Tram­polin Meldung

Große Tram­poline stehen inzwischen so selbst­verständlich in Familien­gärten wie Sandkästen. Kinder können auf den Sprunggeräten meter­hoch in der Luft wirbeln. Das stärkt das Körpergefühl, kann aber auch zu schlimmen Unfällen führen. test.de erklärt Nutzen und Risiken und nennt sechs Regeln fürs Tram­polin­springen, auf deren Einhaltung Eltern achten sollten.

Gut für Koor­dinierungs­fähig­keiten

„Tram­polin­springen fördert Koor­dinierungs­fähig­keiten wie den Gleichgewichts­sinn und die Rhythmisierung von Bewegungen“, sagt Hedwig Richter, Dozentin an der Deutschen Sport­hoch­schule Köln. Kinder würden bewegungs­sicherer und verbesserten ihre Körperbeherr­schung. Aber auf dem Tram­polin fliegt der Mensch höher als er es ohne Hilfs­mittel schaffen würde. Manche über­schätzen sich dabei – vor allem auf Gartentram­polinen, die jedermann zuhause aufstellen kann.

Risiko Knochenbruch und Schädel-Hirn-Trauma

Gebrochene Arme und Unterschenkel, Bänderrisse, Platz­wunden, Schädel-Hirn-Traumata – diese Verletzungen registrieren Kinder­chirurgen besonders oft bei Kindern, die auf einem Tram­polin verunglückt sind. In Einzel­fällen wird bei verpatzten Saltos die Wirbelsäule schwer getroffen. „Verletzungen treten häufiger auf, wenn mehrere Kinder auf einem Tram­polin springen“, sagt Professor Karin Rothe, Direktorin der Klinik für Kinder­chirurgie an der Berliner Charité. Das Unfall­risiko steige, wenn Kinder mit unterschiedlichem Alter und Gewicht gemein­sam sprängen. Die schwereren Kinder könnten die leichteren bei Zusammen­stößen heftig verletzen, weil Feder­effekte und Beschleunigungs­kräfte des Tram­polins das Eigengewicht verstärkten.

Saltos erhöhen die Gefahr

In einer Studien­auswertung beschreibt die Amercian Academy of Pediatrics, dass sich vor allem bei jüngeren Kindern die Knochenbrüche häuften. Saltos erhöhten in jedem Alter das Risiko für Kopf- und Wirbelsäulen­verletzungen. Die Kinder­chirurgin Professor Rothe rät Kindern aber nicht vom Tram­polin­springen ab – es sei denn, sie haben ein Krampf­leiden: „Wichtig beim Tram­polin­springen ist es, Regeln einzuhalten“.

Sechs Regeln für das Tram­polin­springen

Experten raten Aufsichts­personen, mit ihren Kindern folgende sechs Regeln zu vereinbaren:

  1. Erst ab sechs Jahren aufs Tram­polin: Jüngere Kinder sollten das Gerät nicht nutzen, weil die Wurf­kraft zu stark für ihr geringes Gewicht ist.
  2. Nur allein hüpfen: So lassen sich Zusammen­stöße mit anderen Kindern verhindern.
  3. Die Öffnung vom Sicher­heits­netz verschließen: Dann können Kinder nicht aus vollem Sprung vom Tram­polin fliegen.
  4. Nicht mit Schuhen oder Ketten springen: Barfuss oder auf Socken verletzen sich Kinder nicht so schnell, Ketten und Schnüren bedeuten ein Strangulations­risiko.
  5. Nicht essen beim Springen: Wer mit Keksen und Kaugummis im Mund springt, riskiert Verletzungen der Zunge.
  6. Ausspringen: Lang­sam ausspringen und dann das Tram­polin ruhig und koor­diniert verlassen.

Neue EU-Norm für Spiel­zeugtram­poline

Tram­polin Meldung

Beim Tram­polin­springen kommt es auch auf sichere Geräte an. Gartentram­poline werden vor allem von Baumärkten, Discountern und Sport- und Spiel­zeug­geschäfte angeboten. „Der Markt ist über­sicht­lich, etwa vier Hersteller bestimmen ihn“, sagt Rolf Ohlsen, Leiter des Spiel­zeug­labors beim TÜV Rhein­land. Anfang 2015 ist erst­mals eine EU-Norm für die Spiel­zeugtram­poline verabschiedet worden (EN 71–14:2014), an die sich Geräte­hersteller nun halten müssen. Die Norm erhöht die Anforderungen an die Sicherheit, etwa bei Außennetz, Sprungmatte und Pols­terung. Auch Fangs­tellen für Kopf und Hals müssen ausgeschlossen werden. Verschiedene neue Warnhin­weise auf den Geräten sind Pflicht. In der Bedienungs­anleitungen muss klar stehen, dass Besitzer immer wieder auf den Zustand Sicher­heits­netz, Sprungmatte und Pols­terung achten sollen – vor allem zu Beginn jeder Hüpf­saison.

UV-Strahlen machen Sicher­heits­netz mürbe

„Viele Unfälle passieren, weil Außennetze fehlen oder versprödet sind“, sagt Rolf Ohlsen. Vor allem UV-Strahlen und Witterung machten die Netzen mürbe. Eltern rät er zur Daumen­probe: Das Netz darf bei Daumen­druck nicht reißen. Noch strengere Anforderungen müssen Gartentram­poline erfüllen, die das GS-Zeichen tragen. GS ist die Abkür­zung für Geprüfte Sicherheit; der TÜV Rhein­land vergibt das Siegel. Siegel und Norm sind eine Seite, auf der anderen Seite müssen Verbraucher sorgfältig mit den Geräten umgehen: Egal, ob 2,50 oder 5 Meter Durch­messer – Ohlsen rät: „Wer ein Tram­polin aufstellt, sollte sich bei der Montage genau an die Bedienungs­anleitung halten“. Er sollte beispiels­weise auf festen Boden achten, harte und spitze Gegen­stände in der Nähe ausschließen und alle Verbindungen richtig nach­ziehen.

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