Einfacher gehts nicht: Packung auf und ab in den Ofen. Die Tiefkühlpizza hat eine steile Karriere gemacht. Ein Gourmetgenuss ist der Klassiker aus der Kälte allerdings nicht. Dafür aber meist reichlich fett. Wir haben 18 Pizzen getestet. Nur 3 sind „gut“.

Die Pizza Speciale ist des Deutschen zweitliebste Pizza. Nach Pizza Salami (siehe test 2/2000) wird sie am meisten gekauft. Was aber macht sie speziell? Außer mit Käse, Tomaten und Salami ist sie mit Schinken und Pilzen belegt, gelegentlich dazu Peperoniwurst, selten mal Peperoni­schoten oder Brokkoli. „Unwiderstehlich“, „wie in der Pizzeria“, schwärmt die Werbung für Dr. Oetker Ristorante. Und tatsächlich könnte einem das Wasser im Mund zusammenlaufen, wenn eine Pizza frisch aus dem Ofen kommt: mit knusprigem Boden, luftigem Rand, mit geschmolzenem, leicht gebräuntem Käse, dem Geruch nach Hefeteig, Tomaten, Kräutern, Salami und Käse.

Davon kann aber bei vielen Pizzen nicht die Rede sein. Experten haben 18 Pizzen Speciale verkostet, Teig und Belag ausge­wogen, die Inhaltsstoffe untersucht und den Nährwert berechnet. Vor allem aus sensorischen Gründen schnitt jede zweite Pizza im Test „befriedigend“ ab, sechs nur „ausrei­chend“, gerade mal drei erreichten „gut“. Sensorik ist dabei mehr als der Geschmack auf der Zunge, sie betrifft auch Geruch und Aussehen.

Wir haben die Pizzen nach Her­stel­ler­an­gabe zubereitet, in der Regel im vorgeheizten Ofen etwa zwölf Minuten bei rund 220 Grad Ober- und Unterhitze gebacken. Das empfehlen meist auch die Hersteller anstelle von Umluft.

Boden: Oft hart statt knusprig

Ein Ärgernis sind häufig schon die Pizza­bö­den, die meist vorgebacken sind. Im schlimmsten Fall sah die Unterseite schon beim Auspacken verbrannt aus, zubereitet schmeckte das Ganze bei Netto Mamma Gina brandig. Nicht selten warfen die Böden große Blasen, auf denen allenfalls noch Tomatensoße haften blieb. Nach dem Backen waren die Böden oft trocken und hart statt knusprig. Das „Kunststück“ der Eismann-Pizza: ein teigig-klebriger Boden mit harter Unterseite.

Rohteig: Nicht besser

Da liegt es nahe, auf rohen Teig zu setzen. Optimal ist das Backergebnis aber auch hier nicht. Möglicherweise, weil es nicht Hefeteig pur ist, sondern auch Zusatzstoffe wie Backpulver enthalten sind. Die Rohteigpizza von Dr. Oetker heimste zwar ein knappes „Gut“ bei der Sensorik ein, doch Fehler fanden die Sensoriker ausgerechnet wieder beim Boden. Bei der zweiten Rohteigpizza, der Freschetta, enthielt die Unterseite des Bodens un­typischerweise Grieß und kam richtig hart aus dem Ofen.

Geschmack: Mängel

Die Kombi­nation von Käse, Tomaten, Pilzen und Salami als Belag bietet beste geschmackliche Vor­aus­setzungen. All diese Zutaten enthalten natürliches Glutamat, was das Ganze „umami“ macht. Umami heißt so viel wie köstlich-würzig und gilt als der fünfte Geschmack (neben süß, salzig, bitter, sauer). Glutamat intensiviert den Eigengeschmack der Zutaten – so wie auch Fett als Aromaträger.

Umso erstaunlicher, was unsere Sensoriker alles bemängelten. Einen säuerlichen Geschmack beim Schinken (Aldi Süd), bei Schinken und Pilzen (Netto Mamma Gina) oder der Pizza insgesamt (Kaufland). Weitere Kritikpunkte: untypische Würze und Champignons in glibbri­ger Marinade (Eismann), trockener und zäher Belag (Plus), wässri­ge Pilze (Rewe und Lidl). „Premium Quality“ verspricht Lidl auf der Packung. Dem wird die Pizza aber nicht gerecht, zumal sie nach dem Backen einen we­nig appetitlichen Fett- und Wasser­ab­satz zeigte, was im Test aber auch bei anderen nicht selten war.

Von den Pizzen mit vorgebackenem Boden schnitten nur zwei sensorisch „gut“ ab, die Dr. Oetker Ristorante und die Wagner-Pizza, beides Markenprodukte und mit etwas über zwei Euro pro Stück nicht aus der Billigliga, wo man nur etwa die Hälfte zahlt. Das dritte und letzte „Gut“ in der sensorischen Fehlerfreiheit ging an die Rohteigpizza von Dr. Oetker.

Wurst und Schinken: In Ordnung

Meist werden die Böden automatisch belegt, aber nicht immer zielgenau. Gelegentlich war der Belag so stark verrutscht, dass ein zu breiter Rand freiblieb (siehe Foto links). Oder die Pilze konzentrierten sich auf der einen Hälfte, die Salami auf der anderen. Der Käse war auch nicht immer gleichmäßig verteilt. Und bei Rigano von Aldi (Süd) zeigt die Verpackung sehr viel mehr Käse als die Pizza selbst.

Eine Pizza wiegt meist 350 bis 380 Gramm mit durchschnittlich 40 bis 50 Gramm Schinken und Wurst. Die Zutatenliste auf der Packung gibt genaueren Aufschluss, allerdings nicht in Gramm, sondern in Prozent. Beispiele: Salami (meist 5 bis 10 Prozent), Schinken (2 bis 6 Prozent), Champignons (4 bis 7 Prozent). Diese Angaben stimmen im Großen und Ganzen auch, die Mengen liegen eher noch ein wenig darüber. Und was Schinken und Salami angeht, so ist die Qualität „gut“, manchmal sogar besonders gut wie die Salami bei Dr. Oetker, die Peperoniwurst bei bofrost, Eismann und Wagner.

Ohne Käse geht es bei einer Pizza nicht. Der Käseanteil liegt zwischen 9 und 17 Prozent, je nach Gewicht macht das etwa 35 bis 60 Gramm. Am wenigsten Käse fand sich auf der Freschetta und dann natürlich, um Fett zu sparen, bei den beiden fettreduzierten Pizzen. Meist handelte es sich um Edamer, manchmal auch um Mozzarella, bei der Eismann-Pizza war sogar Schmelzkäse dabei.

Der größte Anteil des Belags besteht aber aus Tomaten, und zwar zwischen 20 und 40 Prozent. Man findet sie zerkleinert, püriert und/oder als Tomatenmark. Und das ist gut so, denn Tomaten enthalten – wie anderes rotes und orangefarbenes Gemüse auch – viel Lykopin. Diese gesunden sekundären Pflanzenstoffe nimmt der Körper besonders gut auf, wenn sie aus zerkleinerten und erhitzten Gemüsebestandteilen kommen.

Salz und Fett: Reichlich

Weniger erfreulich ist der Salzgehalt. Er ist durchweg hoch. Die Mengen bewegen sich oft in der Nähe der Tagesempfehlung für einen Erwachsenen – sie liegt bei 6 Gramm. Elf Pizzen überschreiten den Wert sogar. Wer Salz meiden möchte oder muss, sollte darauf achten und nicht allzu großzügig zulangen (siehe Tabelle). Zurückhaltung ist meist auch wegen des Fettgehalts ratsam. Schwergewichte im Test sind die Dr. Oetker Ristorante und die bofrost Bellissima. Beide enthalten fast 45 Gramm Fett und haben 890 beziehungsweise 1 044 Kilo­kalorien. Selbst als Hauptmahlzeit für einen Mann ist das zu viel. Die Dr. Oetker Ristorante schmeckt zwar, doch während andere Pizzen meist auf 8 bis 9 Prozent Fett kommen, bringt sie es auf mehr als 12 Prozent. Auch die Original Wagner Steinofen-Pizza Speciale hat mit ihren 11 Prozent einen hohen Fettanteil.

Auch aus einem anderen Grund ist das Fett nicht besonders günstig. Der hat mit der Auflage zu tun: Salami und Käse sind nun mal reich an ungünstigen gesättigten Fettsäuren. Davon hat man mit einer Pizza schon etwa die Hälfte dessen verspeist, was pro Tag ratsam wäre. Besonders ungünstig sind Transfettsäuren. Von denen gab es bei bei den Pizzen aber relativ wenig – mit Ausnahme der Freschetta Rohteigpizza. Sie allein enthält schon mehr Transfettsäuren, als eine Frau an einem ganzen Tag zu sich nehmen sollte.

Fettarm: Schmeckt fade

Wer sich bewusst ernährt und Fett meidet, dem bieten sich fettreduzierte Pizzen an. Sind sie wirklich eine Alternative? Die beiden im Test haben zwar nur etwa halb so viel Fett wie die Schwergewichte, ein Geschmackserlebnis sind sie aber nicht. Die fettreduzierte von Dr. Oetker (Ristorante Pizza Speciale –50 % Fett) schmeckt leicht fade – obwohl der Hersteller mit Aromastoffen nachgeholfen hat –, die Norma nimm’s leicht schmeckt sogar sehr fade. Ein Wunder ist das nicht, denn Fett ist ein Aromaträger. Mit weniger Fett sinken die Entfaltungsmöglichkeiten der Aromen.

50 Prozent weniger Fett stimmt für die Pizza von Dr. Oetker im Übrigen auch nur im Vergleich zur fettreichen Normalversion mit mehr als 12 Prozent Fett. Und der Kaloriengehalt ist bei der fettreduzierten Ristorante bei weitem nicht halbiert: knapp 700 statt 890 Kilokalorien.

Kaloriengehalt: Oft zu hoch

Pizza aus der Gefriertruhe ist unschlagbar praktisch. Schon deshalb dient sie immer wieder als fixe Mahlzeit für den Nachwuchs nach der Schule oder am Familientisch. Wir haben den Kaloriengehalt berechnet und ihn am Bedarf von Erwachsenen und Jugendlichen zwischen 13 und 15 Jahren gemessen. Wir waren aber großzügig und haben einen etwas höheren Kalo­rienge­halt to­leriert. Dass Pizza mit Käse und Salami keine Schlankheitskost ist, weiß schließlich jeder. Und wir sind bei
der Kalorienbewertung nicht einmal davon ausge­gan­­gen, dass man noch einen Salat samt Dressing dazu isst.

Aber selbst so ergibt sich für den Durchschnittsbürger, der sich nicht allzuviel bewegt: Eine Pizza als Hauptmahlzeit ist kalorisch betrachtet bestenfalls für das starke Geschlecht akzeptabel (grüner Punkt in der Tabelle). Für Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren kämen sogar nur drei Pizzen infrage: Alberto und die beiden fettreduzierten.

Männer verbrauchen nun mal mehr Kalorien als Frauen. Das heißt hier: Die Pizzen im Test wären für Frauen und Mädchen allenfalls akzeptabel, wenn sie eine Zwischenmahlzeit streichen (gelber Punkt).

Figurbewusste: Die Pizza halbieren

Eine Kalorienbombe ist die bofrost Bellissima, obwohl ihr Fettgehalt mit 9,4 Prozent gar nicht mal extrem hoch ist. Doch diese Pizza ist besonders groß. Die Portionsgrö­ße muss man mitbe­rechnen, denn der Mensch neigt dazu aufzuessen, was ihm auf den Teller kommt. Bei der bofrost Bellissima wären das über 1 000 Kilo­kalorien.

Das Fettdi­lemma könn­ten figurbewus­ste Pizzaliebhaberinnen so lösen: Sie essen nur eine halbe Pizza der normalen, fettreicheren Art. Die schmeckt besser als die fettreduzierte und kommt mit einem Salat als vitaminreiche Ergänzung auf rund 600 Kilokalorien – so viel wie einer Frau durchschnittlich für eine Hauptmahl­zeit zustehen.

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