Tracking Codes für Ökomode Meldung

Nachhaltigkeit ist in, auch was den Kleiderschrank betrifft. Immer mehr Unternehmen bieten darum Kleidung aus Biobaumwolle an und entwickeln neue nachhaltige Ideen. Einigen fehlt es jedoch an Glaubwürdigkeit. test.de schildert den Fall eines fragwürdigen Rückverfolgungssystems, das es ausschließlich für Ökomode gibt.

Made-by: Kleidungsstücke zurückverfolgen

Die Idee hört sich zunächst gut an und sie entspricht dem Zeitgeist: Ein Hemd oder eine Hose bekommt einen Code eingenäht. Wer diesen Code im Internet eingibt, erfährt, wo das Kleidungsstück hergestellt wurde. Das ist das Konzept der niederländischen Firma Made-by (www.made-by.org), die auch eine deutsche Niederlassung hat. Sie will mithilfe ihres Rückverfolgungssystems die „komplette Lieferkette“ für Kleidungsstücke offen legen und „100prozentige Transparenz für vorbildliche Produktionsbedingungen“ zeigen. Einbezogen wird nur Mode aus 100 Prozent Biobaumwolle. Die Tester haben es ausprobiert.

Kuyichi: „Sorry, noch nicht registriert“

Tracking Codes für Ökomode Meldung

Die Ökojeans des niederländischen Unternehmens Kuyichi. Sie wurde in einen Warentest und einen CSR-Test einbezogen.

Die Ökojeans des niederländischen Unternehmens Kuyichi. Sie wurde in einen Warentest und einen CSR-Test einbezogen.

Beispiel eins: Die Öko-Jeans des niederländischen Modeunternehmens Kuyichi. Jeans des Anbieters waren war aktuell im Test Männerjeans der Stiftung Warentest, den Anbieter selbst haben die Tester auf seine sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen untersucht: Test Produktionsbedingungen. Die Öko-Jeans von Kuyichi trägt einen Made-by-Code. Er lautet: B10–060509. Wer diesen Code auf der englischsprachigen Webseite von Made-by eingibt, erhält als Antwort nur ein „Sorry“. Erklärung: Man habe sich vertippt oder aber das Kleidungsstück könne noch nicht zurückverfolgt werden. Stattdessen dürfen sich Nutzer der Plattform ein anderes, allgemeines Beispiel mit schönen Fotos ansehen.

Tracking Codes für Ökomode Meldung

Der in die Hose eingenähte Tracking Code von Made-by. Er funktioniert einfach nicht, auch nicht in anderen Kuyichi-Hosen.

Der in die Hose eingenähte Tracking Code von Made-by. Er funktioniert einfach nicht, auch nicht in anderen Kuyichi-Hosen.

Die gleiche enttäuschende Auskunft erteilt das Portal nach Eingabe von Tracking Codes aus anderen Kuyichi-Jeansmodellen. Keiner führte zu einem konkreten Ergebnis, die Produktionsstätten bleiben geheim. Das passt zum schwachen Eindruck, den Kuyichi auch im Test der Produktionsbedingungen hinterließ: Das Label verweigerte jede Auskunft. Und das, obwohl es sich in Sachen Ökokleidung als Vorreiter sieht. Wer eine der rund 120 Euro teuren Ökojeans kauft, darf sich zu Recht veräppelt fühlen.

Jackpot: Ein Treffer, aber viele Fragen

Beispiel zwei: Öko-T-Shirts und Kleider der Marke Jackpot. Hier sieht es ähnlich mau aus, wenn der Käufer ihre Herkunft bei Made-by recherchieren möchte. Es gibt meistens keine Suchergebnisse, oft heißt es wieder: Sorry. Einzige Ausnahme: Das T-Shirt Cancia mit dem Tracking-Code A41086001. Hier hilft die Webseite von Made-by endlich weiter. Interessierte erfahren in drei Schritten, dass Jackpot eine dänische Marke für modebewusste Frauen ist, dass das T-Shirt über den indischen Textilexporteur Rajlakshmi Cotton Mills nach Deutschland kam und dass die Biobaumwolle ebenfalls aus indischen Farmen kam. Für die lange globale Textilkette sind das erstaunlich wenige Produktionsstufen, die das Portal offen legt. Es bleiben viele Fragen: Wo wurde die Baumwolle zu einem Stück Stoff gewebt, wo wurde sie gefärbt? Wer schließlich auf die Webseite des genannten Biobaumwolllieferanten, Chetna Organic, geht, dem fällt auf: Alle Ökozertifikate, die da online stehen, sind bereits 2010 oder Anfang 2011 abgelaufen. Damit fehlt auch der Nachweis, dass tatsächlich Biobaumwolle verarbeitet wurde.

Greenality: Dieselben Infos wie anderswo

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Das Öko-T-Shirt von Greenality. Der Anhänger verspricht höchste Transparenz für die Rückverfolgbarkeit.

Das Öko-T-Shirt von Greenality. Der Anhänger verspricht höchste Transparenz für die Rückverfolgbarkeit.

Beispiel drei: Fairtrade- und Öko-T-Shirts der Marke Greenality. Es handelt sich um ein junges deutsches Label. Hier funktioniert der Code in scheinbar allen T-Shirts. Bei Eingabe etwa des Codes green5 bei Made-by, sagt die Website überraschenderweise: Hinter Greenality steht dasselbe indische Textilunternehmen und dieselben indischen Baumwollfarmer wie bei Jackpot.

Tracking Codes für Ökomode Meldung

Der Tracking-Code im Greenality-T-Shirt. Er funktioniert, liefert aber unbefriedigende Ergebnisse.

Der Tracking-Code im Greenality-T-Shirt. Er funktioniert, liefert aber unbefriedigende Ergebnisse.

Ebenso bleiben dieselben Fragen offen. Lediglich die Fotos in der Online-Präsentation variieren. Es entsteht der Eindruck, dass alle Kunden von Made-by die Baumwolle aus denselben indischen Fabriken beziehen. Warum braucht es dann ein Tracking System, von dem Verbraucher erwarten können, rund um den Globus geführt zu werden?

Fazit: Verbrauchertäuschung

Das Rückverfolgungssystem Made-by kann nicht überzeugen und stellt auch die Ökolabels, die es verwenden, in ein fragwürdiges Licht. Verbraucher, die ernsthaft nachhaltig produzierte Mode suchen und deshalb zu Kleidungsstücken mit Made-by-Code greifen, werden oft umsonst nach Informationen im Internet suchen. Ein klarer Fall von Verbrauchertäuschung. Funktioniert ein Code dennoch, wird nur ein Bruchteil der Produktionskette offen gelegt. Klare Aussagen und Beweise zu den angeblich musterhaften sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen gibt es nicht. Made-by muss um einiges transparenter werden.

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