Tinnitus Meldung

Mit einem "entscheidenden Durchbruch" in der Tinnitus-Behandlung hat kürzlich das Münchener "Institut für angewandte akustik" (ifa) massiv in der Öffentlichkeit geworben. Das ifa schickte an sämtliche Selbsthilfegruppen Broschüren, in denen es bei Tinnitus ganz konkret eine Heilungsquote von knapp 70 Prozent verspricht.

Nach Angaben des ifa reiche es dazu aus, den Tinnitus akustisch nachzubilden und den Betroffenen mehrmals vorzuspielen. Wie das genau funktioniert, behält der Anbieter für sich. Auch auf unsere Nachfrage verweigerte er konkrete Angaben zur Therapie, um "das Know-how nicht preiszugeben". Mit wissenschaftlichen Studien konnten die Akustiker nicht dienen; die "Erfolgsquote" errechneten sie aus der Behandlung von 15 Probanden. Der Preis für das Angebot ist dagegen sehr konkret: 4.640 Mark, zu zahlen bei Vertragsabschluss.

Die Deutsche Tinnitus-Liga DTL stuft solches Verhalten als "unverschämt und höchst unseriös" ein. Mehrmals jährlich gebe es ähnlich Erfolg versprechende Therapieofferten, hinter denen sich häufig "Geldmacherei" verberge, so die DTL. Dass Geräusche oder Musik Tinnitus beeinflussen können, ist schon länger bekannt. Entscheidend sei allerdings allein die Motivation des Patienten, so Dr. Gerhard Goebel, Chefarzt der Klinik Roseneck. Der Effekt könne durch Mozarts Musik wie durch einen Fön oder einen Rasierapparat erzielt werden.

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