Tomaten Test

Wir haben in 25 Läden Tomaten eingekauft und auf rund 410 Pestizide untersucht. 9 Proben waren nicht belastet.

Einst hatte die Tomate einen richtig schlechten Ruf. Das Nachtschat­tengewächs sei giftig, hieß es, und verursache Liebeswahn. Gut, dass da nichts dran ist. Bei einem Verzehr von fast 20 Kilogramm pro Kopf und Jahr – davon knapp die Hälfte als frische Ware – läge ganz Deutschland im Liebestaumel, das ganze Jahr über. Denn frische Tomaten isst man längst nicht mehr nur im Sommer. Dafür sorgen Treibhäuser und Importe. Die meisten hier angebotenen Tomaten stammen aus den Niederlanden und aus Spanien, aber auch aus Marokko, Israel oder der Türkei. Sie reifen hier nach.

Dass man beim Großflächenanbau und bei langen Transportwegen mit chemischen Hilfsmitteln (Pestiziden) gegen Pilze wie Schimmel, Krautfäule und andere Krankheiten vorgeht, ist kein Wunder. Um zu sehen, wie viel und welche Pestizide in den Tomaten stecken, haben wir Anfang Mai in 25 verschiedenen Läden 25 Proben eingekauft. Deutsche Freilandtomaten sind also noch nicht dabei.

Nicht nur Bio pestizidfrei

Tomaten Test

Tomaten immer gut waschen. Das entfernt nicht nur Schmutz, sondern auch viele Pestizidrückstände.

Die Bio-Tomaten im Test machten ihrem Namen alle Ehre. Die Bioware war tatsächlich pestizidfrei, was wir bei vorherigen Tests nicht immer so bestätigen konn­ten. Eine andere Frage ist, ob der Bio-Fan lange Transportwege aus Israel oder Spanien für ökologisch sinnvoll hält. Sechs weitere Proben – unter anderem von Discountern wie Lidl, Norma und Netto Marken-Discount – waren ebenfalls ohne Pestizidrückstände.

Ohne Rückstände heißt jedoch nicht, dass nie Pestizide verwendet wurden. Sie können sich auf und in der Frucht mit der Zeit vollständig abbauen – was eigentlich auch immer so sein sollte. Nur für Bioware gilt, dass Chemie fern bleiben muss.

Insgesamt ist das Testergebnis nicht ideal, kann sich aber sehen lassen: 9 von 25 Proben waren gar nicht, 10 sehr gering mit Pestiziden belastet. Deutlich belastet hieß es für die Tomaten von Kaiser's und aus einem Gemüseladen: Der Gehalt eines oder mehrerer Pestizide betrug bei ihnen mehr als 50 Prozent der Höchstmengen für Tomaten. Einzig die kanarischen Tomaten von Minimal überschritten eine zulässige Pestizidhöchstmenge und waren damit stark belastet.

Dieses Bild entspricht den Ergebnissen der Lebensmittel­über­wa­chung. Bei der Pestizidbelastung zählen Trauben und Paprika zu den Spitzenreitern, wie auch auch unsere Tests ergaben. Tomaten liegen im Mittelfeld, wenn man die Pestizidbelastung aller Gemüsesorten betrachtet.

Acht Pestizide in einer Tomate

Und was bedeutet es für die Gesundheit, wenn der Höchstwert überschritten ist? Eine direkte Gesundheitsgefährdung besteht nicht – selbst wenn ein Erwachsener täglich ein Pfund solcher Tomaten essen würde. Trotzdem gilt: Je weniger Pestizide, desto besser. Denn über die langfristige Wirkung und Wechselwirkung von Rückständen und anderen Schadstoffen ist viel zu wenig bekannt.

Pestizid ist ein Oberbegriff für viele Stoffe, die beim Pflanzenanbau verwendet werden. Zwei Drittel der Pestizidfunde im Test ging auf das Konto von Antipilzmitteln (Fungiziden), wir fanden aber auch Mittel gegen Insekten (Insektizide) und Milben. Oft kommen mehrere Pestizide gleichzeitig zum Einsatz. Bei Tomaten von Kaiser's fanden wir sogar acht. Mehrere Pestizide bedeuten aber nicht zwangsläufig eine höhere Pestizidmenge insgesamt. Denn in einem Mix werden die Einzelsubstanzen oft in geringeren Mengen als sonst verwendet.

Vier Wochen lagerfähig

Amerika hat sie uns vorgemacht: die extrem lagerfähige gentechnisch veränderte Anti-Matsch-Tomate (Flav'r Sav'r). Sie war kein Erfolg, auch geschmacklich nicht. Die hiesigen Longlifetomaten haben damit nichts zu tun, es sind ganz normale Neuzüchtungen. Strauch- oder Busch­tomaten müssen auch vergleichsweise lange haltbar sein, denn sie sitzen dicht an dicht an einer Rispe. Da wäre es schlecht, wenn eine Tomate an der Rispe schon wegschrumpelt, während eine andere erst richtig heranreift.

Wir haben die Tomaten im Test vier Wochen bei Zimmertemperatur gelagert. Bis auf vereinzelte Ausnahmen haben sie das alle gut überstanden – egal ob sie nun Rispen-, Strauch-, Roma- oder einfach nur runde Tomaten hießen.

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