Trekkingrad von Penny Schnelltest

Pünktlich zum Saisonstart geraten Radler oder solche, die es werden wollen, ins Visier der Discounter. In dieser Woche tritt Penny an und schickt ein Trekkingrad für 199 Euro ins Rennen. test.de hat fünf Herrenräder gekauft und geprüft. Der Schnelltest klärt, ob Radler mit dem Discountrad flott und sicher unterwegs sind.

„Sehr gut“ nur Nabendynamo

Die test-Plakette mit dem Qualitätsurteil „Sehr gut (1,4)“ wirbt im Penny-Prospekt für das Fahrrad. Ganz klein gedruckt die Ergänzung: Das Urteil bezieht sich allein auf den Nabendynamo. Mit dem Rest vom Fahrrad hat das test-Urteil nichts zu tun. Schwacher Trost: Aldi wirbt für sein City-Rad ebenfalls mit der „sehr guten“-Bewertung für den Sram-Nabendynamo. Verbraucher müssen genau hinschauen, um nicht das ganze Fahrrad für „sehr gut“ zu halten.

Sparen an der Ausstattung

Zusätzlich zum Nabendynamo sind am Penny-Trekkingrad an renommierter Markenware noch Bremsen, Schaltwerk und Schaltbremsgriffe von Shimano montiert. Andere Teile wie Lenker, Umwerfer, Kurbeln, Kettenblätter und Hinterradnabe sind billige No Name-Ware aus Fernost. Statt einer modernen Kassettennabe ist ein altertümlicher Schraubkranz montiert. Das ist nicht Stand der Technik, macht aber nichts - so lange es nur funktioniert. Eindeutig ein Nachteil: Der Sattel wird von einem veralteten Kloben gehalten. Moderne Konstruktionen sind belastbarer und sicherer.

Hinweise zur Sicherheit fehlen

Sehr ärgerlich: Keinem der fünf test-Fahrräder liegt eine passende Bedienungsanleitung bei. Die Unterlagen beziehen sich auf verschiedene Jugend-Mountainbikes. Sicherheitshinweise speziell fürs Trekkingrad fehlen. Erst recht fehlen Unterlagen zur Federgabel und zur Sattelstütze. Montagefehler bei ihnen können zu gefährlichen Stürzen führen. Zu beachten: Das Penny-Rad gibts nur in einer Größe - und die ist ziemlich klein. Für den mit 1,90 Meter größten Testfahrer ist der Sattel auch bei maximal zulässigem Auszug der Stütze viel zu niedrig und der Abstand zwischen Sattel und Lenker zu kurz. Schon ein knapp 1,80 Meter großer Testfahrer hätte den Sattel gern noch etwas höher gestellt.

test-Fahrer ganz angetan

Bei den test-Fahrten gibts ansonsten kaum Probleme. Das test-Fahrrad ist vollständig und weitgehend korrekt montiert. Einer der Züge unter dem Tretlagergehäuse verläuft zu dicht am kleinen Kettenrad und die Vorderradbremse schleift etwas. Größte Schwäche: Die Schaltung ist nicht korrekt eingestellt. Die Kette lässt sich ohne Nachstellen des Schaltzugs nicht auf das große Kettenblatt bugsieren. Ansonsten sind die test-Fahrer ganz angetan: Das Rad läuft gut geradeaus, die Federgabel arbeitet zwar nicht sonderlich sensibel, aber ordentlich und ist dabei nicht unangenehm weich. Die Federung der Sattelstütze allerdings ist bescheiden und kaum spürbar.

Reichlich Bremswirkung bei Trockenheit

Bei den test-Fahrten hinterließen auch die Bremsen einen guten Eindruck. Sie packten sogar eher etwas zu kräftig zu. Die Folge: Bei einer Panikbremsung droht ein Überschlag wegen Vorderradblockade. Das allerdings gilt für praktisch alle Trekkingräder mit leistungsfähigen Bremsen. Ein System, dass den Überschlag bei Panikbremsungen sicher verhindert, gibt es für Fahrräder - noch - nicht. So genannte Power-Modulatoren, die die maximale Bremskraft begrenzen, sind nur eingeschränkt wirksam und je nach Gewicht von Fahrer und Gepäck oft nicht sinnvoll.

Zu wenig Bremswirkung bei Nässe

Ernüchterung allerdings nach den Bremsversuchen auf dem Prüfstand: Bei Nässe versagen die Bremsen am Penny-Rad. Bei Betätigung der Bremse mit 60 Newton Handkraft leitet sich aus der nicht mal sonderlich strengen Din EN 14 764 für Trekking- und City-Räder bei Nässe eine Mindestverzögerung von mindestens 0,73 Meter pro Sekunde zum Quadrat vorne und 0,47 hinten ab. Die Bremsen am Penny-Rad schaffen jedoch nur 0,65 vorn und 0,35 hinten. Hinzu kommt noch: Der Unterschied zur Verzögerung bei Trockenheit ist gefährlich groß. Da packen die Bremsen giftig zu und erzeugen am Vorderrad eine Verzögerung von 2,3 Meter pro Sekunde zum Quadrat. Die Folge: Beim Bremsen drohen gefährliche Überraschungen. Bis feuchte Bremsbeläge und Felgen trockengebremst sind, ist die Verzögerung dürftig und nimmt dann dramatisch zu.

Ursache unklar

Schon das Penny-Rad aus dem Frühjahr 2007 versagte bei den Nassbremsversuchen. Das aktuelle Fahrrad aus dem Angebot des Discounters hat andere Felgen und Bremsbeläge bekommen. Trotzdem sind die Verzögerungswerte bei Nässe wiederum mangelhaft. Die Kontrollmessung an einem zweiten test-Rad bestätigt die Werte. Die genaue Ursache ist unklar. Die Bremsflanke der Felgen hat keine erkennbaren Mängel. Ob Besonderheiten bei der Oberflächenbehandlung eine Rolle spielen und der Einsatz anderer Bremsbeläge Besserung bringt, ließ sich im Rahmen des Schnelltests nicht klären.

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