Trink­wasser­qualität: Die letzten Meter zählen

Trink­wasser­qualität - Die letzten Meter zählen

Die Wasser­uhr. Ab dem Haus­anschluss tragen die Eigentümer die Verantwortung für die Qualität des Trink­wassers.

Wasser­werke liefern das Nass bis vors Haus – meist in Top-Qualität. Im Haus aber können Schad­stoffe und Keime hinein­geraten. Wie das Wasser sauber bleibt.

Wasser ist das am besten kontrollierte Lebens­mittel

Reicht nicht auch Wasser aus der Leitung, um den Durst zu löschen? Diese Frage stellen uns Lese­rinnen und Leser regel­mäßig, wenn wir Mineralwasser prüfen. Aus unserer Sicht spricht grund­sätzlich Vieles für Leitungs­wasser. Es ist das am besten kontrollierte Lebens­mittel in Deutsch­land, muss die strengen Vorgaben der Trink­wasser­ver­ordnung erfüllen, um am Ende laut Verordnung „rein“ und „genuss­tauglich“ aus dem Hahn zu fließen: Test Trinkwasser.

Bildergalerie Trink­wasser: Vom Fluss bis ins Trink­glas

Aus der Natur bis ins Wasser­glas. Unsere Bildergalerie zeigt den Weg, den das Wasser zurück­legen muss, um uns in reiner Qualität zu erfrischen.

Trink­wasser­qualität - Die letzten Meter zählen

Rohwasser aus Grund­wasser, Flüssen und Seen. Zwei Drittel des Trink­wassers stammt aus Grund­wasser, der Rest aus Flüssen, Seen, Talsperren und deren Ufer­bereich. Rohwasser kann Keime und Rück­stände wie Pestizide enthalten.

Trink­wasser­qualität - Die letzten Meter zählen

Trink­wasser aus dem Wasser­werk. Mikro­organismen und Schad­stoffe entfernen, das Wasser geschmack­lich und optisch verbessern – im Wasser­werk wird das Rohwasser zu Trink­wasser.

Trink­wasser­qualität - Die letzten Meter zählen

Schnitt­stelle Wasser­zähler. Für die Qualität des Trink­wassers bis zum Wasser­zähler vor dem Haus­anschluss ist der Wasser­versorger verantwort­lich. Danach sind die Eigentümer des Hauses zuständig. Sie müssen für sichere Trink­wasser­installationen sorgen. Dazu gehören etwa Rohre, Dichtungen und Armaturen.

Trink­wasser­qualität - Die letzten Meter zählen

Fachleute engagieren. Nur Fachfirmen, die beim Wasser­versorger gelistet sind, dürfen Teile der Trink­wasser­installationen einbauen, reparieren und warten. Die Fachleute wissen, welche Materialien geeignet sind und zum örtlichen Trink­wasser passen.

Trink­wasser­qualität - Die letzten Meter zählen

Wasser­temperatur kontrollieren lassen. Warm­wasser sollte sich in der Warm­wasser­leitung auf mindestens 55 Grad Celsius erwärmen, damit sich keine Legionellen vermehren. Das Risiko ist in Mehr­parteienhäusern erhöht, wo Wasser in zentralen Speichern erwärmt wird. Alle drei Jahre sind Kontrollen für Speicher ab 400 Liter fällig. Wird das Wasser in Wohnungen per Durch­lauf erhitzt, besteht kaum ein Risiko.

Trink­wasser­qualität - Die letzten Meter zählen

Nur kühles Wasser trinken. Trinken Sie nur frisch gezapftes Wasser, das sich kühl anfühlt. Wasser ablaufen lassen, das einige Stunden in der Armatur stand. Lieber mit Kalt- statt Warm­wasser aus dem Hahn kochen. Wärme kann sehr geringe Mengen unerwünschter Stoffe aus Installationen lösen.

Ab Haus­anschluss ist Haus­besitzer verantwort­lich

Über die längste Strecke – von der Gewinnung über die Aufbereitung bis zum Haus­anschluss – tragen die Wasser­versorger die Verantwortung für die Wasser­qualität. Auf den letzten Metern aber sind Haus­besitze­rinnen und -besitzer zuständig: Sie müssen ab dem Haus­anschluss – also ab dem Rohr hinter dem Wasser­zähler – darauf achten, dass nichts die Wasser­qualität trübt. Wir erläutern, wo mögliche Schwach­stellen in der Trink­wasser­installation zu Hause liegen, und ob auf die Wasser­versorger Verlass ist.

Wasser­werke entfernen Schädliches

Den Wasser­versorgern bescheinigte das Umwelt­bundes­amt (Uba) im April 2021 einen hervorragenden Job: Das Trink­wasser größerer Wasser­versorger sei zu mehr als 99 Prozent von „guter bis sehr guter Qualität“, so der Uba-Trink­wasser­bericht. Er basiert auf Tausenden Analysen, die relevante Versorger von 2017 bis 2019 erhoben. Sie beliefern 88 Prozent der Bevölkerung.

349 Stoffe geprüft – Auffälligkeit bei Glyphosat

Grenz­werte seien nur selten über­schritten worden. Von 349 über­prüften chemischen Stoffen wie Pestizide und Arznei­mittel seien vier Pestizide negativ aufgefallen, darunter Glyphosat. Bei diesen Stoffen hätten 1 Prozent der Proben über dem Limit gelegen. Eine Gesund­heits­gefahr folge daraus nicht, so das Uba. Die Grenz­werte seien mit Sicher­heits­puffer berechnet, die Über­schreitungen waren zeitlich begrenzt.

Nur sehr wenige Proben bei Nitrat auffällig

Bei Nitrat, das etwa über Gülle erst ins Grund- und dann ins Trink­wasser geraten kann, über­schritten bis zu 0,07 Prozent der Proben den Grenz­wert. Erstaunlich wenig – melden doch gut ein Viertel der Grund­wasser­mess­stellen in Regionen mit intensiver Land­wirt­schaft zu viel Nitrat im Grund­wasser. Wasser­werke müssen dort einiges tun, dass Trink­wasser den Grenz­wert einhält. Sie mischen etwa unbe­lastetes Wasser zu, verlegen oder vertiefen Brunnen, klären Land­wirte auf. Nitrat kann sich zu Nitrit umwandeln, aus dem der Körper krebs­er­regende Stoffe bildet. In hoher Dosis kann es bei Babys zu Sauer­stoff­mangel führen.

Das Trink­wasser kleinerer Versorger stuft das Uba insgesamt ähnlich gut ein wie das von größeren. Nur bei einigen Hausbrunnen bestehe Nachbesserungs­bedarf.

Risiken auf den letzten Metern

Auch wenn gutes Trink­wasser vor den Häusern ankommt, kann auf den letzten Metern durch die Haus­installation noch etwas schief­gehen. So können sich Schad­stoffe aus unge­eigneten Leitungen, Dichtungen, Armaturen im Wasser lösen: Test Küchenarmaturen. Selbst geeignetes Material aus Metall und Kunststoff kann sehr geringe Mengen unerwünschter Stoffe abgeben, wenn Wasser darin stunden­lang steht. Auch höhere Wasser­temperaturen fördern Über­gänge.

Alte Blei­rohre müssen raus

Besonders kritisch sind Rohre aus Blei. Das Schwer­metall kann sich ins Trink­wasser lösen. Schon kleine Mengen können das Nerven­system von Ungeborenen, Babys und Klein­kindern schädigen, die Intelligenz mindern. In Deutsch­land sind Blei­rohre seit 2013 unzu­lässig. Vermieter müssen Blei­rohre austauschen. Ob das geschehen ist, können Mieter nicht immer erkennen. Blei­rohre finden sich laut Studien noch selten in Altbauten mit Baujahr vor 1973.

Tipp: Sie können Ihr Trink­wasser kontrollieren lassen. Die Analyse kostet etwa 15 Euro, für Schwangere ist sie oft gratis. Kontakte zu Laboren können Wasser­versorger oder Gesund­heits­ämter vermitteln.

Keimkolonien im Gästebad

Bedenk­lich sind auch Keim-Kolonien in der Haus­installation, vor allem von Legionellen. Sie vermehren sich stark in 25 bis 45 Grad Celsius warmem Wasser. In großen Warm­wasser­speichern sowie selten durch­gespülten oder schlecht isolierten Leitungen finden sie ideale Milieus. Legionellen können Fieber oder Lungen­entzündung verursachen, wenn sie etwa über Wasser­nebel beim Duschen einge­atmet werden.

Tipp: Lassen Sie regel­mäßig Wasser durch die Leitungen laufen, auch an selten genutzten Anschlüssen wie im Gästebad.

Preis­wert und ökologisch

Ist die Wasser­installation im Haus okay, bietet Trink­wasser im Vergleich zu Mineral­wasser Vorteile: Statt mindestens 13 Cent kostet es rund einen halben Cent pro Liter. Oben­drein erzeugt es weniger als 1 Prozent der Umwelt­belastungen von Flaschen­wasser.

Tipp: Halten Sie Hahn, Sprudler, Karaffen sauber, um am Ende nicht das gute Wasser zu verderben.

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