Tolino E-Books im Abo – wie gut ist das Angebot?

Tolino - E-Books im Abo – wie gut ist das Angebot?
© mauritius images / STOCK4B

Die E-Book-Welt ist zweigeteilt: Die einen lesen ihre elektronischen Bücher über Amazon Kindle, die anderen über Tolino. Nun hat der Amazon-Konkurrent das Abo-Modell Tolino Select aufgelegt. Die Qual der Wahl bleibt den Nutzern aber erspart. Lediglich 40 „hand­verlesene“ Bücher stehen pro Monat zur Auswahl. Wir haben uns angesehen, wie viele Top-Bestseller darunter sind. Unser Schnell­test klärt, ob sich der Abo-Preis von knapp 10 Euro lohnt.

Wie funk­tioniert das Abo?

Das Abo-Konzept von Tolino Select ist etwas ungewöhnlich. Jeden Monat gibt es 40 E-Book-Titel zur Auswahl. Aus diesem Angebot können sich die Abonnenten pro Monat vier E-Books aussuchen. Sind die E-Books einmal aufs Lesegerät geladen, können Tolino-Nutzer die ausgewählten Titel unbe­grenzt lesen – solange das Abo besteht. Aber aufgepasst: Bücher, die der Abonnent während des laufenden Abo-Monats nicht herunter­lädt, stehen ihm im folgenden Abo-Monat nicht mehr zur Verfügung – denn dann sind 40 andere Titel im Angebot. Die ersten 30 Tage sind kostenlos, danach ist das Abo monatlich künd­bar. Ebay-Plus-Mitglieder dürfen den Dienst zur Zeit sechs Monate gratis ausprobieren.

Wie gut ist das Preis-Leistungs-Verhältnis?

Einzeln kosteten die im November 2017 gelisteten Bücher zwischen 3 und 12 Euro. Abonnenten zahlen monatlich 9,90 für vier Bücher. E-Book-Abos der Konkurrenten Skoobe und Amazon Kindle Unlimited bieten zu einem ähnlichen Preis hundert­tausende Titel, darunter aber nur wenig aktuelle Bestseller.

Welche Genres stehen zur Auswahl?

Abonnenten wählen aus den vier Genres „Krimi und Thriller“, „Romane und Erzäh­lungen“, „Fantasy und Science Fiction“ sowie „Liebes­romane und Erotik“. Pro Rubrik stehen zehn Buch­titel zur Verfügung.

Sind auch aktuelle Best­steller im Angebot?

Im November fanden wir unter den 40 E-Books haupt­sächlich unbe­kann­tere Titel wie „Das biss­chen Kuchen“, „Die Chroniken von Waldsee“ oder „Totensommer“. Bestsellerqualität hatte nur ein Buch: „Breto­nisches Gold“ von Jean-Luc Bannalec. Der dritte Fall des schrul­ligen Kommis­sars Dupin erschien allerdings bereits 2014, mitt­lerweile gibt es drei weitere Folgen. Das Markt­forschungs­unternehmen Media Control listete „Breto­nisches Gold“ Ende November im Genre Belletristik auf Rang 624 der best­verkauften Papierbücher 2017. Ein typischer Abo-Titel: Am Ende des Verkaufs­zyklus wirft das E-Book im Abonnement noch ein paar Euro ab und macht Appetit, eine der neueren Folgen zu kaufen. Mehr als ein Drittel der Bücher im Abo-Monat November 2017 erschien im Jahr 2016, gefunden haben wir allerdings auch Werke aus dem Jahr 2009.

Tolino - E-Books im Abo – wie gut ist das Angebot?
Diese fünf Titel waren im November Teil des Tolino-Abos, die meisten sind relativ unbe­kannt. © Fabylon Verlag, Aufbau Verlag, Dotbook Verlag, Verlag Kiepenheuer & Witsch (M)

Wie begründet der Anbieter seine Auswahl?

Tolino Select setzt nicht auf Top-Titel, sondern wirbt damit, dass die E-Books von „erfahrenen Buch­händ­lern hand­verlesen“ sind. Das soll Abonnenten langes Suchen ersparen.

Wer steckt dahinter?

Tolino Select ist ein Projekt der Tolino-Allianz, einem Zusam­menschluss deutscher und europäischer Buch­händler, darunter Branchengrößen wie Thalia und Hugendubel.

Lassen sich die Bücher auch auf anderen E-Book-Readern lesen?

Das Angebot von Tolino Select lässt sich nur auf den E-Book-Readern von Tolino nutzen. Amazons Bücher sind ausschließ­lich mit dem Kindle-Reader kompatibel, die E-Books von Skoobe lassen sich lediglich per App auf dem Smartphone oder Tablet lesen. Auch die Tolino-Allianz setzt auf ein geschlossenes System: Die Abonnenten können die E-Books ausschließ­lich auf Tolino-Readern, in Tolino-Apps oder im Tolino-Webreader abrufen.

Fazit: Nichts Berühmtes – höchs­tens was für flexible Leseratten

Über­mäßig attraktiv ist Tolino Select nicht. Das neue E-Book-Abo taugt vor allem für experimentierfreudige Vielleser, die sehr preisbewusst und flexibel in der Wahl ihrer Lektüre sind. Wer nach bestimmten Büchern sucht, wird kaum fündig. Die Idee ist nicht schlecht, am Repertoire sollte nachgebessert werden. Mehr E-Book-Bestseller zum kleinen Preis bieten öffent­liche Biblio­theken, wie unser E-Book-Test belegt.

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