Therapie: Muskeln anspannen, dann entspannen

Muskelentspannung und Konzentration auf äußere Geräusche sind wichtige Elemente der Therapie.

Muskelentspannung: Der Arzt und Physiologe Edmund Jacobson entwickelte das Verfahren der progressiven Muskelentspannung in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Er hatte beobachtet, dass psychische Belastungen wie Angst, Unruhe und Erregung mit einer erhöhten Muskelspannung einhergehen und dass sich andererseits das psychische Empfinden verbesserte, wenn diese Muskelspannung reduziert wurde. Ziel der Methode sind die körperliche und die psychische Entspannung sowie eine frühzeitige Wahrneh­mung von Spannungszuständen im Körper.

Alle Muskelgruppen: Zu­nächst werden die Muskeln der Hand angespannt und gelockert, dann sind die Muskelpartien des Arms an der Reihe. Nach und nach schreiten die Übungen über alle Muskelgruppen des Körpers von den Füßen bis zum Gesicht voran. Die Anspannung wird jeweils für etwa fünf bis zehn Sekunden gehalten. Danach folgt eine Entspannungsphase von ungefähr 30 Sekunden, in der die Teilnehmer ihre Wahrnehmung auf den Unterschied zwischen Anspannung und Entspannung lenken. Im Lauf der Übungen stellen sich Ausgeglichenheit, Ruhe und Entspannung ein. Weil die Methode so leicht zu erlernen ist, werden Kurse zum Beispiel auch von vielen Volkshochschulen angeboten.

Hörtraining: Wenn Entspannungsübungen nicht ausreichen, gibt es eine weitere Möglichkeit, die Quälgeister im Kopf zu vertreiben. Beim Hörtraining sollen die Patienten lernen, sich bewusst auf äußere Geräusche zu konzentrieren. Dazu werden sie sehr leisen Geräuschen ausgesetzt. Zunächst hören die Teilnehmer sie meist gar nicht. Erst wenn sie sich konzentrieren, nehmen sie nach einiger Zeit die Geräusche wahr.

Übungsbeispiele: Ein Patient sitzt zum Beispiel in einem ab­geschirmten Raum, in den ganz leise Verkehrslärm eingespielt wird. Oder in einer Gruppe werden Paare gebildet. Einem Partner werden die Augen verbun­den. Der andere gibt sehr leise Kommandos zur Richtung, in die sich sein Partner bewegen soll, damit er mit den anderen Teilnehmern im Raum nicht zusammenstößt. Eine weitere Übung besteht darin, dass eine Person zwischen zwei anderen sitzt, die unterschiedliche Texte vorlesen. Aufgabe ist es dann, den Inhalt des einen Textes zu erfassen, also sich selektiv auf einen Sprecher zu konzentrieren.

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