Toilettenpapier

Historie und Histörchen: Zur Hygiene des Allerwertesten

21.07.2006

Der Weg zum Klopapier war lang – und mitunter steinig.

Inhalt

Ein wertloses Schriftstück nennt der Duden „Arschwisch“. Und das nicht ohne Grund. Es ist noch gar nicht so lange her, da landete die Zeitung von gestern auf dem Klo: In handliche Stücke geschnitten hing sie dort am Haken und wartete auf ihre letzte Bestimmung. Papier speziell für den Po kannten aber lange Zeit nur die Chinesen. Deren Kaiser orderte bereits 1393 Bögen von einem halben Quadratmeter Ausmaß auf sein stilles Örtchen.

Jahrtausende lang wurde nach allem gegriffen, was gerade da war und halbwegs geeignet erschien: Laub, Stroh, Moos, Schafswolle, Maiskolben, Kokosschalen – die Griechen der Antike hatten sogar vor Steinen und Tonscherben keine Berührungsängste. In der islamischen Welt gilt ausschließlich Wasser und die linke Hand als Mittel der Wahl. Und im alten Rom nahm man – stets bedacht auf kulturellen Fortschritt – schon sehr früh einen Schwamm zur Hand, der, an einen Stiel gebunden, in einem Krug mit desinfizierendem Salzwasser steckte. Doch auch das hat sich nicht durchgesetzt.

Am Ende war es das Papier, das auch jenseits der Chinesischen Mauer am meisten überzeugte – und die Welt in zwei ­Lager trennte: Während die einen ihr Klopapier zu einem Ball zerknüllen, bevor sie wischen, legen die anderen – darunter auch die Deutschen – ihr Blatt fein säu­berlich in Falten. Nachdem es vielerorts zunächst alte Zeitungen waren, die in den Orkus gingen, wurde ab 1857 auch für die – meist knüllenden – Amerikaner Papier zum Zwecke der Rektalhygiene produziert. 1879 wickelte der Engländer Walter Alcock das Ganze auf handliche Rollen.

In Deutschland brachte Hans Klenk den Stein ins Rollen, als er 1928 die erste Toilettenpapierfabrik in seiner Heimatstadt Ludwigsburg eröffnete. Während die Konkurrenz im Ausland noch verschämt „The­rapeutisches Papier“ verkaufte, nannte er die Dinge beim Namen und prägte mit seinen erweiterten Initialen einen Begriff: Hakle. 1977 kam mit „Hakle feucht“ das erste feuchte Toilettenpapier in die WCs. Spätestens seitdem wird auch hierzulande die Zeitung auf dem Klo nur noch gelesen.

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