Unternehmens-Verantwortung: Verträglich für Mensch und Tier?

Tiefkühllachs Test

Für ein Kilo Lachs werden vier Kilo Wildfisch zu Futter verarbeitet.

In der Lachsproduktion ist Tierschutz ein Muss. Wir haben außerdem geprüft, was Anbieter und Hersteller für Umwelt und Beschäftigte tun.

Wilder Lachs ist ein Globetrotter: Nicht nur sein Leben ist eine Wanderung zwischen Süßwas­ser und Meer, auch Fang und Verar­beitung finden heute längst nicht mehr an einem Ort statt. Er ist Teil eines internationalen Geschäfts. Ein Beispiel: Wildlachs wird in Alaska gefangen, verarbeitet in China, angeboten in Deutschland. Wo beginnt eigentlich wessen Verantwortung für die Menschen, die in der Fischerei beschäftigt sind, die Tiere und die Umwelt?

Nachgefragt und geprüft

Für den einzelnen Verbraucher ist der Produktionsprozess von Lachsfilets kaum nachvollziehbar. Deshalb haben wir nicht nur ihre Qualität geprüft, sondern wollten auch wissen, ob Anbieter und Hersteller ihre Lieferanten und deren Produktionspraxis lückenlos kennen und ob sie dabei ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung gerecht werden.

In ausführlichen Fragebögen konnten Anbieter und Hersteller ihre Unternehmenspolitik erklären und einzelne Produktionsschritte transparent machen. Dazu gehören zum Beispiel: ihr Engagement für eine nachhaltige Fischerei, Qualität und Herkunft des Fischfutters, artgerechte Zucht und Tötung, kurze Transportwege und die Arbeitsbedingungen der Belegschaft. Darüber hinaus wollten wir wissen, ob diese Angaben belegt werden können, und haben auch Inspektoren vor Ort geschickt. Eine fingierte Kundenanfrage sollte klären, ob die Unternehmen die Anliegen ihrer Kundschaft ernst nehmen.

Fünf mit deutlicher Initiative

Fazit der Untersuchung: Bofrost, Costa, Deutsche See, Icelandic und Icewind zeichnen sich durch deutliche Initiative für Beschäftigte, Lachse und Umwelt aus. Transparenz ist ihnen wichtig: Sie beantworteten nicht nur den 28-seitigen Fragebogen, sondern waren auch bereit, unsere Inspektoren in die Unterlagen sehen zu lassen – wenn nicht im eigenen Unternehmen, so im Herstellungsbetrieb.

6 von 20 Anbietern verweigerten diese Zusammenarbeit: Aldi (Nord), Aldi (Süd), Paulus, Lidl, Alfa Seafood und der Natur-Feinkost-Vertrieb. Penny und Rewe füllten den Fragebogen aus, waren aber nicht zu einer Überprüfung vor Ort bereit. Ihr Lieferant Paulus gab keine Auskunft.

Schonende Tötung ist selten

Ein wichtiger Aspekt der Untersu­chung ist die Frage, ob die Hersteller die Lachse schonend töten, ob sie wesentliche Tierschutzkriterien einhalten. Der Lachs soll schnell und stresslos sterben, am besten vorher betäubt. So weit die Theorie. In der Praxis war nur der Anbieter Icewind in der Lage, entsprechende Unterlagen vorzulegen. Bei allen anderen müssen wir uns auf die Aussagen verlassen. Und selbst da ist nicht oft von schonender Tötung die Rede. Beim Wildlachs gar nicht. Dieser wird vor dem Schlachten selten betäubt. Die Tiere verenden in den Netzen oder ersticken an Bord. Auf Lachsfarmen dagegen geht es oft artgerechter zu. Zur ersten Betäubung dient meist Eiswasser: Die Tiere bewegen sich darin weniger. Anschließend wird Kohlendioxid ins Wasser geleitet. Danach werden die Lachse durch einen Kiemenschnitt geschlachtet. Betäubt wird auch mit einem Schlag auf den Kopf oder deutlich seltener durch elektrischen Strom.

Farmen um hohe Standards bemüht

Viele Produzenten arbeiten schon nachhaltig und artgerecht – die meisten befinden sich in Norwegen, die Standards dort sind hoch. Bei der Aufzucht setzen manche Farmer anstelle von Medikamenten beispielsweise Putzerfische zur Parasitenbekämpfung (Hersteller für Icewind und Costa) ein, fast alle verzichten auf Hormone und die Prophylaxe mit Antibiotika. Futter und Lachse werden auf Schadstoffe kontrolliert, die Abwässer werden geklärt.

Der von Aldi (Nord) angebotene Lachs aus chileni­scher Zucht (Golden Seafood) lässt dagegen viele Fragen offen. Der Anbieter verweigerte die Auskunft. Zum Beispiel auch zu Fragen nach den Arbeitsbedingungen. Lachsarbeiter in Chile arbeiten für niedrige Löhne – und das bei einer 48-Stunden-Woche und unzureichender finanzieller Absicherung durch den Arbeitgeber.

Wildlachs braucht Schutz

Wildlachsbestände werden staatlich kon­trolliert. Auch unabhängige Organisationen helfen, sie zu sichern, zum Beispiel der Marine Stewardship Council (MSC). Sein Ziel: die nachhaltige Fischerei. Kriterien sind zum Beispiel, ob die Fischbe­stände im Fanggebiet ausreichend sind und wie sich die Fischerei auf das Meer auswirkt – auch auf andere Fischarten, Meeressäuger, Seevögel. Produkte, die nach MSC-Standard zertifiziert wurden, erhalten ein blaues Siegel. Das Produkt von Natur-Feinkost-Vertrieb ist als einziges im Test laut Verpackung MSC-zertifiziert, allerdings blieb uns der Anbieter weitere Auskünfte schuldig. Metro bietet inzwischen ein Wildlachsfilet mit MSC-Siegel an.

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