Trekking-Rad von Penny Schnelltest

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: Ein Trekkingrad mit verstell- und blockierbarer Federgabel, 24 Gängen und vielen Markenteilen für ganze 222 Euro gibts seit Montag bei Penny. Bei manchem Fahrrad-Spezialisten kostet schon eine verstellbare Federgabel alleine mehr. test.de überprüft im Schnelltest, ob das Penny-Rad hält, was die Werbung verspricht.

Edler Auftritt

Trekking-Rad von Penny Schnelltest

Auf den ersten Blick hinterlässt das Trekkingrad einen wirklich guten Eindruck. Der Lack glänzt grau und schwarz, und auch die Ausstattung macht auf edel. Erst auf den zweiten Blick fallen Sparmaßnahmen ins Auge: Der Sattel wird von einem veralteten Kloben gehalten, am Hinterrad ist ein billiger Schraubkranz im Einsatz und die Felgen sind mehr schnell als sorgfältig eingespeicht. Am Fahrrad für den Praxistest hat das Vorderrad einen Höhen- und das Hinterrad einen Seitenschlag, und auch die Räder fürs test-Labor sind nicht richtig rund und die Speichenspannung ist insgesamt zu gering. Die Schalt- und Bremszüge stecken komplett in Hüllen, statt wartungsfreundlich, reibungs- und kraftsparend offen an den Rahmenrohren entlang zu laufen. Eine herbe Enttäuschung gibts beim Wiegen: Statt der von der Reklame versprochenen 16,5 Kilo bringt das Penny-Rad 19,5 Kilo auf die Waage.

Gute Noten im Praxistest

Trekking-Rad von Penny Schnelltest

Im Praxistest vergeben die test-Fahrer reichlich gute Noten. Sie loben den steifen Rahmen, die für sportliche Bergfahrten im Wiegetritt blockierbare Federgabel, die eng abgestufte Schaltung und das direkte Fahrgefühl. Kritik gibts für die Federung: Vor allem die Sattelstütze reagiert widerwillig und hakelig, statt weich und geschmeidig zu federn. Etwas besser schneidet die Federgabel aus dem Hause Humpert ab. Auch sie ist jedoch ziemlich hart und die Verstellung wenig wirksam. Allerdings: Sie ist noch nicht eingefahren. Nach Angaben des Herstellers dauert es etwa 20 Fahrstunden, bis die Federung optimal funktioniert. Wirklich ärgerlich: Die Gebrauchsanweisung mit wichtigen Hinweise zur Benutzung und Pflege der Gabel liefert Penny nicht mit. Unbedingt zu beachten: Das Rad ist ziemlich klein und kurz. Die mitgelieferte Sattelstütze ist schon für Menschen mit einer Schritthöhe von 90 Zentimetern deutlich zu kurz, und auch der Abstand zwischen Sattel und Lenker reichte für den mit 1,90 Meter größten test-Fahrer nicht aus.

Unberechenbare Bremsen

Trekking-Rad von Penny Schnelltest

Als die Ergebnisse vom Prüfstand kommen, sind die test-Fahrer froh, dass sie im Trockenen unterwegs waren. Bei den Nassbremsversuchen versagt das Penny-Rad im test-Labor. Am ersten test-Rad schafft die Vorderradbremse nicht mal die Hälfte der von der nicht mal sonderlich strengen EN-Norm geforderten Verzögerung. Das zweite test-Rad bremst bei der Gegenprobe - offenbar wegen einer bei dieser Felge anderen Oberflächenbehandlung - schon deutlich besser, erreicht jedoch die nach EN-Norm erforderliche Verzögerung nur knapp. Penny hatte versprochen, dass das Rad nicht nur die EN-Norm, sondern sogar die strengeren Vorgaben der DIN plus schafft. Davon ist das Rad bei Nassbremsungen weit entfernt. Im Trockenen dagegen verzögern die Bremsen ziemlich giftig und zwischen knapp drei- und fünfmal heftiger als im Nassen. Je nach Straßenverhältnissen drohen daher beim Bremsen gefährliche Überraschungen. Besserung ist möglich. Geeignete Bremsbeläge würden für Sicherheit sorgen. Welcher Typ Belag jedoch zu den Felgen am Penny-Rad passt, lässt sich nicht sicher vorher sagen.

PAK in den Reifen

Weitere Mängel meldet das Chemie-Labor: Die Reifen enthalten polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in einer Konzentration von 217 Milligramm je Kilogramm Material. Auf das besonders gefährliche Benzo[a]pyren entfallen davon 17 Milligramm. Schon bei Berührung können PAK über die Haut in den Organismus gelangen. Viele der Stoffe und vor allem Benzo[a]pyren sind krebserregend, fruchtschädigend, erbgutverändernd und beeinträchtigen die Fruchtbarkeit. Hinzu kommt noch: Die Griffe enthalten eine hohe Konzentration der Chemikalie DINP. Dieser Weichmacher ist nach dem aktuellen Stand der Forschung nicht akut gefährlich, aber ein vermeidbares Gesundheitsrisiko.

Wenig Mängel im Härtetest

Jenseits der mangelhaften Bremsen gibts im Härtetest auf dem Prüfstand nur wenig Bruch. Eins der Räder hält nicht durch. Mutmaßliche Ursache: Unzureichende Zentrierung und zu geringe Speichenspannung. Gleich zu Beginn der Prüfstandfahrt reißt die Gabel beim Einfedern das Kabel zum Scheinwerfer ab und am Ende wackelt der verstellbare Vorbau etwas. Die Stabilität der Sattelstütze lässt sich gar nicht erst prüfen, weil die veraltete Sattelbefestigung den Kräften im Prüfstand nicht gewachsen ist. Alle übrigen Teile halten die Simulation von rund 24 000 Kilometern Fahrt gut durch.

Gute Einstellung beim Start

Auch sonst leistet sich das Penny-Rad keine größeren Schwächen. Die Vormontage ist ziemlich ordentlich. An einem der test-Räder schleift ein Schaltzug unter dem Tretlagergehäuse am kleinsten Kettenblatt, und das Hinterrad berührt an einer Stelle wegen einer Unwucht die Bremse. Der Schaltzug hinten hat keine Abschlusskappe und ist ausgefranst. Ansonsten ist alles in Ordnung und sind vor allem alle Züge recht genau und sehr viel besser als zuletzt beim Aldi-Cityrad justiert. Die test-Fahrer mussten nur Sattelhöhe und Lenker in Position bringen und die Pedale anschrauben. Werkzeug liefert Penny nicht mit. Nötig sind ein Innensechskantschlüssel Größe 5 und ein 15er-Maulschlüssel.

test-Kommentar: Nachbesserung nötig
Technische Daten und Ausstattung: Im Überblick

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