Tiefkühl-Nudelgerichte: Fertiggerichte besser als ihr Ruf

Fertigge­richte sind kein Genuss? Von wegen: Im Test schme­cken fünf fast wie selbst­gekocht – sie sind von Frosta und iglo. Ein Bami Goreng und ein Tortellini-Gericht bekommen die Note mangelhaft.

Mehr als jeder zweite Deutsche greift hin und wieder zu einem Fertigge­richt, statt selbst zu kochen. Wichtigster Grund: Es geht schneller. Als gesund gilt industriell hergestelltes Essen aus der Tüte aber nicht. Es ist wenig ausgewogen, steckt voller Zusatz­stoffe und schmeckt eintönig, so die Meinung vieler.

Zu Recht? Wir haben 24 tiefgekühlte Nudelpfannen mit und ohne Fleisch getestet. So viel vorweg: Die Qualität reicht insgesamt von gut bis mangelhaft.

Fünf fast so gut wie selbst­gekocht

Tiefkühl-Nudelge­richte Test

Exakt nach Packungs­angabe. Die Laborköche halten sich an die Empfehlungen.

Beim Geschmack gibt es große Unterschiede. Immerhin fünf Gerichte – drei von Frosta, zwei von iglo – schme­cken fast so gut wie selbst­gekocht. Sie schneiden in der sensorischen Prüfung sehr gut ab. Die Nudeln waren al dente, das Gemüse biss­fest bis knackig, der Spinat zart, die Würzung vielfältig, das Fleisch aromatisch und zart.

Das Fleisch trocken, das Gemüse bitter

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Nichts für Vegetarier. Auf den Mama-Mancini-Tortellini von Aldi (Nord) steht „mit Gemüsefüllung“. Im Labor entdeckten die Tester in manchen aber Schweine­fleisch- statt Gemüsefüllung.

Bei drei Nudelpfannen erinnerten Geruch und Geschmack aber an Fertigsoßen und bei drei Bami-Goreng-Gerichten über­deckte Sojasoße alles andere. Wenig Appetit bereitete das mangelhafte Jütro Bami Goreng: Das Fleisch war leicht alt und trocken, das Gemüse dumpf und bitter. Statt asiatischer Würzung über­wog ein untypischer Geruch und Geschmack, vor allem nach Brühe, Wirsing und Lauch. Mangelhaft schneiden auch die Mama Mancini Tortellini Käse-Sahne von Aldi (Nord) ab. Sie waren teil­weise mit Schweine­fleisch gefüllt – auf der Verpackung steht das aber nicht.

Über­wiegend ohne Zusatz­stoffe

Wer auf den Packungen nach Aroma- und Zusatz­stoffen sucht, wird oft über­rascht: Immerhin zwei Drittel der Gerichte im Test – 16 der 24 – enthalten keine Zusatz­stoffe. In den restlichen stecken laut Zutaten­liste Säuerungs­mittel, Schmelzsalze, Stabilisatoren, Verdickungs­mittel oder Emulgatoren. Letztere helfen, Wasser und Öl zu verbinden. Aromen sind nur dreimal zugesetzt.

Auch wenn sich viele von Zusatz­stoffen verunsichert fühlen: Alle sind geprüft und zugelassen. Bemerkens­wert ist jedoch, dass gute Qualität hier weder Zusatz- noch Aroma­stoffe braucht: Elf Gerichte mit guter Gesamt­note im Test kommen ohne sie aus.

Die Werbe­versprechen einge­halten

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Sortiert. Im Labor zerlegten die Tester alle Gerichte fein säuberlich in ihre Einzel­teile.

Wenn die Verpackungen „ohne Aroma­zusatz“ oder „ohne Geschmacks­verstärker“ versprechen, stimmt das bei den Produkten im Test. Das haben die Labor­analysen gezeigt. Mit Glutamat hilft keiner der Hersteller beim Geschmack nach. Drei Gerichte enthalten zwar Hefeextrakt oder Würze, die dank Glutaminsäure geschmacks­verstärkend wirken können. Deren Anbieter verzichten aber auf die Werbung „ohne Geschmacks­verstärker“. Marketing­aussagen dieser Art sollen Fertigge­richten ein natürliches Image verpassen. Sie zu hinterfragen, ist aber angebracht, denn es gibt auch gute Produkte, die weder Zusatz­stoffe noch Aroma­zusätze enthalten – nur nicht ausdrück­lich damit werben. Andere Werbe­versprechen sind unsinnig und über­flüssig: Das trifft etwa auf die Angabe „ohne Konservierungs­stoffe“ bei apetito zu: Das Frosten macht die Gerichte ohnehin halt­bar.

Manchmal sehen die Gerichte auf der Vorderseite der Verpackung deutlich appetitlicher aus als zubereitet auf dem Teller.

Tipp: Bilder von allen zubereiteten Gerichten gibt es auf www.test.de/nudelgerichte.

Pfanne oft besser als Mikrowelle

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Wir haben verglichen: Alle Gerichte lassen sich gut in der Pfanne zubereiten, viele auch passabel in der Mikrowelle. Besonders bei Fleisch­gerichten lohnt es sich, die Pfanne zu nehmen: Beim Braten mit Fett entsteht ein Cock­tail an Brataromen, die etwa bei Bami Goreng den Charakter prägen – über­setzt heißt das indonesische Gericht „Gebratene Nudeln“. Kaum oder keine Unterschiede zwischen Pfanne und Mikrowelle gab es bei den Spinat-Gorgonzola-Nudeln und Tortellini mit Käse-Sahne-Soße.

Große Unterschiede beim Fett­gehalt

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Nur drei Prozent Gemüse. So enttäuschend wenig Gemüse wie die Penne mit Hähn­chen­brust von real Quality enthielt kein anderes Gericht.

Der Test zeigt, dass Tiefkühlge­richte ausgewogene Mahl­zeiten sein können: Nudeln liefern sättigende Kohlenhydrate, Fleisch und Käse sind gute Eiweiß­quellen. Der Fett­gehalt allerdings schwankt erheblich: Er reicht bei einer 400-Gramm-Portion von etwa 5 bis 32 Gramm. Anders als man vermuten könnte, liefern Tortelloni in dicken Käse-Sahne-Soßen nicht unbe­dingt am meisten Fett: Die Gut-und-Günstig-Tortelloni von Edeka enthalten zum Beispiel weniger Fett als das Bami Goreng von iglo.

Auf den Packungen empfehlen die Anbieter teil­weise Wasser oder zusätzliches Fett in Form von Öl oder Sahne zur Zubereitung. Damit kann sich der angegebene Fett­gehalt, der sich auf das unzu­bereitete Produkt bezieht, schnell verdoppeln. Beim Bami Goreng von Frosta führen drei Esslöffel Öl sogar zu mehr als dem Dreifachen an Fett. Mit Wasser zubereitete Gerichte sind nicht auto­matisch fettärmer, da sie von vorn­herein mehr Fett enthalten können.

Alternative zu „Essen auf Rädern“

Im Alter braucht der Mensch weniger Energie, benötigt aber dennoch viele Nähr­stoffe. Für Senioren liefern viele Nudelpfannen im Test pro 400-Gramm-Portion zu viel Fett. Einige sind aber durch­aus auch für diese Alters­gruppe geeignet (siehe Kommentare zu den einzelnen Produkten in der Tabelle).

Damit sind sie eine einfach zuzu­bereitende Alternative zum „Essen auf Rädern“, das oft zu fett und zu salzig ist (test 10/2011). Im Vergleich zu Selbst­gekochtem stecken in den Nudelpfannen nicht zwangs­läufig weniger Vitamine: Da das Gemüse oft direkt nach der Ernte gefrostet wird, kann es mehr Vitamine enthalten als mehrere Tage zuhause gelagertes. Weiterer Vorteil für ältere Menschen: Aus fast allen Packungen lassen sich kleine Portionen entnehmen.

Tipp: Wenn Sie nicht alles zubereiten, achten Sie darauf, dass genug gefrorene Soße­stücke im Beutel bleiben. Verschließen Sie ihn sorgfältig mit Clip oder Gummi­band.

Zu viel Salz im Kauf­land-Bami-Goreng

Für eine Haupt­mahl­zeit enthalten die meisten Gerichte im Test viel Salz. Eine 400-Gramm-Portion liefert im Schnitt etwas mehr als die Hälfte der täglich tolerier­baren Menge von 6 Gramm, die die Deutsche Gesell­schaft für Ernährung empfiehlt. Zu viel Salz ist im Bami Goreng von Kauf­land/K Classic enthalten: Eine Portion schöpft die 6 Gramm schon fast aus.

Tipp: Schmeckt es Ihnen zu salzig, geben Sie etwas ungewürztes Tiefkühlgemüse dazu.

Pestiziden und Keimen auf der Spur

Die Tester fanden keine gefähr­lichen Erreger wie Salmonellen und Listerien. Nur in drei Nudelpfannen war die Zahl an Enterobakterien, das sind Verderb­niskeime, etwas erhöht – gesundheitlich unbe­denk­lich. Rück­stände von Pflanzen­schutz­mitteln und Schwer­metallen waren nicht oder nur in sehr geringen Mengen nach­weisbar.

So werden die Gerichte hergestellt

Tiefkühl-Nudelge­richte Test

Fertiges Bami Goreng. Die Tester prüfen unter anderem Aussehen, Geruch und Geschmack.

Mit dem Kochen zuhause hat die industrielle Herstellung wenig zu tun. So kommt etwa die Soße als separat hergestellte Pellets ins Gericht, oder sie wird auf das Gericht gesprüht und mit Stick­stoff gefrostet. Hähn­chen­fleisch beziehen die Anbieter laut eigener Auskunft oft aus Brasilien und Thai­land. Einige unterziehen es einer Extrabe­hand­lung, die verhindern soll, dass es bei der Zubereitung austrocknet: In einer dreh­baren Trommel wird Wasser, Marinade oder Flüssigwürze in das Fleisch einge­arbeitet – Fachleute nennen das „tumbeln“. Dabei erhöht sich der Wasser­gehalt im Fleisch. Über­treibt man es damit, werden Muskelfasern im Fleisch zerstört – es wird wäss­rig, weich und hat wenig Biss.

Selberkochen ist nicht immer billiger

Fertigge­richte sind oft teurer als Hausgemachtes, das errechnete im September vergangenen Jahres die Verbraucherzentrale Hamburg. Wir haben das exemplarisch für zwei Gerichte im Test – Bami Goreng und Spinat-Gorgonzola-Nudeln – über­prüft. Im Supermarkt kauf­ten wir die Zutaten und rechneten deren Preise sowie die der Fertigge­richte für zwei und vier Portionen um.

Bei Gerichten mit vielen Zutaten wie Bami Goreng lohnt es sich, zum Fertigge­richt zu greifen. Das gilt erst recht, wenn man exotische Gewürze kaufen muss, von denen man nur wenig benötigt. Kochmuffel sparen gegen­über selbst­gekochtem Bami Goreng am meisten mit den guten Produkten von Lidl und Aldi (Nord).

Tipp: Kochen Sie einfache Gerichte wie Spinat-Gorgonzola-Nudeln selbst. Das ist wenig aufwendig und dazu noch preis­werter als das gute Marken­produkt von iglo.

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