Tierkranken­versicherung Test

Es gibt wenige Tarife – keiner über­zeugt völlig. Wer sich gegen hohe Arzt­kosten absichern will, sollte auf ausreichende Deckung achten.

Der Gang zum Tier­arzt ist für Tierhalter längst Normalität: Knapp 70 Prozent der Katzen- und fast 90 Prozent der Hundehalter gehen mindestens einmal im Jahr dorthin – meist zu Routine­unter­suchungen oder wegen kleiner Leiden. Sieg­fried Heinemann, Tier­arzt in einer Berliner Kleintierpraxis: „Bei jungen Tieren sind es oft Durch­fall und Erbrechen. Im Alter kommen bei Katzen meist chro­nische Nieren­probleme, bei Hunden Knochenleiden hinzu.“

Tier­ärzte rechnen nach der Gebühren­ordnung für Tier­ärzte (GOT) ab. Die meisten Leistungen werden mit ein- bis zweifachem Gebühren­satz abge­rechnet, aufwendige Operationen auch mit dreifachem Satz.

Operationen oft teuer

Im Schnitt liegen die Kosten für jähr­liche Routine­unter­suchungen für Hunde bei bis zu 200 Euro und für Katzen bis zu 120 Euro. Steht ein Klinik­aufenthalt oder eine OP an, können die Ausgaben stark steigen. Teuer wird es vor allem, wenn Diagnose­verfahren wie MRT genutzt werden und das Tier narkotisiert wird. Schnell kommen so allein für die Vorunter­suchung 750 Euro zusammen.

Um die Kosten für teure Unter­suchungen und auch Operationen im Griff zu haben, über­legen Tierhalter oft, eine Kranken­versicherung für ihr Haustier abzu­schließen.

Finanztest hat sich die Angebote für Hunde und Katzen angeschaut. Ergebnis: Die Verträge sind teuer und kompliziert. Unterschiedliche Leistungen und finanzielle Ober­grenzen machen einen Vergleich schwierig. Einen güns­tigen Tarif für alle Fälle gibt es nicht. Tierhalter sollten sich deshalb – möglichst bald, nachdem das Jung­tier zu ihnen kommt – über­legen, ob sie hohe Ausgaben auf einen Schlag schultern könnten. Die kommen auf sie zu, wenn ihr Tier schwer erkrankt oder verunglückt. Oder sie entscheiden sich, auf Nummer sicher zu gehen und vergleichs­weise hohe Jahres­beiträge für einen Schutz zu zahlen.

OP- oder Voll­kosten­schutz?

Tierkranken­versicherung Test

Geringe Verletzungs­gefahr: Hauskatzen kosten in der Voll­versicherung weniger.

Der Finanztest-Vergleich zeigt: Es gibt fünf Versicherer, die für Hund und Katze zwei Tarif­arten anbieten: den Operations­kosten­schutz und den teureren Krankenvoll­schutz. Hohe OP-Kosten sichern beide ab. Bei den Voll­tarifen werden zudem Heilbe­hand­lungen und einge­schränkt die Vorsorge wie etwa Impfungen über­nommen.

Beispiel: Ein güns­tiges Angebot für einen mittel­großen Misch­lings­hund ist der Tarif OP-Kosten­schutz 24 der Agila für 143 Euro im Jahr – jedoch nur mit einer Deckung bis 1 500 Euro. Unbe­grenzten Schutz bietet dagegen der OP-Kosten­schutz Exklusiv desselben Anbieters für jähr­lich 263 Euro. In der Voll­versicherung kostet der unbe­grenzte Schutz für Heilbe­hand­lungen bei der Helvetia im Petcare Komfort 515 Euro im Jahr.

Tier möglichst jung versichern

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Ein Herz und eine Seele: Hündin Millie kam über eine Tier­schutz­organisation aus Portugal zu Mia Massoud. Das Tier hat eine Erbkrankheit und erblindet.

Eine Kranken­versicherung für ihre Hündin Millie, die viel draußen tobt, sucht auch Mia Massoud. Die Berlinerin hat außerdem die Katzen Mizou und Kater: „Sie leben in der Wohnung und das Verletzungs­risiko ist hier nicht sehr groß. Deshalb habe mich auch gegen eine Versicherung entschieden.“ Für die fünf­jährige Millie hätte sie aber gerne einen Vertrag. Wegen einer Augen­krankheit wird die Hündin erblinden. Dann ist sie auf der Straße noch unfall­gefähr­deter.

Einen Vertrag zu bekommen, dürfte jedoch schwierig sein. Bei Vorerkrankungen behalten sich Anbieter vor, einen höheren Beitrag zu verlangen, die Augen­erkrankung aus dem Vertrag auszuschließen oder ein Tier abzu­lehnen. Schwieriger und je nach Anbieter teurer ist es auch, ein älteres Tier zu versichern. Halter sollten ihre Tiere deshalb jung versichern, wenn sie in der Regel noch gesund sind.

Selbst­beteiligung einkalkulieren

Eine Selbst­beteiligung an der Rechnung von meist 20 Prozent verlangen alle Anbieter von Voll­versicherungen. Bei den OP-Versicherungen verzichten die zwei teureren Tarife der Agila darauf.

Interes­sant: In den Voll­versicherungen sind die OP-Leistungen höher. Zum Beispiel erstattet die Allianz im Grund­schutz beim OP-Kosten­schutz bis zu 4 000 Euro im Jahr. Im Voll­tarif Sicherheit Plus über­nimmt sie dagegen bis zu 9 000 Euro.

Auf vollen OP-Kosten­schutz achten

Üblicher­weise decken Operations­kosten­tarife Ausgaben für Diagnostik, den chirurgischen Eingriff und Nach­sorge im Versicherungs­fall – nicht jedoch der Petplan OP-Kosten­schutz. Der Anbieter Tier­garant über­nimmt die Kosten für den medizi­nischen Eingriff und die Nach­sorge, nicht aber für die Diagnostik mit bild­gebenden Verfahren wie etwa dem Röntgen.

Wenig Vorsorge bei Voll­tarifen

Was Halter wissen sollten: Übliche Behand­lungen bei Hunden und Katzen im höheren Alter sind die Zahn­stein- und die Zahn­entfernung. Beides wird nur unter Narkose durch­geführt. Die Zahn­stein­entfernung ist jedoch keine chirurgische Maßnahme und wird nicht von der OP-Kosten­versicherung über­nommen. Bezu­schusst wird sie von einigen Voll­schutz­tarifen wie vom Petcare Komfort Tarif der Helvetia mit 70 Euro im Jahr. Allerdings darf es dann keine weiteren Vorsorgebehand­lungen wie eine Wurmkur geben. Werden diese Ausgaben doch notwendig, müssen Halter sie aus eigener Tasche bezahlen.

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