Der Online-Tickethändler Eventim darf für Veranstaltungs­tickets, die er dem Käufer per E-Mail zuschickt und die dieser dann selbst ausdrucken muss, keine Service­gebühr in Höhe von 2,50 Euro verlangen. Das hat der Bundes­gerichts­hof (BGH) entschieden. Die Verbraucherzentrale (VZ) Nord­rhein-West­falen hatte wegen der Gebühr geklagt. Nach ihrer Ansicht muss Eventim die zu Unrecht erhobene Entgelte an die Kunden zurück­zahlen. Für die Rück­forderung bietet die VZ einen Musterbrief an.

2,50 Euro für Ticket­versand per E-Mail

Wer Eintritts­karten etwa für Musik­konzerte oder Theater­aufführungen online bestellt, muss sich die Tickets nicht unbe­dingt als Papierti­cket per Post zuschi­cken lassen. Viele Tickethändler bieten auch einen Versand per E-Mail an. Zu Hause muss der Kunde sich das Ticket dann noch ausdrucken („Print@home“). Der Ausdruck berechtigt ihn zur Teil­nahme an der Veranstaltung. Bei dem großen Tickethändler CTS Eventim aus Bremen heißt dieses Bestell­variante „Ticketdirect“. Bis vor kurzem musste ein Ticketkäufer neben dem Ticket­preis pro Bestellung für die „Ticketdirect“-Option zusätzlich eine Service­gebühr in Höhe von bis zu 2,50 Euro bezahlen – obwohl Eventim weder Porto- noch Material­kosten entstanden waren.

Bereits die Vorinstanzen hielten die Gebühr für unzu­lässig

Dagegen klagte die Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen. Land­gericht und Ober­landes­gericht Bremen hatten die Gebühr für unzu­lässig erklärt (Eintrittskarten: Gebühr fürs Selbstausdrucken nicht zulässig). Gegen die Urteile war der Tickethändler vor dem Bundes­gerichts­hof vorgegangen. Ohne Erfolg, wie die VZ NRW auf ihrer Internetseite berichtet. Das Urteil (Az. III ZR 192/17) ist noch nicht veröffent­licht.

Verbraucherzentrale: Rück­forderungen möglich

Nach Ansicht der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen sind nun die in der Vergangenheit zu Unrecht erhobene Entgelte für „ticketdirect“ durch Eventim an die Kunden zurück­zuzahlen. Die Verbraucherschützer bieten für die Rück­forderung der Beiträge einen Musterbrief zum Download an.

Stellung­nahme von Eventim

Wie ein Eventim-Sprecher test.de mitteilte, wird die „Ticketdirect“-Gebühr vor­erst auf Null gesetzt. Das gelte nicht nur für Ticketkäufe über Eventim.de, sondern auch für den ebenfalls zum Eventim-Konzern gehörenden Ticket­shop Ticketonline.de. Das Unternehmen wolle bis zur Veröffent­lichung der schriftlichen Urteils­gründe warten und dann entscheiden, ob man fortan ganz auf die Gebühr verzichten werde oder künftig weniger als 2,50 Euro verlange. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, sieht Eventim das BGH-Urteil nicht zwangs­läufig als generelles Verbot einer „Print@home“-Gebühr, sondern lediglich als Zurück­weisung der konkreten Höhe.

Auch andere Tickethändler betroffen

Das Urteil hat aus Sicht der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen grund­sätzliche Bedeutung. Auch andere Anbieter, die solche Gebühren verlangen, seien betroffen.

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