Trekkingräder Test

Die Testcrew: Zwei Frauen und fünf Männer waren auf mallorquini­schen Straßen unterwegs.

Die beliebten Allroundfahrräder zeigen erstaunlich viele Schwächen in der Sicherheit und Haltbarkeit. Nur 2 der 15 Modelle im Test schaffen noch ein „Gut“.

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Mit Schutzblechen, Kettenschutz und Beleuchtung ausge­stattet, eignen sich Trekkingbikes für den täglichen Weg zur Schule oder zur Arbeit. Dank belastbarer Gepäckträger und Schaltungen mit 21 bis 24 Gängen kann man mit ihnen am Wochenende oder im Urlaub auch ausgedehnte Touren in Angriff nehmen. Kurzum, sie sind wahre Allround­fahrräder. Sind sie aber auch zuverlässig? Nach unserem letzten Test im Jahr 2004 bestehen da einige Zweifel. Jedes dritte Rad erwies sich damals als „mangelhaft“ und nur ein einziges Trekkingrad war am Ende „gut“.

Prüflabor und Praxistest

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Belastung sichtbar gemacht: Dauerprüfung der Gabel im Rahmen über 24 000 Kilometer.

Nun mussten aktuelle Modelle zeigen, ob sich das Bild gebessert hat. 15 Trek­king­­räder der Preisklasse um 500 Euro haben wir in die Mangel genommen. Einerseits im Prüflabor, wo die einzelnen Komponenten wie Rahmen, Gabel, Lenker und Sattelstütze sowie das komplette Rad auf einem Rollenprüfstand so belastet wurden, als seien sie in der Praxis 24 000 Kilometer gefahren. Andererseits waren unsere Testfahrer, zwei Frauen und fünf Männer, mit je einem weiteren Exemplar im Praxistest unterwegs. Und zwar im Februar. Weil zu dieser Zeit hierzulande noch Nässe, Glätte und Kälte vorherrschen, wurden die Fahrversuche wieder auf Mallorca durchgeführt. Die Balearen-Insel bietet nicht nur ein radfahrgerechtes Frühlingsklima, sondern auch anspruchsvolle Strecken mit kurvigen Straßen, befestigten und steinigen Wegen, mit Steigungen und Gefälle durch hügelige Gebirgsausläufer und stille Täler. Jedes Fahrrad wurde dort über 200 Kilometer erprobt. Nach jeder Testrunde beurteilten die erfahrenen Radler die Bikes mithilfe umfangreicher Fragebögen und tauschten die Räder nach einem bestimmten Schema so aus, dass am Ende jeder jedes Rad gefahren hatte.

Alle geprüften Fahrräder haben sogenannte Diamantrahmen. Das ist die typische Dreieckform, früher einfach als Herrenrahmen bezeichnet. Heute gilt das so nicht mehr, weil gerade sportliche Frauen die stabileren Diamantrahmen durchaus zu schätzen wissen – vor allem bergab mit Gepäck oder beim Kindertransport. Auch unsere beiden Testfahrerinnen hatten kein Problem mit dieser Rahmenform.

Fast alle geprüften Räder gibt es wahlweise auch mit Wave- oder Trapezrahmen. Wave bezeichnet den geschwungenen Rahmen mit tiefem Durchstieg, früher meist als Damenrahmen betitelt, Trapez beschreibt die Rahmenform mit abgesenktem, geradem Oberrohr, aber nicht so tiefem Durchstieg. Dafür wird auch die Bezeichnung Mixed verwendet. Die Testergebnisse gelten jedoch nur für die geprüfte Version mit Diamantrahmen.

Riss im Rohr beim Sieger des Vortests

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Rahmen angerissen bei Conway, Staiger, Stevens und Pegasus.

Rahmen angerissen bei Conway, Staiger, Stevens und Pegasus.

Während der Testfahrten waren an den Rädern alle Markennamen überklebt, um persönliche Vorlieben der Probanden auszublenden. Die Rangfolge, die sich nach den Testfahrten ergab, wurde dann um die Ergebnisse der harten Laborprüfungen ergänzt. Die Favoriten der Testfahrer – Stevens, KTM, Kalkhoff, Gudereit und Staiger – zeigten allesamt Schwächen auf den Prüfständen. Zum Beispiel das Stevens Jazz: Im Vortest noch der Sieger, muss es sich trotz hervorragender Fahreigenschaften weit hinten einreihen, weil das Rahmenrohr im harten Dauertest einriss. Kaum besser erging es trotz guter Praxisnoten dem Zweitplatzierten aus dem Vortest, Diamant Ubari, der Schäden an der Sattelstütze aufwies (welche Defekte bei welchem Rad wann auftraten siehe Tabelle „Trekkingräder“).

Die richtige Rahmenhöhe finden

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Sicherheitsmängel: Lenkerbruch am Bauer und Germatec.

Nicht nur die Auswahl des richtigen Fahrradmodells ist wichtig, sondern auch die Größenanpassung an den Radler. Fast alle getesteten Räder sind in unterschiedlichen Rahmenhöhen erhältlich. Vom Tretlager bis zum Oberrohr messen sie zwischen 45 und mehr als 60 Zentimeter. Zur groben Orientierung für die richtige Höhe kann man sich über das Oberrohr des Rads stellen. Wenn die Fußsohlen flach am Boden sind, sollten über dem Oberrohr noch fünf bis zehn Zentimeter Luft bis zum Schritt sein. Die entsprechende Rechenformel lautet: Schritthöhe (Innenbeinlänge) minus 25 Zentimeter. Wer seine Schritthöhe mit 80 Zentimeter ermittelt hat, fährt also auf einem 55er Rahmen am besten. Die Feineinstellung erfolgt mithilfe der Sattelstütze. Der Lenker ist durch den Vorbauschaft höhenverstellbar. Auch der Vorbauwinkel kann meist zusätzlich justiert werden. Ein guter Fahrradfachhändler berät in puncto Rahmenhöhe und stellt das Rad optimal ein. Ein Service, den der Versandhandel und die Großmärkte meist nicht bieten können.

Kindertransport, Griffe, Schalthebel

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Besondere Schaltung: Sram DualDrive im Conway.

Ein Kindersitz lässt sich auf den Rädern zumindest hinten meist problemlos befestigen, die offenen Sattelfedern bei Conway und Pegasus sollten jedoch abgedeckt werden. Vorn ist am Steuerrohr oft zu wenig Platz, um den Halter für einen Kindersitz anzubringen – das hängt jedoch auch von der Rahmenhöhe ab. Die bei Trekkingrädern üblichen wenig gebogenen Lenker stehen dem Kindertransport vorn jedenfalls nicht im Wege.

Bei Kettler sind die Lenkergriffe nach hinten gezogen wie bei einem Citybike. Das fanden einige Testfahrer unbequem, weil die abgewinkelten Handgelenke mit der Zeit schmerzen. Für den Wiege­tritt am Berg ist so ein Lenker kaum geeignet. Das Calvin Houston hat als einziges Rad noch einen „Brezellenker“ – im Vortest gab es mehrere davon. Solch ein Lenker ermöglicht unterschiedliche Griffhaltungen, doch dem steht der Sicherheitsaspekt gegenüber: Die Hände gehören dahin, wo sie immer die Bremshebel in Griffweite haben. Diese korrekte Haltung bewirkt beim Brezellenker jedoch eine enge, unkomfortable Griff- und Sitzhaltung auf dem Rad.

Neben den Bremshebeln sind auch die Schalthebel platziert. Einer wechselt die Kette zwischen den drei vorderen Kettenblättern, der andere schaltet hinten sieben oder acht Ritzel. In den Test­rädern sind meist Shimano-Kettenschaltungen verbaut, oft stammen jedoch nicht alle Teile aus einer Serie, zum Beispiel Deore, Alivio oder Acera. Oft werden höherwertige und einfachere Baugruppen gemischt. Von ganz anderer Art ist die Schaltung Sram DualDrive 3 x 8 im Conway. Vorn ist ein einfaches Kettenblatt, hinten ein achtfacher Ritzelsatz und zusätzlich eine Dreigangnabe, die sich auch im Stand schalten lässt. Bei Kettenschaltungen ist das nicht möglich.

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