Tiefgekühlte Garnelen Test

Köstlich: Saftiges Garnelenfleisch mit Schwanz zum Servieren.

Jedes der 20 Produkte im Test ist frei von Rückständen. Große Unterschiede aber in der Sensorik: Die Palette reicht von „sehr gut“ bis „mangelhaft“.

Skandale haben auch ihr Gutes. Das zeigen die neuesten Entwicklungen in der Garnelenindustrie. Abschreckende Antibiotikafunde und Viruskrank­hei­ten hatten die kleinen Meerestiere vor wenigen Jahren in Verruf gebracht. Grund war die intensive Massenzucht. In Südamerika und Asien brachen ganze Shrimp­farmen zusammen. Die Europäische Union erließ sogar Einfuhrstopps. Und den Konsu­menten verging der Appetit. Das hat die Branche wachgerüttelt.

Große Erzeugerländer wie Thailand bemühen sich nun um eine bessere Qualität. Seit 2003 wird die Produktion stärker kontrolliert, der Einsatz von Medikamenten in Farmen überwacht. Noch strengere Kriterien gelten für die rein ökologische Zucht. Vor allem Ecuador und Vietnam setzen auf die Bio-Garnele.

Der Shrimp-Konsum steigt mittlerweile wieder an. Auch in unseren Tiefkühlregalen nimmt das Angebot an rohen und gekochten Garnelen weiter zu. Ein Drittel der vier Millionen Tonnen Garnelen, die jährlich weltweit gefangen und gezüchtet werden, kaufen Industrieländer wie Deutschland ein. Den Rest nutzen die Erzeugerländer als Nahrung.

Rückstände: Kein Problem

Wir haben 20 Tiefkühlprodukte untersucht – von den kleinen Eismeershrimps bis zu den südländischen Riesengarnelen. Die extragroßen Exemplare werden im Handel als King Prawn oder Giant Prawn vermarktet. Seit der Krise wollen Verbraucher vor allem wissen: Sind Garnelen frei von Rückständen? Darum die gute Nachricht gleich vorweg: In keinem der getesteten Produkte fanden wir Rückstände von Tierarzneimitteln. Unbedenklich waren auch die wenigen Spuren an Schwermetallen. Im Vergleich zu unserem ersten Test, in dem das gesundheitsschädigende Chloramphenicol nachge­wiesen wurde, ist das ein deutlich besse­res Ergebnis (test 1/03: Tiefgekühlte Garnelen).

Garnelen wie Gummi: Bei Lidl, Edeka 

Nicht so in puncto Sensorik. Die Riesengarnelen von Lidl und Edeka hatten einen medizinischen Nachge­schmack, was auf die Nahrung der Tiere zurückgehen kann. Zudem war ihr Fleisch wenig frisch und beim Kauen wie Gummi. Dafür gibt es ein schlechtes Gesamturteil: „mangelhaft“.

Sehr frisch und sehr saftig waren dagegen die Tiefseegarnelen von Eismann. Sie erreichen das einzige „Sehr gut“ in der sensorischen Fehlerfreiheit. Ein Großteil der rohen Warmwassergarnelen schneidet „gut“ ab. Sie schmeckten frisch, salzig und leicht süß (Wal-Mart, Deutsche See, Norma, Ristic, Tip, Aldi/Nord, H&C). So soll es sein. Gute, gegarte Garnelen überzeugen mit rosa Aussehen, festem Fleisch und einem Geruch, der an Meer erinnert.

Vorsicht: Viel Cholesterin

Der Weg vom fremdländischen Meer bis in unsere Supermärkte ist lang. Die Kühlkette darf dabei nicht unterbrochen werden, denn Garnelen gehören wegen ihres hohen Eiweißgehalts (etwa 18 Prozent) zu den leicht verderblichen Lebensmitteln. Vom Fang bis zum Einfrieren werden sie deshalb immer unter Eis transportiert. Tiefgefroren wahren sie bis zu zwei Jahre ihre Qualität. Für den Verzehr werden Tiefkühlshrimps fix und fertig zubereitet: geschält und geköpft, roh oder gekocht. Übrig bleibt lediglich ihr Fleisch, das in der hinteren Körperhälfte sitzt.

Weil die Tiere den Schwanz zum Fluchtschwimmen einsetzen, besteht er aus viel Muskelfleisch. Es enthält wenig Kalorien und Fett, aber je nach Garnelenart zwischen 125 und 150 Milligramm Cholesterin auf 100 Gramm. Das entspricht der Hälfte dessen, was ein Mensch pro Tag an Cholesterin zu sich nehmen sollte. Wer einen hohen Cholesterinspiegel hat, sollte also beim Verzehr der rosa Krebstiere zurückhaltend sein.

Verarbeitung: Bruch, Verfärbungen

Nicht alle Anbieter verarbeiten und sortieren ihre Garnelen sehr sorgfältig. So steckten in der Verpackung von Ristic King Prawns unterschiedlich große Garnelen. Bei Escal waren zu viele Schwanzmuskeln zerbrochen – ein echter Qualitätsmangel. Ob die Garnelen mit oder ohne Darm verkauft werden, ist mitunter schwer herauszufinden. Viele Verpackungen geben dar­über keine Auskunft. Zwar ist es harmlos, den Darm mitzuessen, er kann aber einen bitteren Beigeschmack erzeugen. Vor allem bleibt es eine Frage der Ästhetik: Der dünne dunkle Streifen unter dem Rücken der Tiere hat schon so manchem den Appetit verdorben.

Ebenso unschön anzusehen sind Verfärbungen, wie sie auf den King Prawns von Tip und Atka vereinzelt auffielen. Sie können bei der Verarbeitung entstehen, manchmal sind es Reste der dunklen Haut unter der Schale.

Zuchtbecken: Stress führt zu Flecken

Solche Flecken entstehen aber auch, wenn zu viele Garnelen in einem Teich gezüchtet werden. Bei extensiver Zucht dürfen höchstens 20 000 Larven auf einen Hektar kommen. Beim intensiven Zuchtverfahren können es dagegen fünfmal so viele sein. Das führt zu Stress unter den Tieren, was sie anfälliger für Krankheiten macht. Dann beißen sie sich untereinander. Die Folge sind dunkle Flecken.

Nur eine nachhaltige Produktion, die die Tiere achtet und die Umwelt schont, garantiert die Qualität der Garnelen. Wir wollten genauer wissen, wie verantwortungsvoll die Hersteller und Anbieter handeln und haben deshalb ihre Produktionskette überprüft. Klar ist: Um Skandale in Zukunft zu vermeiden, braucht es viel Engagement.

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