Ob der Hund beißt oder das Pferd tritt - ihre Halter haften für die Schäden. Welche Tierhalter-Haftpflichtversicherung sie wirksam vor Forderungen schützt, zeigt unser Test.

Ein Huf vorwärts und Hengst Sam stand auf dem Schwanz des Hofhundes. Großes Gejaule des kleinen Vierbeiners, der Schwanz musste genäht werden. Pferdebesitzerin Verena Holtmann aus Dormagen musste dafür aufkommen. Die Tierarztrechnung von 100 Euro übernahm ­ihre Versicherung.

Als erfahrene Reiterin weiß Verena Holtmann, was der Schutz der Tierhalter-Haftpflichtversicherung wert ist. Schließlich haftet sie für alles, was Sam anrichtet.

In diesem Fall hielten sich die Kosten in Grenzen. Wäre Sam jedoch ausgebrochen und schuld an einem schweren Verkehrsunfall, hätte der Schaden sie ohne Versicherungsschutz wohl ruinieren können.

Auch Halter von Hunden und Wildtieren leben gefährlich. Denn nur Schäden durch Kleintiere wie Katzen, Meerschweinchen oder Vögel sind über die ­private Haftpflichtversicherung gedeckt. Deshalb ist eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung für Pferde- und Hundehalter genauso wichtig wie eine Privathaftpflichtpolice, die jeder braucht.

Finanztest empfiehlt eine Mindestdeckung von drei Millionen Euro. Die Beiträge dafür sind erschwinglich.

75 Euro im Jahr kostet der Schutz für einen Hund bei der Axa und 77 Euro bei der Gegenseitigkeit. Besitzer von Pitbull-Terriern müssen tiefer in die Tasche greifen, 122 Euro verlangt die Condor.

Für Pferdehalter wird es teurer. Günstig ist der Beitrag von 104 Euro bei der VHV.

Senioren und Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes geben viele Versicherer ­Rabatte. Wer mehr als ein Tier versichert, bekommt oft ebenfalls Nachlass.

Die genannten Versicherer bezahlen auch dann, wenn der Tierhalter gegen seine Pflichten verstoßen hat und zum Beispiel seinen Hund trotz Leinenzwang frei laufen ließ. Das passiert schnell, denn die individuellen Regelungen in vielen Städten und Gemeinden, wann ein Hund mit Maulkorb und Leine laufen muss, sind mehr als unübersichtlich.

Auch für Pferdehalter wie Verena Holtmann ist diese Leistung wichtig. Nur so ist sie abgesichert, wenn Sam ausbricht, weil der Zaun nicht in Ordnung ist, oder wenn ihn jemand unachtsam ohne Trense reitet, das Gebissstück im Zaumzeug. Damit hätte die Tierhalterin ihre Pflichten verletzt.

Doch nicht alle Tarife bieten gleichermaßen Schutz bei Verstoß gegen Halterpflichten. Das Angebot der SHB können wir daher nicht empfehlen, obwohl es mit 75 Euro für Hunde und 107 Euro für Pferde günstig ist. Bei der Nürnberger fehlt der Schutz im Pferde-Tarif für 89 Euro.

Natürlich dürfen auch Tierhalter mit ­einem empfehlenswerten Tarif nicht mutwillig gegen Vorschriften verstoßen. Bei Vorsatz zahlen die Versicherer nicht.

Tierhalter und Tierhüter versichert

Geht das Nachbarskind ab und zu mit dem Hund Gassi, ist es in der Police als Tierhüter mit versichert. Oft wird das Kind sogar doppelt versichert sein, wenn auch die Private Haftpflichtversicherung seiner Eltern das Hüten von Tieren einschließt.

Innerhalb einer Familie gibt es ebenfalls kein Problem, denn auch Angehörige sind über die Tierhalter-Haftpflichtversicherung als Tierhüter geschützt. Werden sie jedoch selbst durch das Tier verletzt, können sie keine Ansprüche geltend machen.

Schwieriger ist die Lage bei Pferden. Wer ab und zu andere auf seinem Pferd reiten lässt, sollte darauf achten, dass seine Versicherung das Fremdreiterrisiko trägt.

Einige Anbieter wie DEVK, Volkswohlbund und VPV kommen aber nur für die Schäden an Dritten auf. Fällt der fremde Reiter vom Pferd und verletzt sich, geht er bei ihnen leer aus.

Da die Haltung eines Pferdes ein teurer Spaß ist, sind Reitbeteiligungen beliebt. Solange jemand nur regelmäßig den Stall ausmistet und dafür kostenlos reiten darf, wird er von den Versicherern meist als Fremdreiter abgesichert. Sobald er sich aber an den Kosten beteiligt und Rechte und Pflichten wie ein Halter hat, gilt er als Mithalter und sollte im Vertrag des Halters mit Namen genannt werden. Sonst läuft der Reitbeteiligte Gefahr, dass die Versicherung nicht zahlt und er selbst zur ­Kasse gebeten wird, wenn das Pferd unter seiner Obhut einen Schaden anrichtet.

Einen Nachteil hat der Mithalter dann aber: Er kann keine Ansprüche stellen, wenn er selbst verletzt wird.

Verena Holtmann hat auch für andere Fälle vorgesorgt und darauf geachtet, dass in ihrem Vertrag Deckschäden eingeschlossen sind. Schließlich könnte Sam Gefallen an einer preisgekrönten Trakehnerstute finden und sie schwängern. Die Kosten für den Zuchtausfall oder Verletzungen bezahlt dann ihre Versicherung.

Auch beim Reiturlaub in Dänemark bietet ihre Police Schutz. Die meisten Anbieter versichern Auslandsaufenthalte in der Europäischen Union für mindestens drei Jahre, in anderen Regionen für ein Jahr.

Pflicht in Berlin und Hamburg

Die private Absicherung für Pferdehalter ist freiwillig, nur ein Drittel der etwa eine Million Pferde in Deutschland ist versichert. Immerhin gibt es aber schon für 70 Prozent der fünf Millionen Hunde eine Police, schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Der Anteil der versicherten Hunde wächst, denn für ihre Halter wird die ­Versicherung immer häufiger zur Pflicht. Damit reagieren Gemeinden auf schlimme Attacken von Hunden, bei denen Menschen schwer verletzt wurden oder starben. Nicht nur Kampfhunde waren daran beteiligt, sondern auch die deutlich verbreiteteren Schäferhunde, Rottweiler und Dobermänner.

Bislang ist die Tierhalter-Haftpflichtversicherung nur in Hamburg und Berlin für alle Hundehalter Pflicht, in anderen Bundesländern ist sie noch auf gefährliche Hunde beschränkt. In der Hauptstadt müssen bereits alle seit dem 1. Januar 2005 neu angeschafften Hunde versichert sein, für alle anderen gilt eine Übergangsfrist bis zum 1. Januar 2010.

Doch bei der Haftung gibt es nirgends eine Schonfrist. Sie gilt für alle Hunde­halter überall.

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