Findige Timesharing-Anbieter nutzen Lücken im Gesetz zum Schaden der Urlauber.

Timesharing klingt für viele gut: Die Anbieter versprechen Urlaubern günstige Ferienwochen auf lange Zeit. Dafür müssen diese langfristige Wohnrechte in einer Ferienanlage oder Anteile am Unternehmen kaufen. Viele kaufen nach diesem Modell ein bis vier Ferienwochen in einer Anlage und dürfen sie dann Jahr für Jahr nutzen. Den Rest der Zeit wird sie von anderen Timesharing-Kunden genutzt.

Normalerweise laufen solche Verträge über 20 bis 50 Jahre. Seit einiger Zeit werden aber auch Verträge über kurze Laufzeiten von weniger als 36 Monaten angeboten. Damit wollen die Anbieter durch die Maschen des Teilzeitwohnrechtegesetzes schlüpfen. Eigentlich sollte dieses Gesetz endlich die Urlauber besser schützen. Denn die Branche hat einen schlechten Ruf: Immer wieder wurden Urlaubern Verträge für Ferienanlagen verkauft, die gar nicht existieren, und fette Anzahlungen kassiert. Viele Angebote waren auch schlicht zu teuer.

Vor drei Jahren trat in Deutschland das Gesetz in Kraft. Es ist die deutsche Fassung einer europäischen Richtlinie, die mittlerweile in allen 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union umgesetzt ist. Seither müssen die Anbieter die Interessenten besser informieren und dürfen vor Ablauf einer zehntägigen Widerrufsfrist kein Geld annehmen.

Da die schwarzen Schafe der Branche beim Verkauf der Verträge auf eine Überrumpelungstaktik setzten, war hiermit unseriösen Verkaufsmethoden eigentlich Einhalt geboten. Schließlich bekamen die Kunden nun Zeit, die Verträge in Ruhe zu überdenken. Tatsächlich hat sich jedoch nicht viel geändert. Denn das Gesetz gilt nur für Verträge, die mehr als 35 Monate laufen, und hilft selbst dann nicht immer.

Die Masche mit dem Hauptgewinn

In Spanien beispielsweise, wo die meisten Timesharing-Anlagen sind, werden weiterhin Paare auf der Strandpromenade von jungen Leuten eingeladen, an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Wer nicht auf Anhieb den vermeintlichen Hauptgewinn zieht, darf so lange weiterziehen, bis er ihn hat.

Die "Glücksfeen" sind meist junge Deutsche oder Engländer, die ihre Landsleute in ihrer Muttersprache ansprechen. Für jeden Touristen, den sie in die Verkaufsveranstaltung locken, bekommen sie eine Kopfprämie.

Gewonnen haben die Urlauber meistens eine Woche Traumurlaub, eine Flasche Sekt oder ein T-Shirt, das sie sich nur noch in einem Büro oder einer Ferienanlage abholen müssen. Das Taxi steht schon bereit. Dort werden die "glücklichen Gewinner" von geschulten Verkäufern in Empfang genommen und so lange bearbeitet, bis sie flüchten oder einen Vertrag unterschrieben haben.

Vom Gewinn ist erst mal keine Rede mehr und selbst die Flasche Sekt oder das T-Shirt werden nur widerwillig herausgerückt, wenn der Kunde nicht kauft. Stattdessen werden die Urlauber mit Werbefilmen und abenteuerlichen Rechenbeispielen bearbeitet, in denen Hotelurlaub teuer und Timesharing billig gerechnet wird. Die Verkäufer achten darauf, dass diese Rechenbeispiele nicht mitgenommen werden, denn sie halten keiner Überprüfung stand.

Verlängerung für ein paar Mark

Besonders dreist geht die Firma Dinastia Resort S.L. vor, die auf der Insel Teneriffa im Auftrag der Club Class Holidays Ltd. drei Leistungspakete mit den Bezeichnungen Gold, Silver und Bronze Pack vertreibt. Die Preise sind stattlich: 34.950 Mark soll ein Ehepaar aus Düsseldorf für zwölf Wochen "luxuriöser Unterbringung" innerhalb von 35 Monaten bezahlen, zuzüglich Nebenkosten. Damit kostet das Gold Pack rund 2.000 Mark pro Urlaubswoche nur für die Unterbringung. Das Silver Pack für immerhin 21.500 Mark zuzüglich Nebenkosten verspricht sechs Wochen in den "ausgewählten Ferienanlagen", rund 3.600 Mark pro Urlaubswoche.

Gleichzeitig wirbt die Firma mit der Möglichkeit, nach Ablauf der 35 Monate für lediglich zehn britische Pfund, rund 30 Mark, einen Verlängerungsvertrag für 50 Jahre zu schließen. So will die Firma Timesharing alter Art verkaufen und gleichzeitig das Gesetz umgehen. Denn für diesen Vertrag gilt durch die Laufzeit von unter drei Jahren nicht automatisch das Widerrufsrecht innerhalb einer Frist von zehn Tagen, in der die Anbieter kein Geld entgegennehmen dürfen.

Gegenüber der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt behauptete die Firma Dinastia Resort S.L. sogar, sie verkaufe keine Timesharing-Produkte. Es handele sich um die Mitgliedschaft in einem Ferienklub. Die so erworbene Dienstleistung bleibt aber trotzdem ein im Voraus gekauftes und bezahltes Nutzungsrecht. Und genauso funktioniert Timesharing.

Keine Bedenkzeit

Andere Firmen, die Kurzverträge verkaufen, drängen die Kunden an Ort und Stelle dazu, ein vorbereitetes Fax an ihre Bank zu schicken, in dem sie die sofortige Überweisung veranlassen. Auch Bargeld, Euroscheck oder Kreditkarte werden gern akzeptiert, um dem Kunden das Geld abzunehmen, bevor er den Kauf überdenken kann. Dieses Geld ist verloren, es sei denn, es gelingt daheim, den Vertrag gerichtlich für nichtig erklären zu lassen. Weil es für die Verträge unter 36 Monate keine einheitliche Regelung in der Europäischen Union gibt, glauben sich diese Anbieter auf der sicheren Seite.

Widerrufsrecht

Doch auch bei Langzeitverträgen, für die die Widerrufsfrist gilt, nützt sie oft nichts. Zehn Tage sind eben knapp: Die Glücksfeen am Strand sind auf Paare angesetzt, die noch möglichst blass aussehen. Bei den frisch eingetroffenen Touristen können sie darauf hoffen, dass der Urlaub noch möglichst lange dauert und die zehn Tage am Urlaubsort verstreichen. Daheim stellen die Käufer dann fest, dass das Geld schon vom Konto abgebucht wurde und nur noch mit Ärger und Kosten zurückgeholt werden kann.

Vor wenigen Wochen forderte die Europäische Kommission Verbraucherverbände und Anbieter auf, zu den Problemen Stellung zu nehmen. Die Kommission fragt unter anderem, ob die 36-Monats-Regel aufgehoben und die Rücktrittsfrist verlängert werden soll. Finanztest beantwortet beide Fragen mit Ja.

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