Tintentankstellen Test

Neue Originalpatronen vom Druckerhersteller sind teuer. Lohnt sich der Weg zur Tintentankstelle? Eine Expedition in die bunte Welt der Tintennachfülldienste.

Ratlos steht eine junge Frau in einer deutschen Großstadt. Ein Blick auf den Zettel: Die Adresse stimmt. Irgendwo hier muss es doch eine Tintentankstelle geben. Zu sehen ist nur ein Reisebüro. Dann erst sieht sie das Schild vor dem Eingang: Im Reisebüro werden auch Druckerpatronen gefüllt. Beherzt betritt die Testerin den Laden.

Der Weg zur billigen Druckertinte ist mitunter verschlungen. Aber er kann sich lohnen: Eine Druckerpatrone in der Tintentankstelle nachfüllen zu lassen, kostet nur einen Bruchteil dessen, was man für eine Originalpatrone zahlt. Gerade wer einen Drucker hat, für den es kein gutes Angebot an günstigen Fremdpatronen von Drittanbietern gibt, wird mit den Nachfüllläden liebäugeln (siehe Text „Nachfüllen oder neu kaufen?“). Doch wie gut arbeiten diese Läden? Kann die Druckqualität der wiederbefüllten Patronen mit der neuer Originalpatronen mithalten? Und wie viel spart man bei den Tintentankstellen wirklich? Um das herauszufinden, haben wir unsere Tester in die Filialen der sechs größeren überregionalen Ketten geschickt. Ausgestattet waren sie mit frisch leergedruckten Patronen dreier Druckermodelle aus dem letzten Druckertest (siehe Text „Die Probedrucker“), die es nachzufüllen galt.

Zwischen bunten Flaschenreihen

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Cartridge World erkennt man schon von weitem (oben), Refill 24 nicht immer (unten).

Nach außen treten die Tintentankstellen recht unterschiedlich auf: Filialen von Cartridge World und Tintenstation erkennt man schon von weitem an ihren typischen grellgelben Firmenschildern. Niederlassungen von Refill 24 haben auf ihren Schildern statt des Kettennamens dagegen oft nur ein eher neutrales „Druckertankstelle“ stehen. Und manche Tintentankstelle versteckt sich gar in den Räumen eines Schreibwarengeschäfts, Copy-Shops oder eben eines Reisebüros.

Im Inneren sind Verkaufsraum und Befüllwerkstatt dann meist nur durch eine Theke getrennt. Zwischen langen Batterien von bunten Tintenflaschen stehen dahinter dann die Tintentüftler und rücken den mitgebrachten Patronen vor den Augen des Kunden mit Messern, Spritzen und Kanülen zuleibe, um ihnen neue Tinte einzuflößen. Nur die Filialen von Cartridge World weichen konsequent von diesem Bild ab: Vom farbenfrohen Treiben des Befüllens selbst bekommt man hier nichts zu sehen, denn das findet stets in einem separaten Raum statt. Auch werden die Patronen, die man hier mitbringt, meist gar nicht sofort neu befüllt, sondern wie Pfandflaschen gegen andere, bereits vorbefüllte ausgetauscht.

Wer seine Patronen besonders pfleglich behandelt hat, damit er sie noch oft benutzen kann (siehe „Tipps“), der mag die so erhaltenen Austauschpatronen mit einem gewissen Argwohn betrachten. Doch der Austausch hat auch Vorteile: Es spart Wartezeit. Außerdem merken sich manche HP-Drucker die Patronen, die sie leergedruckt haben, und verweigern nach der Wiederbefüllung zunächst den Dienst. Diese Sperre wird umgangen, wenn man die Patronen gegen andere befüllte tauscht.

Bester Service: Cartridge World

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Ausgelaufen: Auch wer Patronen beim Profi nachfüllen lässt, statt selbst zu befüllen, riskiert mitunter bunte Finger.

Beim Befüllservice setzt sich die Cartridge World insgesamt deutlich von der Konkurrenz ab: Hier waren die nachgefüllten Patronen immer sauber verpackt, während sich die Tester bei anderen Geschäften gelegentlich bunte Finger von verschmutzen oder auslaufenden Patronen holten. Nur bei Cartridge World wurden die HP- und Lexmark-Patronen mit eingebautem Druckkopf durchgängig mit einem passenden Clip verschlossen. Außerdem präsentierten die Filialen dieser Kette für diesen Patronentyp stets einen Probedruck, um zu demonstrieren, dass der Druckkopf in Ordnung war. So regelmäßig gab es das sonst nur bei Druckershop. Neben Tintenstation war Cartridge World außerdem der einzige im Test, der zu den Canon-Patronen immer eine schriftliche Anleitung mitgab, wie man die Füllstandanzeige deaktiviert, um problemlos mit den nachgefüllten Patronen drucken zu können.

Fotoqualität wie mit Originaltinte

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Fehldruck: Solche Ausreißer gab es im Test nur selten: Die Tinten der drei Farbkammern haben sich vermischt.

Bei der Qualität der befüllten Patronen belegt der Service-Sieger Cartridge World nur den dritten Platz. Knapp davor platzieren sich Tintenstation und Druckershop. Für alle drei Drucker liefern ihre Patronen Fotodrucke, deren Qualität mit denen von Originalpatronen vergleichbar ist. Am schlechtesten waren die Patronen von Vobis: Bei den HP- und Lexmark-Druckern waren ihre Text- und Fotodruckqualität durchgängig schlechter als bei Originaltinte. Patronen für den Canon-Drucker befüllten die Vobis-Läden nicht.

Abstriche bei der Lichtbeständigkeit

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Canon-Drucke mit Originalpatronen (links: vor dem Lichttest, rechts: nach dem Lichttest)...

Canon-Drucke mit Originalpatronen (links: vor dem Lichttest, rechts: nach dem Lichttest)...

Mit der Lichtbeständigkeit haben alle im Test ihre Probleme: Fotodrucke von nachgefüllten Patronen bleichen in allen Fällen stärker aus als Drucke von Originalpatronen. Besonders bei den Canon- und Lexmark-Druckern sehen einige Drucke nach dem Lichttest ziemlich blass aus. Wer sich Fotodrucke an die Wand hängen will, wo sie dem Tageslicht ausgesetzt sind, der sollte besser zu Originaltinten greifen, wenn er länger als ein paar Monate Freude daran haben will.

Je nach Drucker und Tankstelle kostete die Befüllung der Patronen ein bis drei Viertel des Neupreises. Über die tatsächliche Ersparnis sagt das aber nicht viel aus: In der Regel füllen die Tankstellen mehr Tinte ein als die Druckerhersteller. Wie viel genau, kann man von außen nicht erkennen. Will man die tatsächlichen Kosten ermitteln, muss man die Patronen leerdrucken und die erreichte Seitenzahl mit den Füllpreisen verrechnen.

Die niedrigsten Kosten

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... und Canon-Drucke von Tinten-Toner-Tankstation (links: vor dem Lichttest, rechts: nach dem Lichttest)

... und Canon-Drucke von Tinten-Toner-Tankstation (links: vor dem Lichttest, rechts: nach dem Lichttest)

Ergebnis: Die niedrigsten Druckkosten hat man mit Patronen von Druckershop, Refill 24, Tinten-Toner-Tankstation und Vobis. Die Ersparnis liegt hier teilweise über 70 Prozent. Zusammen mit der „guten“ Qualität der Patronen ist Druckershop damit so etwas wie ein Preis-Leistungs-Sieger. Am teuersten ist der Nachfüllservice von Cartridge World, doch auch hier spart man gegenüber neuen Originalpatronen immer noch knapp 40 bis 60 Prozent.

Der Vergleich der Kosten zeigt aber auch: Wer günstig drucken will, sollte auf den richtigen Drucker mindestens so viel Wert legen wie auf günstige Tinte. So kostet die Textseite beim Canon-Drucker selbst mit Originalpatronen immer noch weniger als beim Lexmark-Drucker mit der billigsten Befüllung.

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