Tipps zum Fischkauf Meldung

Am Karfreitag kommt traditionell ein Fischgericht auf den Tisch. Doch Verbraucher sollten genau überlegen, was sie in den Einkaufswagen legen. Denn mittlerweile sind etwa drei Viertel der kommerziell genutzten Fischbestände überfischt. test.de sagt, worauf Sie deshalb beim Fischkauf achten sollten.

Zerstörerische Fangmethoden

Gesunde Omega-3-Fettsäuren, viel Eiweiß und guter Geschmack: Fisch liegt im Trend, der Verbrauch steigt beständig. Im vergangenen Jahr erreichte der Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten in Deutschland mit 16 Kilogramm pro Kopf eine neue Höchstmarke. Ähnlich hoch ist auch der weltweit liegt der Pro-Kopf-Verbrauch. Diese starke Nachfrage macht sich bemerkbar: Mittlerweile werden viele Fischbestände in den Weltmeeren bis an ihre Grenzen abgefischt. Oft landen sogar mehr Fische in den Netzen als nachwachsen können. Das gilt auch für die Nord- und Ostsee. Viele Fangmethoden schädigen nicht nur die Fischbestände, sondern auch den Meeresboden und damit den Lebensraum von Fischen und anderen Meerestieren. Besonders schlimm: Nach Schätzung der Welternährungsorganisation sind allein 90 Millionen Tonnen des angelandeten Fisches „nur“ Beifang. Doch auch die Zuchtfischerei bleibt oft nicht ohne negative Folgen für die Umwelt: Antibiotika und Kot verunreinigen die umgebenden Gewässer. Oft werden Wildfische sogar zum Futter für Zuchtfische.

Empfehlungen von WWF und Greenpeace

Der World Wide Fund for Nature (WWF) in Deutschland bietet seit kurzem einen Einkaufsführer Fisch an. Er bietet eine Orientierung, welchen Fisch Verbraucher bedenkenlos verzehren können und auf welche Arten sie besser verzichten sollten. Und auch Greenpeace gibt Empfehlungen zum Kauf von Speisefischen. Dies bietet eine Orientierung:

NICHT KAUFEN
Dornhai.
Die beliebten Schillerlocken stammen vom Dornhai. Dieser Fisch ist aber stark gefährdet. WWF und Greenpeace raten daher vom Verzehr ab.
Fluss- und Seeaal. Auch dieser Fisch braucht dringend eine Auszeit und gehört nicht in den Einkaufwagen.
Garnelen und Shrimps. Greenpeace rät davon ab, Shrimps und Garnelen zu kaufen. Das gelte für Zucht- und Wildbestände. So würden für Shrimpsfarmen Mangrovenwälder in riesigem Ausmaß zerstört. Pro Kilo wildgefangenem Shrimp würden zudem zehn bis 15 Kilogramm anderer Meerestiere als unerwünschter Beifang in den Netzen landen. Ausnahme: Garnelen aus dem Eis- oder Nordmeer. Diese Bestände seien nicht gefährdet und der Beifang halte sich hier in Grenzen.
Kabeljau/Dorsch. Dieser Fisch gehört derzeit nicht auf den Speiseplan. Drei der fünf Bestände weltweit sind laut WWF überfischt. Einzig Kabeljau aus Island sei eine gute Alternative. Da Verbraucher derzeit aber nicht genau erkennen können, aus welcher Region der Fisch kommt, rät der WWF generell vom Verzehr ab.
Rotbarsch. Da die Bestände von Rotbarsch stark überfischt sind, raten WWF und Greenpeace auch vom Verzehr dieser Speisefische ab.
Scholle und Seezunge. Auf diese Speisefische sollten Verbraucher ebenfalls verzichten: Um sie zu fangen, wird der Meeresboden laut WWF regelrecht umgepflügt. Oft würden bis zu 80 Prozent der Tiere zudem einfach wie Müll wieder über Bord geworfen.

GUTE WAHL
Alaska-Seelachs.
Beim beliebtesten Speisefisch der Deutschen, dem Alaska-Seelachs, sollten Verbraucher laut WWF auf das MSC-Siegel (siehe unten) achten. Dann sei der Kauf akzeptabel.
Hering und Forelle (europäische Zucht). Hier haben Greenpeace und WWF keine Bedenken. Diese Fische können Verbraucher ohne schlechtes Gewissen verzehren.
Karpfen. Besonders zu Silvester, aber auch schon an Weihnachten steht Karpfen bei vielen auf dem Speisezettel. Dieser ist laut Greenpeace anspruchslos, was eine artgerechte Züchtung auch in konventionellen Betrieben ermöglicht. Er könne daher bedenkenlos gekauft werden.

Tipp: Basierend auf den Empfehlungen von Greenpeace und WWF gibt es unter www.fischimhandy.de schnell und einfach Auskünfte zu den Fischarten, die in beiden Ratgebern genannt werden. Die Idee stammt von Leibnitz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar).

Siegel für nachhaltige Fischerei

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Im Handel ist zudem immer öfter Fisch zu haben, der das Siegel der Marine Stewardship Council (MSC) trägt. Es garantiert die nachhaltige Fischerei für die entsprechenden Produkte. Um das Siegel zu erhalten, dürfen die Fischereibetriebe nicht mehr Fisch fangen, als nachwachsen kann. Die angewendeten Fangmethoden sollen den Lebensraum in den Meeren nicht zerstören. Weltweit gibt es bereits 22 Fischereien, die das MSC-Siegel tragen.

Sicherheit beim Einkauf

Wer etwas gegen die Überfischung der Meere und für umweltgerechte Binnenfischzucht tun möchte, hat die Wahl. Es gibt Anbieter, die auf nachhaltige Fischerei ihrer Zulieferer achten. Das gilt für Meeresfischerei ebenso wie für Binnenzucht. So hat die Stiftung Warentest im Test von Tiefkühllachs und im Garnelen-Test auch die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen untersucht. Ein Prüfpunkt: Ob die Produzenten nachhaltig und artgerecht arbeiten. So erfahren Verbraucher nicht nur, welche Produkte qualitativ hochwertig sind, sondern auch, von welchen Unternehmen sie beruhigt Fisch kaufen können.

Fischlineal

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Oft landen in den Netzen und später im Supermarkt Fische, die noch zu jung sind. Auch das gefährdet die Fischbestände der Weltmeere, denn diese Fische konnten sich noch nicht fortpflanzen. Damit Verbraucher beim Einkauf erkennen können, ob sich die Fische schon bis zur Geschlechtsreife entwickelt haben, gibts bei der Verbraucherzentrale Hamburg ein Fisch-O-Meter. Es zeigt die Größen von 14 Speisefischen aus Nord- und Ostsee nach Erreichen der Geschlechtsreife. Die Maße gelten für ganze Fische, aber auch für Fische ohne Kopf und Filets. So können Verbraucher gezielt den Kauf von Babyfischen verhindern.

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