Trinkgeld Meldung

Wie viel, wann, wem? Gerade im Urlaub kann es beim Trinkgeld stressig werden. Ein paar Regeln helfen, stilvoll auszu-teilen, ohne arm zu werden.

Filodórima. Wenn das nicht nach Urlaub klingt, nach griechischem Wein, Sonnenuntergang und Sirtaki? Filodórima heißt „Trinkgeld“, wörtlich übersetzt sogar „Freundschaftsgeschenk“ – und deutet damit an, was jeder Tourist schon mal geahnt hat: Beim Trinkgeld geht es um mehr als um Geld.

„Belohnung und Dank für guten Service“ – so definiert Inge Wolff das Geldgeschenk an Kellner und Co. Als Chefredakteurin von „Stil & Etikette“ muss sie es wissen. Wer Trinkgeld gibt nach dem Motto „Dafür kann ich das Personal springen lassen“, ist ihr ein Dorn im Auge. Wichtig: Nie den Empfangenden beschämen. Ein Lächeln oder ein netter Satz lassen es erst gar nicht so weit kommen. Inge Wolff hat sich von ihrem Vater abgeschaut, wie man es richtig macht: „Oggi è domenica“(„Heute ist Sonntag“) übte der im ersten Italienurlaub immer wieder – und überreichte schließlich mit dieser Anmerkung in perfektem Italienisch dem Kellner seinen Obolus.

Mit Trinkgeld lässt sich nicht nur Zufriedenheit, sondern auch Unmut trefflich ausdrücken. Inge Wolff hat sich dazu unter Restaurantfachkräften umgehört. Ihr Rat bei schlechtem Service: Lieber gar nichts geben. „Eine Rechnung von 49,80 Euro auf 50 Euro aufzurunden, wird als beleidigend empfunden.“

In den USA klotzen statt kleckern

Trinkgeld Meldung

Euro hin, Euro her: Mitdenken, heißt es beim Trinkgeld im Urlaub nach wie vor.

Wer über sein Gastland Bescheid weiß, tut sich bei solchen Entscheidungen leichter. Gar kein Trinkgeld zu bekommen, würde eine amerikanische Bedienung besonders hart treffen, da sie in der Regel einen sehr niedrigen Mindestlohn erhält. Trinkgeld ist quasi Lohnbestandteil. Doch die in den Staaten üblichen 15 bis 20 Prozent erschrecken besonders Urlauber aus Europa. Sie sollten aber bedenken: In Deutschland erwarten die Kellner zwar weniger Trinkgeld, dafür steckt ihr höherer Grundverdienst schon in den Preisen der Speisen und Getränke. Während dieser Anteil für die Bedienung in Deutschland oder auch Skandinavien von vornherein als „inklusive“ deklariert ist, kommt er in anderen Ländern manchmal auch als Extraposten hinzu. Zum Beispiel in Frankreich oder Großbritannien. Da taucht auf der Rechnung der Posten „Service charge“ (übersetzt: Bedienungskosten) auf. Zusätzliches Trinkgeld ist dann ein Extrabonus, mit dem ein zufriedener Gast freiwillig die Leistung eines Kellners anerkennt.

In Japan ist Trinkgeld nicht üblich

Ob das „Freundschaftsgeschenk“ im Restaurant oder Hotel überhaupt üblich ist und wie hoch es ausfallen sollte, ist eine Frage der Landessitte. Den richtigen Zeitpunkt muss man selbst wählen. Laut Stilexpertin Inge Wolff spricht nichts dagegen, dem Hotelpersonal schon nach der Hälfte des Aufenthalts Trinkgeld zu geben. Das könne „durchaus leistungsfördernd“ wirken. Dann gilt aber: Dem Zimmermädchen das Geld persönlich überreichen.

Auf Schiffen kann es teuer werden

Auch wie man reist, spielt eine Rolle: So gelten Stewards in Flugzeugen als Gastgeber und bekommen kein Trinkgeld. Wer etwa bei der Lufthansa trotzdem gibt, dessen Geld wird wohltätigen Einrichtungen gespendet. Anders sieht es auf klassischen Kreuzfahrtschiffen aus: Da schlägt zum Beispiel der Barkeeper für jede Bestellung automatisch Trinkgeld auf die Rechnung auf. Deshalb sollte der Passagier beim Überschlagen des Reisepreises gleich 10 bis 15 Prozent dazurechnen ­– sonst gibts eine böse Überraschung. Inzwischen kann der Gast aber zum Beispiel auf den Aida-Clubschiffen selbst entscheiden, ob er Trinkgeld gibt oder nicht. Bei Kreuzfahrten gilt also: Die Katalogausschreibung genau lesen und beim Buchen konkret nachfragen. Auch bei Busreisen können zusätzliche Kosten anfallen. Deshalb sollte der Reisende prüfen: Sind Trinkgelder im Preis enthalten? Wem kommen sie zugute? Für den Reiseleiter des Veranstalters etwa sollte man rund 10 Prozent veranschlagen.

Wenn ohne Trinkgeld gar nichts läuft, wirds problematisch. Das muss man sich auch nicht gefallen lassen, entschied das Kölner Amtsgericht: So konnten Urlauber, die in einer All-inclusive-Anlage Getränke nur erhielten, wenn sie Trinkgeld dafür gaben, den Reisepreis um 5 Prozent mindern (Az. 122 C 171/00).

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