ihrer Werbung angeben, handelt es sich um theoretisch mögliche Höchst­werte. In der Praxis sind diese oft viel nied­riger, sowohl bei den Kabelnetz­betreibern als auch den Telefon­providern. Das hat auch die Bundes­netz­agentur bei einer bundes­weiten Mess­kampagne fest­gestellt. Demnach erreicht nicht einmal jeder sechste Nutzer die volle vermarktete Daten­über­tragungs­rate.

Wie schnell der heimische Zugang tatsäch­lich ist, können Verbraucher beispiels­weise unter www.initiative-netzqualität.de heraus­finden.

Für jeden Fernseher ein Receiver

Um das umfang­reiche Fernseh­angebot über DSL auf dem heimischen Fernseher anschauen zu können, benötigen Nutzer einen Receiver, mit dem die Signale aus der DSL-Leitung in fernsehtaugliche Signale umge­wandelt werden. Dabei ist für jeden Fernseher ein eigenes Gerät erforderlich. Wer also in einem zweiten Zimmer ein weiteres Fernsehgerät nutzt, benötigt auch einen zweiten Receiver. Dafür fallen dann noch zusätzliche Kosten an.

Call by Call nur bei der Telekom

Wer sich entschließt, von der Deutschen Telekom zu einem Kabelnetz­betreiber zu wechseln, profitiert womöglich von einer schnel­leren Internet­geschwindig­keit zu einem güns­tigeren Preis, muss aber beim Telefonieren Abstriche machen. Die Nutzung güns­tiger Call-by-Call-Vorwahlen ist dann nicht mehr möglich: Nur Telekom-Kunden können die Minuten­preise ins Mobil­funk­netz und in zahlreiche Länder auf unter 2 Cent drücken, wenn sie entsprechende Vorwahlen nutzen.

Vodafone bietet beides

Markt­führer bei der Zahl der Breitband­zugänge ist noch immer unangefochten die Telekom. Die Kabelanbieter holen aber auf. Nachdem Vodafone Kabel Deutsch­land über­nommen hat, ist mit dem britischen Unternehmen ein Wett­bewerber auf dem Markt, der Breitband­zugänge auf beiden Wegen anbieten kann, via DSL-Technologie oder TV-Kabel: Wo Kabel Deutsch­land über Kabel­anschlüsse verfügt, werden den Kunden diese offeriert, wo nicht, wird ihnen der Zugang über die vorhandene Telefonleitung angeboten.

Bei Störung fällt viel aus

Eines ist für Triple-Play-Kunden von Kabel- und Telefonanbietern gleich: Bei einer tech­nischen Störung oder einem Total­ausfall funk­tionieren Telefon, Internet und Fernseher nicht mehr.

Hoffentlich ist dann wenigs­tens das Mobiltelefon aufgeladen und griff­bereit, um den Störungs­dienst anzu­rufen.

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