Tier­wohl Meldung

Ein staatliches Label für bessere Tierhaltung soll kommen – wann, ist aber noch unklar. Derweil prescht die Branche mit neuen Siegeln vor. Discounter Lidl hat eines einge­führt, die „Initiative Tier­wohl“ ein anderes. test.de fasst zusammen, was die neuen Siegel versprechen und welche anderen etablierten Siegel es noch gibt.

Den Deutschen ist das Tier­wohl wichtig

Wie viel Platz hatte das Huhn? Durfte das Schwein seinen Spiel­trieb ausleben? Hatte es Auslauf im Freien? Unter welchen Umständen Nutztiere leben, bevor sie als Wurst und Fleisch auf dem Teller landen, interes­siert viele Deutsche. 85 Prozent möchten bei tierischen Produkten Angaben zu den Haltungs­bedingungen, 79 Prozent wünschen sich ein staatliches Tier­wohl­label. Das geht aus dem Ernährungsreport 2018 hervor, für den das Bundes­ministerium für Ernährung und Land­wirt­schaft (BMEL) eine repräsentative Befragung durch­führte.

Das plant die Regierung

Schon im vergangenen Jahr hatte der ehemalige Bundes­minister Christian Schmidt (CSU) das Label angekündigt. Nun will seine Nach­folgerin Julia Klöckner (CDU) es einführen – wann, ist noch nicht klar. Im aktuellen Koalitions­vertrag steht nur, dass die Regierung „bis zur Mitte der Legislatur­periode die recht­lichen und organisatorischen Voraus­setzungen“ schaffen wird. Laut Klöckner sollen sich Verbraucher künftig „bewusst dafür entscheiden können, zu den Waren zu greifen, die aus Ställen mit mehr Tier­wohl kommen“ und auch entscheiden, „was ihnen Tier­wohl auch im Preis wert ist“.

Freiwil­liges Label mit zwei Stufen

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So soll das geplante staatliche Tier­wohl-Label aussehen.

Das Label soll zunächst auf Schweine- und Geflügel­fleisch­produkte beschränkt sein, die Teil­nahme am Label-Programm wird für die Produzenten freiwil­lig sein. Es soll zwei Stufen geben:

Eingangs­stufe. Die Kriterien der Eingangs­stufe sollen über dem gesetzlichen Mindest­stan­dard liegen. Mast­schweine hätten zum Beispiel ein Drittel mehr Platz im Stall und Sauen dürften nur noch vier Tage statt vier Wochen zum Decken im engen Kastenstand unterge­bracht sein.

Premi­umstufe. In der „Premi­umstufe“ wäre das Platz­angebot mindestens 70 Prozent größer im Vergleich zum gesetzlichen Mindest­stan­dard. Sauen dürften etwa bei der Geburt der Ferkel nicht mehr fixiert sein.

Kritiker bewerten die Kriterien als zu lasch

Weitere Kriterien regeln zudem, wie der Boden im Stall beschaffen sein muss oder wie lange Tiere trans­portiert werden dürfen. Laut Landwirtschaftsministerium müssen Verbraucher für Fleisch, das den Kriterien der Eingangs­stufe entspricht, mit einem Preis­aufschlag von etwa 20 Prozent rechnen. Kritiker wie der Bund Ökologische Lebens­mittel­wirt­schaft (BÖLW) und Tier­schutz­verbände bewerten die Kriterien als zu lasch und fordern eine verpflichtende staatliche Haltungs­kenn­zeichnung.

Anderes Label von der „Initiative Tier­wohl“

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Nicht zu verwechseln ist das geplante staatliche Label mit dem der Initiative Tierwohl. Dieser Zusam­menschluss von Handel, Fleisch- und Land­wirt­schaft unterstützt Land­wirte finanziell dabei, wenn sie Maßnahmen zum Wohl von Mast­schweinen, Hähn­chen und Puten umsetzen, die über die gesetzlichen Stan­dards hinaus­gehen. Laut der Initiative nehmen mitt­lerweile rund 6 200 geflügel- und schweinehaltende Betriebe mit über 570 Millionen Tieren teil. Bis April 2018 konnten Verbraucher im Supermarkt und im Discounter nicht erkennen, ob es sich um Fleisch aus diesen Betrieben handelt. Nun hat die Initiative Tier­wohl ein Siegel einge­führt, das zunächst unver­arbeitetes Geflügel­fleisch von den teilnehmenden Betrieben kenn­zeichnen soll. Die Kriterien der Brancheninitiative liegen über den gesetzlichen Stan­dards, aber weit unter den Ansprüchen für Bio-Fleisch. Es gibt bestimmte Grundan­forderungen und Pflicht­kriterien, die jeder Tierhalter umsetzen muss – etwa die Teil­nahme an einem Über­wachungs­programm zum Antibiotika­einsatz. Außerdem können Betriebe, die Schweine halten, zusätzliche Wahl­kriterien wählen.

Lidl hat ein eigenes System gestartet

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Die vier Stufen des Systems von Discounter Lidl.

Ebenfalls Anfang April 201 8 hat der Discounter Lidl ein eigenes Kenn­zeichnungs­system für frisches Fleisch seiner Eigenmarken von Schwein, Rind, Pute und Hähn­chen gestartet: Der „Lidl-Haltungs­kompass“ reicht von Stufe 1 „Stall­haltung“, die den gesetzlichen Rege­lungen entspricht, bis Stufe 4 für Bio-Fleisch. Die Kriterien bei Lidl für die jeweiligen Stufen sind genau definiert. So soll in der Stufe 2 „Stall­haltung Plus“ Tieren mehr Platz sowie Beschäftigungs­material gewährt werden. In der Stufe 3 – genannt „Außenklima“ – sollen Tiere zudem gentechnikfrei gefüttert werden und Zugang zu Außenklima­bereichen haben. Das sind über­dachte Anbauten an den Stall, die über offene Seiten mit luft­durch­lässigem Material wie etwa Maschendraht verfügen. Stufe 4 „Bio“entspricht den gesetzlichen Bestimmungen für Bio-Fleisch, die etwa Vorgaben zum Platz­angebot, Futter oder Auslauf machen.

Eine Flut an Fleisch-Siegeln

Die Verbraucherzentralen und der Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land (BUND) fürchten, dass die neuen Fleisch-Logos Verbraucher verwirren könnten. Neben dem EU-Biosiegel, dem Neuland-Logo und dem Tier­schutz­label des Deutschen Tier­schutz­bundes gibt es noch die Labels der Öko-Anbau­verbände Demeter, Bioland und Natur­land sowie das Label „Tier­schutz-kontrolliert“ der privaten Stiftung „Vier Pfoten“. Hier finden Sie Informationen zu den wichtigsten Labels:

EU-Biosiegel – das grüne Blatt

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Dieses Siegel muss seit 2012 auf allen Bio-Lebens­mitteln stehen, die in der EU gehandelt werden – auch auf Fleisch und Wurst. In den EU-Vorschriften für den ökologischen Land­bau sind strenge Kriterien zum Thema Tier­schutz fest­gelegt. Sie umfassen die Herkunft der Tiere, die verwendeten Futtermittel, die Krank­heits­vorsorge und die tier­ärzt­liche Behand­lung sowie Vorschriften zur Reinigung der Ställe. Artgerechte Tierhaltung ist das Leit­bild im ökologischen Landbau.

Tipp: Unsere Nach­haltig­keits­test zeigen, dass sich Bioanbieter oft stark für den Tier­schutz einsetzen. Für Tierfreunde ist daher Biofleisch im Vergleich zu konventioneller Ware die bessere Wahl.

Das Neuland-Logo

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Neuland ist ein Verein, der 1988 gegründet wurde. Land­wirte, die ihre Tiere nach den Neuland-Richtlinien halten, produzieren kein bio-zertifiziertes Fleisch. Sie legen aber Wert auf eine besonders artgerechte Tierhaltung. Träger von Neuland sind der Deutsche Tier­schutz­bund, der Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land (BUND) sowie die Arbeits­gemeinschaft bäuerliche Land­wirt­schaft.

Tier­schutz­label des Deutschen Tier­schutz­bunds

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Das Tierschutzlabel gibt Verbrauchern seit Januar 2013 die Möglich­keit, Schweine- und Geflügel­fleisch aus tiergerechter Produktion zu erkennen. 2016 wurde das Programm auf Legehennen und 2017 auf Milchkühe erweitert, es sind also auch Eier und Milch mit dem Tier­schutz­label erhältlich. Es gibt das Label in der Einstiegs­stufe mit einem Stern­chen sowie die strengere Premi­umstufe mit zwei Stern­chen. Träger ist der Deutsche Tier­schutz­bund.

Informations­portal mit Über­sicht

Wer sich für Details interes­siert und die Kriterien der etablierten Label vergleichen möchten, findet eine übersichtliche Tabelle beim Informations­portal „Tier­wohl stärken“ des Bundes­ministeriums für Ernährung und Land­wirt­schaft.

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