Train-the-Trainer-Kurse im Test Test

Lang­weiliger Unter­richt muss nicht sein: In Kursen lernen Trainer, wie sie Wissen unter­halt­sam vermitteln. Wir haben sieben getestet. Erfreulich: Alle waren von solider Qualität.

Stephanie Dawid weiß, wie sie ein Seminar geschickt aufbaut, wann Rollenspiele im Seminar Sinn machen und was sie tun muss, damit Langeweile unter den Teilnehmern gar nicht erst aufkommt. Die 30-Jährige ist freiberufliche Trainerin und schult Erwachsene zu verschiedensten Themen. Ihr Anspruch: Wissen auf unter­halt­same Art vermitteln. „Für Kinder ist Lernen ein leidenschaftliches Spiel“, sagt sie. „Als Trainerin helfe ich Erwachsenen, diese Leidenschaft wieder­zuent­decken.“ Das Trainer-Hand­werk hat Stephanie Dawid während einer einjährigen Qualifizierung gelernt. „Train the Trainer“ nennen die Anbieter solcher Seminare ihre Angebote häufig, zu Deutsch also: Training für den Trainer. „Ohne diese Ausbildung würde ich in meinem Unter­richt oft an meine Grenzen stoßen“, sagt sie. „Ich will meinen Job gut machen und damit auf Dauer mein Geld verdienen.“ Trainerin Stephanie Dawid im Porträt.

Solide Qualität hat ihren Preis

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Doch was lernen Trainer in solchen Qualifizierungen? Seit Jahren kritisiert die Stiftung Warentest die oftmals schwache didaktische Qualität beruflicher Weiterbildungen. Gibt es empfehlen­werte Kurse für Lehr­kräfte, die ihren Unter­richt verbessern wollen? Das wollte die Stiftung Warentest wissen und hat sieben Train-the-Trainer-Lehr­gänge getestet. Das Ergebnis: Die Kurse sind mit Kosten von bis zu 9 000 Euro zwar teuer, aber ihr Geld wert.

Jeder kann sich Trainer nennen

Die Konkurrenz im Trainer­geschäft ist groß. Bundes­weit gibt es hundert­tausende Trainer, auch Dozenten, Kurs-, Seminar- oder Schulungs­leiter genannt. Sie lehren zum Beispiel an Volks­hoch­schulen, unter­richten in Weiterbildungs­instituten oder werden von Unternehmen einge­kauft, um deren Mitarbeiter intern zu schulen. Viele Trainer in Deutsch­land sind selbst­ständig, arbeiten also auf eigene Rechnung. Der Zutritt zum Beruf ist nicht geregelt. Es gibt weder eine vorgeschriebene Ausbildung noch ein allgemein verbindliches Berufs­bild. Kein Wunder also, dass viele Quer­einsteiger in den Beruf „hinein­rutschen“, weil sie Experten auf einem bestimmten Gebiet sind und ihr Wissen an andere weitergeben wollen. Doch wie man ein Seminar pädagogisch sinn­voll konzipiert und gestaltet, haben sie – anders als Stephanie Dawid – selten gelernt.

Oft fehlt didaktisches Know-how

„Trainer sind fachlich meist einschlägig qualifiziert“, sagt Dr. Michael Cordes, wissenschaftlicher Leiter vom Team Weiterbildung der Stiftung Warentest. „Didaktisches Know-how hingegen fehlt ihnen oft.“ Das spiegeln auch die Tests von beruflichen Weiterbildungen wider, die die Stiftung Warentest seit 2002 durch­führt. Ob es um IT- oder Sprach­kurse geht – immer wieder stoßen die Weiterbildungs­tester bei verdeckten Tests auf Dozenten, die Frontal­unter­richt praktizieren oder ihre Teilnehmer kaum je etwas üben lassen. „In einem Fall hat ein Dozent im Unter­richt sogar mal stunden­lang aus einem Lehr­buch vorgelesen“, erinnert sich Cordes. „Das ist erschre­ckend. Ein Dozent muss sein Fachwissen anschaulich und abwechs­lungs­reich rüber­bringen, sonst ist eine Weiterbildung nutzlos.“

Lehr­gänge von bis zu einem Jahr

Bereits 2006 hat die Stiftung Warentest kurze Train-the-Trainer-Kurse von maximal fünf Tagen Dauer geprüft. Das Ergebnis damals: Die Kurse vermittelten einen Über­blick über die Möglich­keiten der Seminar­gestaltung und erste Routine für die Praxis. Jetzt hat die Stiftung Warentest längere Train-the-Trainer-Kurse getestet. Sie richten sich an Personen, die selbst­ständig als Trainer arbeiten möchten oder in ihrem Unternehmen Mitarbeiter schulen wollen. Im Test waren sieben Lehr­gänge von kommerziellen Bildungs­instituten sowie Industrie- und Handels­kammern, die über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr in mehreren Modulen, also in thematischen Blöcken von zwei bis vier Tagen statt­fanden So haben wir getestet. Ein hoher Aufwand, denn jeder Train-the-Trainer-Lehr­gang wurde inkognito von einer Test­person über den gesamten Zeitraum besucht und dokumentiert.

Für jeden Bedarf ist etwas dabei

Erfreuliches Fazit: Alle Lehr­gänge waren von solider Qualität. Sie waren thematisch breit aufgestellt und boten Teilnehmern viel Zeit zum Üben. Beim wichtigsten Prüf­punkt Kurs­durch­führung – dort wurden die Inhalte und ihre Vermitt­lung sowie das Lehr­material bewertet – bescheinigte die Stiftung Warentest vier der sieben geprüften Lehr­gänge eine hohe oder sogar sehr hohe Qualität. Die gute Nach­richt lautet außerdem: Für jeden Bedarf ist ein empfehlens­werter Kurs dabei – für Freiberufler, die sich selbst vermarkten müssen, für Trainer, die sich auf bestimmte Methoden spezialisieren möchten und für Teilnehmer, die entweder besonders zügig oder besonders gründlich lernen wollen. Für wen ist welcher Kurs geeignet?

Kurse konzipieren lernen

Alle Kurse im Test behandelten die für Trainer wichtigen Themen – und zwar in Theorie und Praxis. Inhalt­liche Schwer­punkte waren über­all: der „Werk­zeugkoffer“ des Trainers, also Methoden und Techniken des Unterrichts, Situationen im Trainings­alltag und – ganz oben auf der Themen­liste – die Konzeption von Kursen. Was einige Lehr­gänge nur am Rande thematisierten, waren Fragen, die vor allem freiberufliche Trainer interes­sieren dürften. Zum Beispiel: Wie positioniere ich mich auf dem Trainermarkt? Wie akquiriere ich Auftrag­geber? Wie baue ich mir ein Netz­werk auf? Nur vier Lehr­gänge gaben auf diese Fragen ausführ­lich Antwort. Für wen ist welcher Kurs geeignet?/Freiberufler.

Üben, üben, üben

Durchweg positiv fiel auf: Alle Lehr­gänge boten ihren Teilnehmern reichlich Gelegenheit, sich in der Trainer­rolle auszupro­bieren. Über­all hielten die Dozenten in spe Unterrichts­sequenzen vor ihren Mitstreitern ab. Sie moderierten Gruppen­arbeiten an, trainierten den Einsatz von Flipchart und Pinn­wand, übten, wie sie Anfangs- und Endphasen, Pausen und Wieder­holungen wirkungs­voll gestalten und wie sie mit Querulanten und Nörg­lern umgehen.

Gelerntes in die Praxis umsetzen

Viele Kurse hätten im Prüf­punkt Kurs­durch­führung sogar noch besser abschneiden können, wenn sie die berufliche Realität der Teilnehmer konsequent in den Unter­richt integriert hätten. Wie das aussehen könnte, zeigte zum Beispiel der Lehr­gang der Deutschen Gesell­schaft für Personalführung (DGFP): Dort erarbeitete unsere Test­person zum einen ein Kurs­konzept für ihren eigenen Bedarf, das sie von Modul zu Modul verfeinerte. „Die Trainer gaben immer wieder individuelle Hinweise, um es zu optimieren“, sagte unsere Test­person. „Am Ende des Lehr­gangs hatte ich ein fertiges Konzept in der Hand, dass ich nun in der Praxis einsetzen kann.“ Zum anderen schloss der Lehr­gang nach dem vierten und letzten Modul mit einem zwei­tägigen Erfahrungs­austausch ab. „Es ging darum zu reflektieren, wie gut oder schlecht wir das Gelernte in die Praxis umsetzen konnten“, sagte unsere Test­person.

Drei sind mittel­mäßig

In drei Fällen bewerteten wir die Qualität der Kurs­durch­führung mit Mittel. Die Gründe dafür zum Beispiel: Bei Integrata und bei der Prokomm Akademie kam so manches Thema zu kurz. Bei der IHK Köln stand leider im Verlauf des Lehr­gangs immer mehr die Vorbereitung auf die Abschluss­prüfung im Vordergrund und nicht die Vorbereitung auf den beruflichen Alltag als Trainer.

Schlechtes Lehr­material bei den IHK

Im Prüf­punkt Kurs­durch­führung haben wir auch das Lehr­material begut­achtet, das in den Kursen ausgehändigt wurde. Begleitende Unterlagen sind wichtig, weil die Teilnehmer dann nicht nur die Unterrichts­module vor- und nachbereiten können, sondern auch ein Nach­schlage­werk für die Zeit nach dem Lehr­gang haben. Im Vergleich waren die Lehr­materialien über­wiegend ordentlich bis höchst professionell Tabelle: Train the Trainer Lehrgänge 10/2014. Ausnahmen: die beiden Industrie- und Handels­kammern. Bei der IHK Berlin erhielt unsere Test­person eine Loseblatt-Samm­lung ohne Seiten­zahlen und zum Teil ohne Angaben von Quellen. Das passte so gar nicht zum sonst guten Kurs. Bei der IHK Köln schwankte die Qualität je nach Modul zwischen gut und schlecht.

Aufbau der Kurse verschieden

Die Train-the-Trainer-Lehr­gänge im Test fanden alle­samt in Modulen statt, und zwar in zwei Varianten:

Variante 1: Die Module konnten als Paket gebucht werden. Dann war die Abfolge samt Terminen vom Anbieter vorgegeben.

Variante 2: Die Module ließen sich einzeln buchen. Das heißt: Unsere Test­personen konnten aus mehreren vorgegebenen Terminen flexibel wählen und die Unterrichts­blöcke sogar an unterschiedlichen Stand­orten des Anbieters absol­vieren. Die Folge: In jedem Modul trafen sie auf andere Mitstreiter. Außerdem: Bezüge zwischen den einzelnen Modulen waren so nur schwer zu realisieren. Wer feste Teilnehmer­gruppen bevor­zugt und an modul­über­greifenden Aufgaben interes­siert ist, wählt deshalb besser einen Lehr­gang, der als Paket angeboten wird.

Brutto­preise nicht angegeben

Gut und sehr gut klappte über­all die Kursorganisation. Da gab es nichts zu meckern. Was hingegen nicht in Ordnung war: Competence on Top und die Prokomm Akademie gaben die Preise auf ihren Webseiten ohne Mehr­wert­steuer an. Verbraucher müssen die zusätzlichen 19 Prozent also noch selbst dazu rechnen. Auch wenn die Mehr­wert­steuer für viele Selbst­ständige nur ein durch­laufender Posten sein mag, ist aus Sicht der Stiftung Warentest bei Preis­angaben Trans­parenz gefragt. Beide Anbieter bekamen aus diesem Grund Minus­punkte. Competence on Top erreichte dadurch im Prüf­punkt Kunden­informationen nur eine nied­rige Qualität.

Mängel in den Vertrags­bedingungen

Für den Test haben wir außerdem die allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB) in den Verträgen geprüft, die unsere Test­personen mit den Anbietern geschlossen haben. Bei der IHK Berlin und bei Integrata entdeckten wir deutliche Mängel im „Klein­gedruckten“. Beide Anbieter behalten sich zum Beispiel zu pauschal vor, ihre Lehr­gänge abzu­sagen. Eine Absage ist aber nur erlaubt, wenn die AGB gerecht­fertigte Absa­gegründe konkret benennen. Klare Angaben fehlten jedoch in den Klauseln der beiden Anbieter. Bei allen Lehr­gängen im Test können Teilnehmer zum Abschluss ein Zertifikat erhalten. Dafür ist mal mehr, mal weniger Aufwand notwendig. Bei einigen Anbietern genügte der Besuch der Module. Bei anderen musste eine Prüfung absol­viert werden – mit wiederum sehr unterschiedlichen Anforderungen. Bei der IHK Berlin waren zum Beispiel eine Lehr­probe und ein schriftlicher Test vorgesehen. Bei DGFP mussten die Prüf­linge das Kurs­konzept, das sie während des Lehr­gangs erarbeitet hatten, präsentieren und ein 20-minütiges Lehr­gespräch absol­vieren.

Zertifikat vom Berufs­verband

Wer darüber hinaus auf das Zertifikat eines Berufs­verbandes für Trainer aus ist, sollte bei der Auswahl eines Lehr­gangs auf entsprechende Koope­rationen von Verbänden und Bildungs­instituten achten. In unserem Test gestaltete zum Beispiel die Haufe Akademie die Abschluss­prüfung gemein­sam mit dem Berufs­verband für Trainer, Berater und Coaches (BDVT). Erfolg­reiche Absolventen erhielten damit auto­matisch ein Zertifikat dieses Verbandes. Zwei Lehr­gänge bereiteten zumindest auf Prüfungen bei Verbänden vor: Competence on Top auf die Prüfung beim Deutschen Verband für Coaching und Training (dvct) und die Prokomm Akademie auf die beim BDVT.

Netz­werk aufbauen und Erfahrungen austauschen

Allerdings scheinen diese Zertifikate für Personaler, die ja zu den Auftrag­gebern von Trainern gehören, eine eher unterge­ordnete Rolle zu spielen. Eine Umfrage der Stiftung Warentest unter 500 Personal­ver­antwort­lichen zeigte, dass knapp die Hälfte der Befragten die Zertifikate der Berufs­verbände für Trainer gar nicht kennen. Trotzdem kann für Trainer die Mitgliedschaft in einem Berufs­verband sinn­voll sein. Dort können sie zum Beispiel ihr Netz­werk auf- und ausbauen, Erfahrungen austauschen oder auch Unterstüt­zung bei der Vermarktung erhalten Tipps.

Kurse schaffen solides Fundament

Unter dem Strich zeigt der Test eines: Der große Nutz­wert der geprüften Lehr­gänge liegt in dem Handwerks­zeug, das sie Trainern vermitteln. Allerdings: Auch längere Lehr­gänge produzieren nicht auto­matisch gute Dozenten. Dafür sind die Aufgaben und Anforderungen in dem Beruf zu komplex. Die Qualifizierungen im Test schaffen aber ein solides Fundament, auf dem Trainer in spe aufbauen können, und sorgen so dafür, dass mehr Spaß und weniger Langeweile in Seminarräumen regiert.

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