Timesharing Meldung

Vermittler, die Urlauber in die Verkaufbüros dubioser Timesharing-Firmen locken, erhalten hohe Provisionen.

Timesharing hat viele Anhänger. Doch der Ruf der Branche ist schlecht, weil viele Anbieter ahnungslose Urlauber mit krummen Methoden zu Vertragsabschlüssen drängen. Lücken im Gesetz werden genutzt, um Widerrufsrecht und Anzahlungsverbot zu umgehen.

Etwas spanisch kam es einem Urlauberpaar aus Braunschweig schon vor, als es auf Anhieb beim Spaziergang am ersten Ferientag im sonnigen Malaga eine Urlaubsreise im Wert von 800 Euro gewann. Drei junge Burschen hatten die Gewinnkärtchen überreicht und gerieten über das Glück des Ehepaars ganz außer sich. Schnell überzeugten sie das Paar, in ein bereitstehendes Taxi zu steigen, um den Gewinn sofort abzuholen.

Das Paar tappte in die Urlaubsfalle wie Tausende andere vor ihnen. In diesem Fall wurden die glücklichen Gewinner von geschulten Verkäufern im Atlantis-Club in Marbella in Empfang genommen. „Wir wurden durch die wunderschöne Anlage des Clubs geführt und in drei bis vier Stunden auf nette Art und Weise weich geklopft“, sagt Irma Gärtner.*) Kurz darauf hatte das Paar einen Timesharing-Vertrag unterschrieben und 450 Euro für eine Clubmitgliedschaft gezahlt. „Danach waren wir nicht sicher, was wir eigentlich gekauft hatten“, sagt Irma Gärtner heute.

Die Gärtners hatten einen über 45 Jahre laufenden Timesharing-Vertrag un­terschrieben. Das ist ein ein- oder mehrwöchiges Wohnrecht, das man Jahr für Jahr in einem Ferienapartment nutzen kann. Den Rest der Zeit wird das Wohn­recht von anderen Timesharing-Kunden (Timesharing = geteilte Zeit) genutzt. Der besonders günstige Preis von nur 9 000 Euro käme zustande, weil er den Reisegewinn von 800 Euro gleich abgezogen habe, erklärte der Vermittler.

Auch seriöse Angebote

„Wie die Gärtners werden Jahr für Jahr Tausende Urlauber in eine Urlaubsart hineingeschoben, die gar nichts für sie ist“, sagt Hajo Gekeler, Präsident der Schutzvereinigung für Timesharing und Ferienwohnrechteinhaber in Europa e. V. mit Sitz in Wiesbaden. Daher rühre auch der schlechte Ruf des Time­sharings. Vor allem in Spanien würden Paare direkt von der Strandpromenade weg in die Verkaufsbüros geschleppt. Dort sei vom Gewinn erst mal keine Rede. Selbst das gewonnene T-Shirt werde nur widerwillig herausgerückt, wenn der Kunde kein Wohnrecht kaufe. Stattdessen werde mit schönen Urlaubsvideos versucht, eine Unterschrift zu bekommen. „Das schadet der eigentlich guten Idee des Timesharings, die einen Urlaub mit Gleichgesinnten jenseits des Pauschaltourismus ermöglicht“, meint Gekeler. Schaden tun auch die vielen dubiosen Anbieter, die Urlaubern Ferienwohnrechte in maroden oder gar nicht existenten Anlagen verkauften.

Lückenhafte Gesetze

Um Paare wie die Gärtners zu schützen, hatte die Europäische Union bereits 1994 eine Richtlinie erlassen, die die Abzockerei mit Timesharing stoppen sollte. Deutschland setzte die Richtlinie 1997 um und sogar Spanien, Hochburg der Timesharing-Mafia, führte 1999 ein Schutzgesetz ein. Danach müssen Anbieter von Ferienwohnrechten Kunden einen umfassenden Prospekt aushändigen und ihnen eine 14-tägige Widerrufsfrist einräumen. Vor dem Ablauf dieser Frist ist es verboten, eine Anzahlung zu kassieren.

Doch findige Anbieter schaffen es trotzdem, an das Geld der Urlauber zu kommen. Sie umgehen Widerrufsrecht und Anzahlungsverbot, indem sie die Laufzeit ihrer Verträge auf 35 Monate begrenzen. Denn das Gesetz gilt erst fürTimesharing-Verträge ab 36 Monate.

So war es auch bei den Gärtners. Dreist wurde ihnen eine Clubmitgliedschaft im Miraflores Premium Club in Mijas Costa angedreht, die auf 35 Monate begrenzt ist. Im Vertrag des Vermarkters, der One World Holiday Club S. L. in Marbella, heißt es dann, dass der Kunde für 450 Euro Beitrag Mitglied im Club wird. Die „Besonderheiten der Mitgliedschaft“ bestehen dann in einem einwöchigen Wohnrecht in einem ­Miraflores-Apartment für 2 Jahre und 11 Monate. Dafür wird eine Reservierungsgebühr von 360 Euro pro Woche fällig. Das ist nichts anderes als ein im Voraus gekauftes und bezahltes Nutzungsrecht. Und genauso funktioniert Timesharing. Den 45-Jahre-Vertrag für den ebenfalls in Mijas Costa liegenden Atlantis-Club der International Holiday Marketing mit Sitz auf den British Virgin Islands gab es dann gleich noch dazu. Warum sie den auch noch abgeschlossen haben, wissen die Gärtners nicht. „Irgendwie hat uns der Vermittler schwindelig geredet.“

Teure Angelegenheit

Anders als es Anbieter von Wohnrechten Urlaubern weismachen wollen, ist Timesharing eine ziemlich teure Angelegenheit. Ein Pauschalurlaub in einer gleichwertigen Ferienwohnanlage der Vier-Sterne-Kategorie ist oft günstiger zu haben. Denn zu dem Kaufpreis ­kommen noch Unterhaltskosten hinzu. Beim Atlantis-Club sind es 420 Euro pro Jahr. Weiter wird ein jährlicher Mitgliedsbeitrag für einen Tauschclub und zusätzlich eine Reservierungsgebühr für jede getauschte Woche fällig. Schließlich müssen Time­sharer selbst für An- und Abreise sowie die Verpflegung aufkommen.

Ganz schwierig wird es, wenn Time­sharer ihre Wohnrechte wieder loswerden wollen. Auch hier wird der Markt von schwarzen Schafen dominiert. Unseriöse Wiederverkaufsunternehmen bieten ihre Dienste an. Sie geben vor, interessierte Käufer an der Hand zu haben und kassieren hohe Vorausgebühren für die Vermittlung. Diese sehen die Wohnrechteinhaber dann nicht wieder.

Die Gärtners hatten Glück im Unglück. Ihre 35-Monate-Mitgliedschaft im Miraflores Club ist zwar nicht kündbar. Aber für ihr 45-jähriges Wohnrecht im Atlantis-Club konnten sie noch rechtzeitig von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch machen.

*) Name von der Redaktion geändert.

Dieser Artikel ist hilfreich. 709 Nutzer finden das hilfreich.