Der Halter eines Tieres muss für Schäden haften, die durch sein Tier entstehen – und zwar unabhängig davon, ob er in Reich­weite des Tieres ist und das Verhalten beein­flussen kann oder nicht. Das hat das Ober­landes­gericht Celle entschieden und eine Hundehalterin zur Zahlung von Schadens­ersatz und Schmerzens­geld an einen Tier­arzt verurteilt (Az. 20 U 38/11).

Schwere Verletzung durch Hundebiss

Die Hundehalterin hatte ihren Schäferhund für eine stationäre Behand­lung in die Obhut des Tier­arztes gegeben. Als der Hund dort aus einer Narkose aufwachte, biss er den Tier­arzt in die rechte Hand. Der Biss führte zu schweren Verletzungen. Der Tier­arzt fürchtete, seine tierchirurgische Arbeit nicht mehr ausüben zu können und verklagte die Hundehalterin auf Schadens­ersatz und Schmerzens­geld im sechs­stel­ligen Bereich.

Hundehalterin muss haften, obwohl sie nicht anwesend war

Die Hundehalterin lehnte die Forderungen des Tier­arztes ab. Sie habe keine Möglich­keit gehabt auf den Hund einzuwirken, weil dieser sich in der Obhut des Arztes befand und sie zum Zeit­punkt des Bisses gar nicht anwesend war. Dieser Argumentation folgte das Ober­landes­gericht aber nicht. Die Richter entschieden, dass ein Tierhalter für die Gefahr, die von seinem Tier ausgeht, jeder­zeit haft­bar zu machen ist: Die Haftung des Tierhalters bestehe unabhängig von seiner Einfluss­nahme. Sie könne höchs­tens beschränkt werden, wenn ein Dritter oder der Geschädigte selbst durch inadäquates Verhalten zu einer Verletzung beiträgt. Die Hundehalterin hat gegen das Urteil eine Nicht­zulassungs­beschwerde beim Bundes­gerichts­hof in Karls­ruhe einge­legt.

Tierhalter-Haft­pflicht­police ein Muss für Hunde­besitzer

Das Urteil des Ober­landes­gerichts Celle zeigt einmal mehr, wie wichtig eine Tierhalter-Haft­pflicht­versicherung gerade für Besitzer von Hunden ist. In den meisten Bundes­ländern sind Hundehalter sogar gesetzlich zum Abschluss einer Hundehalter-Haft­pflicht­versicherung verpflichtet. Sie riskieren ein Bußgeld von bis zu 10 000 Euro, wenn sie keine Police vorweisen können. Finanztest hat 56 Tarife einer Hundehalter-Haft­pflicht­versicherung untersucht und dabei erhebliche Preis- und Leistungs­unterschiede fest­gestellt: Test Hundehalter-Haftpflichtversicherung (01/2011). Den güns­tigsten Schutz gibt es bereits für 58 Euro im Jahr.

Für Kleintiere reicht Private Haft­pflicht

Für Haustiere wie Katzen, Meer­schweinchen oder Kanin­chen, brauchen Tierfreunde keine spezielle Police. Die Risiken, die von Kleintieren ausgehen, sind in der Regel durch eine Private Haftpflichtversicherung abge­deckt. Gute Tarife einer Privathaft­pflicht­police schützen übrigens auch diejenigen, die vorüber­gehend auf fremde Hunde oder Pferde aufpassen. Alle „guten“ und „sehr guten“ Tarife aus dem aktuellen Test Privathaftpflichtversicherung bieten diese Leistung.

Ober­landes­gericht Celle, Urteil vom 11. Juni 2012, nicht rechts­kräftig
Aktenzeichen: 20 U 38/11

Dieser Artikel ist hilfreich. 125 Nutzer finden das hilfreich.