Trekkingräder im Schnelltest: Service vom Boten

Affenschaukel oder Riesenspaß

Der auffälligste Unterschied zwischen den Trekkingrädern von Tchibo und Plus ist ihre Federung. Der gefederte Rahmen des Tchibo-Rads schwingt bei Bodenwellen deutlich nach. Zumindest hinten. Auch hier sind die Meinungen der Tester geteilt: „Affenschaukel“ unken die Kritiker, „angenehm und komfortabel“, sagt der Fan. Die Federgabel vorn spricht dagegen kaum an: Auf Kopfsteinpflaster schlagen die Stöße durch. Das ist beim Plus-Rad genauso: Die Federgabel bringt nicht viel. Umgekehrt beim Sattel: Gefederte Sattelstützte und gefederter Sattel sind zuviel: Die Kombination fährt sich wackelig.

Sattel nicht stabil

Auch die Sattelklemmung bei Plus hält nicht, was sie halten soll: Der Sattel kippt, wenn er wie vorgeschrieben angezogen wird. Hier hilft Gewalt: Die Mutter muss sehr fest angezogen werden. Ähnlich bei der Sattelstütze, die sich per Schnellspanner verstellen lässt. Mit der Hand angezogen, bleibt die Stütze nicht sicher auf Position. Erst mit Werkzeug lässt sich der Sattel tadellos fixieren. Nachteil: Der Schnellspanner kann jetzt kaum noch von Hand verstellt werden. Fazit: Das Material ist billig.

Nur vormontiert

Bastlergeist ist ohnehin gefragt. Die Billigfahrräder sind nur vormontiert. Ob online bestellt oder im Supermarkt gekauft: Der Kunde muss Lenker, Sattel und Pedale anziehen und die Schrauben prüfen. Die Anleitung weist deutlich darauf hin. Aber nicht jeder Radfahrer ist handwerklich begabt. Böse Falle: Bei Tchibo können sich die Pedalen lockern. Sie fallen zwar nicht ab, aber das Gewinde verschleißt. So geschehen bei einem Testrad: Schon nach drei Tagen waren die Pedalkurbeln Schrott.

Kundendienst perfekt

Anruf bei der Tchibo-Hotline: Was ist zu tun? „Kein Problem“, sagt Tchibo. Neue Pedalkurbeln und Pedale kommen mit der Post. Den Einbau kann der Kunde vom Fachhändler besorgen lassen: Tchibo zahlt bis 50 Euro. Das ist Kundendienst perfekt: wenn es funktioniert. Die Stiftung Warentest wirds ausprobieren. Auch Plus lässt den Kunden nicht im Regen stehen: Wer Probleme mit dem Fahrrad hat, soll die Hotline des Herstellers wählen. Der schickt binnen sieben Tagen einen Hermes-Boten, der das Fahrrad gleich vor Ort repariert. Klingt märchenhaft. Auch der Götterbote wird getestet werden. Mehr dazu demnächst hier bei test.de.

Bis 14 000 Kilometer ok

Im Dauertest zeigte sich zumindest das Tchibo-Rad erstaunlich stabil. Gabel, Lenkung, Rahmen und Sattelstütze hielten einer simulierten Fahrleistung von 24 000 Kilometern stand. Die Lenkung ist auch beim Plus-Rad ohne Tadel. Vorbau und Lenker überstanden den Dauertest - obwohl die Lenkung Spiel hat und recht wabbelig wirkt. Dafür brach die Gabel nach einer simulierten Fahrleistung von rund 14 000 Kilometern. Kein allzu großer Mangel: 14 000 Kilometer sind viel. Urteil: ausreichend. Gelegenheitsradler kommen nicht so weit. Zum Schluss liefen die Trekkingbikes über die Rüttelpiste. Ergebnis: Beim Plus-Rad lockerten sich schon nach 200 Kilometern einzelne Speichen. Ärgerlich: Die Speichen müssen nachgezogen werden. Das Tchibo-Rad kam dagegen ohne Schaden ins Ziel.

Fortsetzung: test-Kommentar

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