Interview: Keine alltägliche Dienstleistung

Trauerfall Meldung

Hermann Koch

Weil es um große Summen geht, sollten die Menschen über Bestattungskosten reden und die Preise von verschiedenen Anbietern vergleichen. Möglichst noch bevor der Ernstfall eintritt, meint Hermann Koch, Leiter des Krematoriums in Neubrandenburg.

Finanztest: Ist es pietätlos, wenn Angehörige für eine Bestattung mehrere Kostenvoranschläge einholen?

Hermann Koch: Nein, das ist es nicht. Die Bestatter sind Dienstleister, zugegeben nicht solche, mit denen man häufig zu tun hat. Wie bei jeder Dienstleistung ist es auch hier durchaus üblich, die Preise zu vergleichen. Es ist einfach nur ungewohnt. Der Kostenaufwand für eine Bestattung ist ja kein Maß für die Trauer um den Verstorbenen.

Wenn man vom Tod aber völlig überrascht wird, hat man dafür nur etwa fünf Tage Zeit, bis die Beerdigung stattfinden muss. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich rechtzeitig mit einem Vorsorgevertrag befassen.

Finanztest: Gerade ist in Berlin ein so genannter Bestattungsdiscounter eröffnet worden. Ist das ein neuer Trend?

Hermann Koch: Bisher gibt es noch sehr wenige solcher Billig-Bestatter. Das ist noch kein neuer Trend. Die Reaktionen darauf sind ganz unterschiedliche. Sowohl bei den Kunden als auch beim Bestattergewerbe. Die einen finden diese Entwicklung sehr gut, andere meinen, dass es pietätlos ist, Särge, Urnen und Grabsteine ins Schaufenster zu stellen. Ich denke, dass sich diese Anbieter, wie alles Neue, langsam, aber sicher als zusätzliches Angebot durchsetzen werden. Das setzt natürlich voraus, dass sie eine bestimmte Pietät und ein bestimmtes Niveau sichern.

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