Trinken im Hochsommer Meldung

Gelbe Wiesen, staubige Wege, trockene Kehlen: Wenn die Sonne im Hochsommer den Hitzerekord des Jahres 2001 aufstellt, sollten Erwachsene etwa ein Drittel mehr trinken.

Im Juli brennt die Sonne stärker als sonst. Das kann praktisch sein, wenn nasse Wäsche schnell trocknen soll. Die Hitze wird allerdings zum Ärgernis, wenn die Erde der Balkongeranien schon eine Stunde nach dem Gießen an Wüstensand erinnert.

Egal wie der Mensch die Hochsommersonne betrachtet, er muss seinen eigenen Körper vor dem Austrocknen schützen. Und zwar mit ausreichend Flüssigkeit. Normalerweise verliert ein Erwachsener im Laufe eines Tages zwei bis drei Liter Flüssigkeit. An heißen Tagen kann er diese Menge schon innerhalb einer Stunde ausschwitzen. Damit bei Temperaturen von mehr als 30 Grad kein Loch im Wasserhaushalt entsteht, sollte er die empfohlene tägliche Getränkemenge bei Hitze möglichst um etwa ein Drittel erhöhen.

Wenigtrinker brauchen sich aber nicht unter Druck zu setzen. Weil sich der Wasserhaushalt eines gesunden Menschen bei heißen Bedingungen schnell einzupendeln vermag, reicht es auch, wenn Erwachsene statt der normalerweise erforderlichen 1,5 bis 2 Liter zwei bis drei Gläser mehr alkoholfreie Flüssigkeit zu sich nehmen. Wer allerdings bei glühender Hitze Sport treibt, sollte die gewöhnliche Trinkmenge am besten verdoppeln.

Darum müssen wir trinken

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Ohne Flüssigkeit läuft nichts im menschlichen Körper. Blut transportiert sämtliche Nährstoffe an die Stellen, wo sie gebraucht werden. Urin treibt Schadstoffe und Stoffwechselabfälle nach draußen. Schweiß rinnt bei Anstrengung und Hitze aus den Poren, um kühlend auf der Haut zu verdunsten und die Körpertemperatur auf durchschnittlich 37 Grad zu halten. Die mit Atem, Schweiß und Toilettengängen verlorene Flüssigkeit sollte im Laufe eines Tages wieder ausgeglichen werden. Der Mensch besitzt keinen Wasserspeicher, sodass er seine Defizite unaufhörlich auffüllen muss. Sonst holt sich der Körper die Flüssigkeit, die er für Stoffwechselprozesse braucht, aus dem Blut. Das wird dann dickflüssig und das Herz muss härter arbeiten, um es durch die Adern zu pumpen. Ein Minus im Wasserhaushalt kann Kopfschmerzen, allgemeine Schwäche und Kreislaufstörungen verursachen. Auch die Produktion von Speichel und Harn geht zurück.

Einen Teil seines Flüssigkeitsbedarfs deckt der Körper beinahe unbemerkt. Schließlich nehmen wir etwa einen Liter Wasser mit dem Essen auf. Je mehr Obst, Gemüse und Milchprodukte wir verzehren, um so besser für die Flüssigbilanz. Außerdem spendiert der Stoffwechsel täglich noch ein kleines Bierglas voll Oxidationswasser (rund 0,3 Liter), das bei der Verbrennung von Nährstoffen abfällt. Trotz dieser Gratisgaben bleibt ein tägliches Flüssigkeitssoll von etwa 1,5 bis 2 Litern übrig, die wir Schluck für Schluck mit Getränken aufnehmen sollten ­ im Sommer eben noch mehr. So weit die Theorie.

In der Praxis trinken viele Menschen zu wenig. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Kleinkinder, die wegen ihrer vergleichsweise großen Hautoberfläche besonders viel Flüssigkeit benötigen, vergessen oft zu trinken. Eltern sollten deshalb darauf achten, dass ihr Nachwuchs bei jeder Mahlzeit Getränke angeboten bekommt. Aber auch Erwachsene konsumieren nicht immer genug alkoholfreie Durstlöscher. Dabei kann zum Beispiel ein Glas Wasser die Konzentrations-, Merk- und Leistungsfähigkeit steigern. Wenn am Arbeitsplatz eine Kantine oder ein Getränkeautomat fehlen, sollte immer flüssiger Proviant von zu Hause mitgebracht werden.

Besonders häufig trinken ältere Menschen zu wenig, weil das Durstgefühl bei ihnen nachgelassen hat. Im Vergleich zu Jüngeren brauchen die über 50-Jährigen meist wesentlich mehr Flüssigkeit, weil die Nierenleistung schwächer wird. Das Organ büßt nämlich zunehmend die Fähigkeit ein, Wasser durch einen hoch konzentrierten Urin einzusparen.

Um daher auch im Alter Stoffwechsel und Nieren in Gang zu halten, heißt die Devise: trinken, trinken, trinken. Wenn kräftig aufgetankt wird, können sich sogar Mangelsymptome wie Verwirrtheit und Verstopfung schlagartig verbessern. Zur Gedächtnisstütze sollten sich ältere Menschen beispielsweise morgens sieben bis zehn leere Gläser à 0,2 Liter auf einem Tablett zurecht stellen. Im Laufe des Tages muss jedes Glas dann mit einem durstlöschenden Getränk gefüllt, getrunken und wieder weggestellt werden.

Nährstoffe ausgleichen

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Wer schwitzt, verliert außer Wasser auch noch Mineralstoffe wie Natrium. Mit dem Essen kehren diese Stoffe automatisch wieder in den Körper zurück. Daher sind auch ergänzende Mineralstoffpräparate selbst bei größter Hitze nicht nötig. Flüssigkeitsverluste bei hohen Temperaturen können mit herkömmlichen Getränken wie Leitungs-, Mineralwasser oder Säften ausgeglichen werden. Ähnlich wie Freizeitsportlern bekommt es auch Hitzeschwitzern gut, wenn sie sprudelndes Wasser mit etwa einem Drittel Fruchtsaft (zum Beispiel Apfel- oder Orangensaft) mischen. Die Schorle liefert mit dem Fruchtzucker zusätzliche Energie. Purer Fruchtsaft ist als Durstlöscher nicht so gut geeignet, weil er für einen literweisen Konsum zu viele Kalorien hat. Ein 0,2-Liter-Glas Orangensaft enthält zum Beispiel rund 86 Kilokalorien, in einem Glas Apfelsaft stecken etwa 96 Kilokalorien. Wegen des zugesetzten Zuckers sind aber auch andere auf Fruchtsaftbasis hergestellte Getränke wie Nektare, Fruchtsaftgetränke und Limonaden keine überzeugenden Alternativen. Ein Glas mit einem Fruchtsaftgetränk hat durchschnittlich 98 Kilokalorien, ein gleich großer Becher mit Cola sogar 114 Kilokalorien. Weniger gehaltvoll sind auf jeden Fall Getränke mit Süßstoffen. Ideal ist die künstliche Süße allerdings nicht, wenn man sich möglichst naturnah ernähren will. Zudem bringt sie manchen erst auf den Geschmack. Die bessere Alternative: Tees sparsam süßen oder mit Fruchtsäften verdünnen. Nur für Diabetiker, die sonst sämtliche zuckerhaltigen Getränken meiden sollten, sind künstlich gesüßte Produkte wirklich sinnvoll.

Mythos Mineralwasser

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Mit Wasser aus der Leitung mögen viele Verbraucher ihren Durst nicht löschen. Sie fürchten, dass die Flüssigkeit nicht schadstofffrei aus dem Hahn fließt. Doch solche Bedenken sind meistens unbegründet: In Deutschland gelten so strenge Kriterien für Trinkwasser, dass jeder Mensch tagaus, tagein literweise davon schlucken könnte. Selbst wenn in manchen Regionen Dünger und Gülle die Nitratwerte im oberflächennahen Grundwasser ansteigen lassen, müssen es die Wasserwerke bis zur guten Trinkqualität aufbereiten.

Können trotzdem Schadstoffe nachgewiesen werden, liegt das meist nicht am Wasserwerk, sondern an der Hausinstallation. Zum Beispiel können Rohre in Altbauten Blei und Leitungen in Neubauten Kupfer absondern. In solchen Fällen sollten Eltern von Säuglingen das Wasser morgens mindestens eine Minute lang laufen lassen, bevor der Nachwuchs davon trinkt. Die Stiftung Warentest analysiert Wasserproben auf Blei, Kupfer, Kadmium und Zink.

In der Regel gibt es keinen gesundheitlichen Grund, Mineralwasser aus Flaschen statt Wasser aus dem Hahn zu trinken. Mit Trinkwassersprudlern kann man sich aus der Leitungsquelle auch zu Hause ein gutes, billiges Wasser zubereiten. Solchem privat produzierten Prickelwasser stellen Mineralbrunnen-Betriebe die strengen Qualitätskontrollen für ihre Produkte sowie den höheren Anteil von gelösten Mineralsalzen entgegen. Die geringe Belastung von Mineralwasser, das für die Säuglingsernährung gut geeignet ist, bestätigte ein Test der Stiftung Warentest von 1999. Dennoch gilt: Die Qualität des Leitungswassers ist meist in Ordnung, und wir nehmen im Alltag mit unserer Nahrung normalerweise ausreichend Mineralstoffe auf.

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