Train-the-Trainer Test

Wer als Trainer in der Weiterbildung arbeitet, tut dies meist, weil er fachlich qualifiziert ist. Was häufig fehlt, ist die Fähigkeit, das Fachwissen verständlich „rüberzubringen“. Train-the-Trainer-Seminare wollen Lehrenden da auf die Sprünge helfen. Wir haben 15 Intensivkurse von maximal fünf Tagen Dauer getestet.

Seit zwei Stunden hört man im Schulungsraum nur eine Stimme – die des Seminarleiters. Schnell redet er, ohne Betonungen, ohne Pausen – rast durch sein Thema. Handzeichen zweier Kursteilnehmer ignoriert er. Auf dem Stundenplan steht eine neue Software. Viel Stoff, der in kurzer Zeit vermittelt werden muss. Der Beamer wirft an die Wand, was der Dozent an seinem Computer vormacht. Die Aufgabe an die Kursteilnehmer lautet immer gleich: Nachmachen. Keine Frage – der Leiter dieses Seminars mag ein IT-Experte sein. Ein guter Lehrer ist er nicht. Die Aufmerksamkeit der Kursteilnehmer lässt mehr und mehr nach. Dozentenmonologe und eintönige Lehrmethoden halten niemanden lange bei der Stange.

Didaktische Fähigkeiten fehlen

Trainer in der Weiterbildung sind zwar in der Regel in ihrem jeweiligen Fach qualifiziert, häufig fehlt ihnen jedoch didaktisches Know-how, die Fähigkeit also, ihr Fachwissen verständlich und lebendig zu vermitteln. Auch Lehren will eben gelernt sein. Eine Befragung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) unter rund 500 Lehrenden in der Weiterbildung ergab, dass ein gutes Viertel nicht didaktisch geschult ist.

Trainer müssen heute über ihr Fachwissen hinaus eine ganze Palette von Kompetenzen mitbringen. Dazu gehören handwerkliche wie die Planung des Unterrichts genauso wie kommunikative, beispielsweise der Umgang mit schwierigen Seminarteilnehmern (siehe „Was Trainer können sollten“).

Nachhilfe in Sachen Wissensvermittlung versprechen Train-the-Trainer-Seminare. Auf dem Weiterbildungsmarkt findet sich dazu ein breites Angebot von ein- oder mehrtägigen Grundlagenseminaren bis hin zu mehrmonatigen Zertifikatslehrgängen mit Abschlussprüfungen, zum Beispiel bei der IHK.

Die Seminare richten sich nicht nur an die rund 40 000 hauptberuflichen Trainer, die es laut Schätzungen des Berufsverbands der Verkaufsförderer und Trainer (BDVT) in Deutschland gibt, sondern auch an Personalentwickler, Teamleiter oder Fach- und Führungskräfte von Unternehmen, die regelmäßig mit der Schulung ihrer Mitarbeiter betraut sind, und zunehmend auch an Lehrer.

Keine „schwarzen Schafe“, aber Qualitätsunterschiede

Die Stiftung Warentest hat 15 Train-the-Trainer-Seminare verdeckt getestet, Thema: Methoden, Instrumente und Techniken in der Weiterbildung. Zwei bis fünf Tage dauerten die Seminare und kosteten zwischen 83 und 2 490 Euro, darunter Kurse von Volkshochschulen ebenso wie von privaten Anbietern. Unser Fazit: „Schwarze Schafe“ gab es nicht, deutliche Unterschiede in der Qualität schon.

Von einem Train-the-Trainer-Seminar sollte man erwarten dürfen, dass es am eigenen Beispiel zeigt, wie eine gute Wissensvermittlung aussieht. Denn das ist schließlich Thema des Kurses. Die Trainer dieser Seminare sollten also das, was sie lehren, auch in ihrem eigenen Unterricht umsetzen. Das war leider nicht immer so. Die fachlich-didaktische Qualität – bewertet wurde hier unter anderem die methodische Durchführung des Kurses – war nur bei fünf Seminaren „hoch“, und zwar bei Co.Train (2 Tage), Fritz Wiebel & Partner (2 Tage), Competence on Top (4 Tage), Voss + Partner (4 Tage) und beim Ökobildungswerk (5 Tage), das sich inzwischen in „neues lernen“ umbenannt hat.

Wieder einmal zeigte sich, dass Qualität sich nicht unbedingt im Preis niederschlägt: Das sieht man an den billigsten Kursen im Test – beim Ökobildungswerk und bei den Volkshochschulen.

Inhalte individuell festlegen

Im Idealfall ist ein Train-the-Trainer-Seminar auf das Vorwissen und die Interessen der Teilnehmer zugeschnitten. Dabei sollten natürlich die in Broschüren oder im Internet angekündigten Inhalte auch im Unterricht behandelt werden. Da das Themenspektrum sehr unterschiedlich sein kann, haben wir die im Seminar behandelten Inhalte nicht bewertet, sondern nur benannt (siehe Tabelle).

In fast allen Kursen stand das Thema Unterrichtsplanung – dazu gehören Aufbau, Dramaturgie, Stoff- und Methodenauswahl – im Vordergrund. Handwerkliche Inhalte wie Medieneinsatz, Visualisierungen, Gestaltung von Anfangs- und Schlusssituation waren häufig vertreten ebenso wie die kommunikativen Themen Konfliktmanagement sowie die Rolle bzw. Selbstpräsentation des Trainers.

Ein theoretisches Fundament wurde vor allem bei längeren Kursen vermittelt. So erhielten zum Beispiel die Teilnehmer beim Institut für Internationale Kommunikation (IIK), beim Ökobildungswerk, bei Unilog Integrata Training und bei Voss + Partner eine Einführung in die Grundlagen des Lernens Erwachsener.

Der rote Faden fehlte

Ein fachlich und didaktisch gut gestaltetes Train-the-Trainer-Seminar sollte logisch und in sich stimmig strukturiert sein. Das war beim Bildungzentrum Tannenfelde nicht der Fall. Das Seminar war unklar aufgebaut, der rote Faden fehlte. Auch ein verbindlicher Zeitplan gehört zu den Anforderungen an ein gutes Seminar. Der konnte bei Fritz Wiebel & Partner nicht ganz eingehalten werden. Dadurch kamen leider einige Themen zu kurz.

Abwechslungsreiche Lehrmethoden sind ein Muss für jeden Unterricht. Bei Know - Kurek & Neuhausen war davon keine Spur. Das Seminar war sehr frontal und Powerpoint-lastig. Anders Competence on Top: Auf Lehrgespräche zu Beginn folgten ab dem zweiten Tag zunehmend Gruppenarbeiten und Rollenspiele. Auch bei der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) wurden die Inhalte zum Großteil in Einzel- und Gruppenarbeiten erarbeitet. Bei der Hamburger VHS standen immer wieder praktische Übungen zur Auflockerung auf dem Stundenplan. Positiv auch: Die Arbeit mit Videoanalysen, zum Beispiel bei der DGFP, bei Fritz Wiebel & Partner, Unilog Integrata Training, Voss + Partner und beim IIK.

Teilnehmer einbinden von Anfang an

Ein intensiver Seminareinstieg, um sich gegenseitig kennen zu lernen und den Seminarfahrplan zu besprechen, war in allen besuchten Kursen gang und gäbe. Die ersten Momente im Kurs sind entscheidend für den weiteren Verlauf, Begrüßung der Teilnehmer und Vorstellungsrunden deshalb sehr wichtig.

Damit sich alle Teilnehmer aktiv in den Unterricht einbringen können, braucht es kleine Gruppen. Acht Personen sind ideal bei einem Trainer, mehr als zwölf indiskutabel. Die Seminare im Test fanden zum Teil schon mit nur drei oder vier Teilnehmern statt. Deutlich über dem Limit lag die Volkshochschule Nürnberg mit 18 Teilnehmern. Beim IIK unterrichteten zwei gut aufeinander eingespielte Lehrkräfte die zwölf Kursteilnehmer. Eine war für die theoretischen Inhalte zuständig, die andere für die berufspraktischen.

Unverzichtbar für ein gutes Train-the-Trainer-Seminar: der Einsatz von Lehrmedien wie Flipchart oder Overheadprojektor. Verbesserungswürdig hier das Bildungszentrum Tannenfelde mit seinen unübersichtlich gestalteten Flipcharts.

Praxisorientierung im Vordergrund

Die Orientierung an der Berufspraxis stand in den meisten Seminaren im Vordergrund. Auf theoretische Grundlagen wurde vielfach weniger Wert gelegt. Das ist aber in Ordnung, wenn vor allem Handlungskompetenzen für den Berufsalltag trainiert werden sollen.

In den Seminaren stießen unsere Tester auf Teilnehmer mit unterschiedlichem beruflichen Hintergrund: Führungskräfte, Ausbildungs- und Teamleiter, freiberufliche Trainer, Lehrer von staatlichen Schulen – Personen mit viel Lehrerfahrung und mit wenig. Je bunter die Gruppe zusammengesetzt ist, desto wichtiger ist es, zu Beginn des Seminars ausführlich zu besprechen, was die einzelnen Teilnehmer bis zum Ende gelernt haben wollen. Idealerweise werden Grob- und Feinziele festgelegt. Eine solch detaillierte Abstimmung war allerdings nur beim Friedrichsbad-Team zu erkennen.

Fotoprotokolle nur bei wenigen Anbietern

Schlauer als vorher sollten die Teilnehmer nach dem Besuch eines Train-the-Trainer-Seminars sein. Ob das Gelernte hängen bleibt, ist sicherlich vom Einzelnen abhängig. Doch dürfen die Teilnehmer hier vom Anbieter oder Trainer auch Hilfestellung erwarten, und zwar sowohl während des Seminars als auch danach. Diesen Anspruch erfüllte leider kaum ein Anbieter. Um den Lernerfolg zu unterstützen, wurden zwar die Ergebnisse während der Kurse immer wieder ausgewertet, zusammengefasst und visualisiert, Anregungen für Maßnahmen nach Kursende aber fehlten.

Sinnvoll sind auch Fotoprotokolle der im Unterricht angefertigten Aufzeichnungen. Sie wurden aber nur von wenigen Anbietern ausgehändigt, darunter zum Beispiel WBS Training, Voss + Partner, Unilog Integrata Training und Competence on Top. Leider signalisierten nur wenige Trainer die Bereitschaft, für Fragen nach Seminarende zur Verfügung zu stehen.

Viele lose Blätter

Bei vier Anbietern ließen die Lehrmaterialen zu wünschen übrig: Co. Train, das Management-Institut Kitzmann und das Ökobildungswerk händigten Loseblattsammlungen ohne Inhaltsverzeichnis aus. Die Präsentationsmappe von der DGFP bestand zwar aus gehefteten Seiten, die behandelten Themen ließen aber wenig Zusammenhänge erkennen. Vorbildlich dagegen die Schulungsunterlagen von Voss + Partner: zwei umfangreiche, übersichtlich gestaltete Ordner mit vielen Checklisten, Beispielen und Regeln.

Unsere Testperson bei Know - Kurek & Neuhausen erhielt überhaupt keine Seminarunterlagen, trotzdem wurden sie in Rechnung gestellt.

Schlechte Luft im Seminarraum

Die Kursorganisation – hier wurden die Räume, die Medienausstattung und der Service untersucht – hatte überwiegend ein mittleres bis hohes Niveau. Das ist bei den vielen eher teuren Kursen nicht verwunderlich. Nur dreimal lautete die Bewertung: „Niedrig“. Unsere Testperson beim Friedrichsbad-Team klagte über schlechte Luft im Seminarraum. Wegen Baulärms konnten die Fenster nicht geöffnet werden. Bei den beiden Volkshochschulen zogen fehlende Verpflegungsleistungen die Bewertung nach unten. Schaut man sich an, was die Seminare kosten, ist das aber zu verschmerzen.

Schade ist, dass nur wenige Anbieter wesentliche Informationen wie Wegskizzen und Dozentenprofile im Vorfeld des Seminars zur Verfügung stellten. Wünschenswert sind auch Teilnehmerlisten zum „Netzwerken“ nach dem Kurs. Positiv fielen hier das Bildungszentrum Tannenfelde, Competence on Top und das IIK auf.

Mängel bei Vertragsklauseln

Bei sechs Anbietern wurde die Qualität der Allgemeinen Geschäftsbedingungen mit „Niedrig“ bewertet. Hier fanden wir besonders verbraucherunfreundliche Vertragsbedingungen vor. An führender Stelle steht Co. Train mit sieben Verstößen. So verpflichtet dieser Anbieter den Kunden zum Beispiel zur Vorauszahlung und behält sich vor, den Veranstaltungsort sowie Inhalt und Ablauf des Seminarprogramms zu ändern, ohne die Interessen des Kunden hinreichend zu berücksichtigen. Klauseln wie diese verstoßen gegen das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und sind damit unwirksam.

Entertainment inklusive

Kurzweilig, unterhaltsam, aber auch lehrreich – dieses Fazit zogen viele unserer Testpersonen nach dem Seminarbesuch. Insbesondere die Kurse, deren fachlich-didaktische Gestaltung mit „Hoch“ bewertet wurde, gingen in die Tiefe. Sie setzten inhaltlich stärker Schwerpunkte und behandelten einzelne Themen intensiv. Schwächen der Teilnehmer wurden aufgezeigt und Denkprozesse in Gang gesetzt. Das gab Impulse für das eigene Trainer- und Lehrverhalten.

Andere Kurse setzten eher auf ein breites Themenspektrum. Das verschaffte den Teilnehmern zumindest einen – wenn auch etwas oberflächlichen – Überblick.

Grundsätzlich gilt: Die Seminare im Test vermitteln Grundlagen, im Idealfall auch Handwerkszeug. Sie eignen sich vor allem für Personen mit wenig didaktischem Vorwissen und für diejenigen, die nur einen kleinen Teil ihrer Arbeit mit Lehrtätigkeiten verbringen. Wer sich Handlungsroutine aneignen möchte, sollte längerfristige Trainer-Weiterbildungen ins Auge fassen.

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