Ob Pop, Rock oder Klassik – einen Platz bei einem begehrten Konzert zu ergattern, ist schwierig. Das Gleiche gilt für exklusive Sport­ver­anstaltungen. Außerdem sind jede Menge schwarz­gehandelte Tickets im Umlauf. Im Moment haben die Fans von Kultur- und Sport­ver­anstaltungen noch ein weiteres Problem: Veranstaltungen müssen pandemiebe­dingt abge­sagt oder verschoben werden. test.de sagt, welche Regeln gelten.

Wenn Konzert & Co zu Corona-Zeiten ins Wasser fallen

Vor Corona konnten Ticketkäufer in Deutsch­land die Erstattung des Eintritts­preises und der Vorverkaufs­gebühren vom Veranstalter verlangen, wenn Konzerte, Festivals, Messen und andere Veranstaltungen aufgrund von behördlichen Vorgaben ausfallen. Das Recht auf Kosten­erstattung wurde aber durch eine Gesetzes­änderung Mitte Mai 2020 ausgesetzt.

Wert­gutscheine statt Geld zurück

Seitdem müssen Verbraucher Wert­gutscheine akzeptieren, sofern der Veranstalter die Erstattung des Ticket­preises ablehnt. Nicht zulässig ist, dass Veranstalter Kunden auf einen späteren Termin verweisen statt den Ticket­preis zu erstatten oder einen Wert­gutschein auszustellen. Die Regelung gilt auch rück­wirkend für Eintritts­karten, die vor dem 8. März 2020 gekauft wurden sowie für Konzert-Abos, Fußball-Dauer­karten und andere Serien-Tickets. In der Praxis läuft die Erstattung von Eintrittspreisen und Vorverkaufsgebühren aber nicht immer rund.

Auszahlung des Ticket­preises mitunter möglich

Kunden müssen die Wert­gutscheine aber nicht in jedem Fall annehmen. Sie können eine Erstattung des Ticket­preises verlangen, wenn ein Gutschein wegen persönlicher Lebens­verhält­nisse unzu­mutbar ist. Das könnte etwa sein, wenn jemand nach­weisen kann, dass er oder sie derzeit nicht in der Lage ist, Lebens­haltungs­kosten wie Miete oder Energierechnungen zu behalten. Lösen Kunden den Gutschein bis zum 31. Dezember 2021 nicht ein, erhalten sie ihr Geld zurück. Wer den Wert­gutschein nutzen möchte, kann sich davon zum Beispiel ein Ticket für ein anderes Konzert als das ursprüng­lich gebuchte kaufen.

Der nächste Festivalsommer kommt bestimmt

Derzeit müssen zwar viele Events flach fallen, trotzdem werden bereits wieder Konzerte, Tourneen, Sport­ver­anstaltungen & Co geplant. Tickets dafür zu bekommen, ist nach wie vor nicht einfach. Wer Konzerte von beliebten Pop- und Rock­stars besuchen will, muss nicht nur tief in die Tasche greifen, sondern auch schnell sein. Sehr schnell. Die Karten für begehrte Konzerte und Festivals sind mitunter Minuten nach Verkaufs­start ausverkauft. Auch Fußball­fans, die bei Spitzen­spielen dabei sein wollen, oder Klassikfreunde, die von einem Besuch in der Elbphilharmonie träumen, gehen oft leer aus. Um dennoch dabei zu sein, kaufen viele für mehrere Hundert Euro Tickets auf dem Schwarz­markt – eine Investition, von der man nur abraten kann, denn oft genug sind die Karten nicht gültig.

Wissen, was läuft: Information ist das A und O

Ihre Deutsch­land­konzerte 2020 wurden auf den Sommer 2021 verlegt: Seeed.

Ein beträcht­licher Teil der Tickets, die später zu horrenden Preisen schwarz gehandelt werden, war vorher wochen- oder sogar monate­lang im Vorverkauf erhältlich. Wer weiß, welche Künstler auf Tournee gehen und welche Sport­ver­anstaltungen und Festivals anstehen, ist deshalb klar im Vorteil.

Sinn­voll ist, sich regel­mäßig auf Landes­portalen wie berlin.de oder sachsen-anhalt.de zu informieren, welche Events bald anstehen. Konzert­häuser wie die Elbphilharmonie, Fußball­ver­eine und Internethändler wie Eventim oder Ticketmaster versenden Newsletter, die über Konzerte, Spiele und andere Veranstaltungen sowie die Verkaufs­starts informieren. Oft wird zudem ein „Ticket­alarm“ angeboten. Einfach auf der Website des Anbieters Lieblings­band oder Künstler eingeben und den Alarm akti­vieren.

Tipp: Service-Angebote wie Newsletter und Ticket­alarm sind kostenlos und unver­bindlich. Die Tickets können Sie später auch bei anderen Vorverkaufs­stellen erwerben.

Fanclubs und Freundes­kreise: Treue Anhänger bevor­zugt

Große Theater, Opern­häuser und Konzert­stätten vertreiben Abonnements mit Karten zu ermäßigten Preisen. Auch die sind rar, doch die Chancen steigen, wenn man sich nicht auf ein bestimmtes Genre fest­legt und Einzel­plätze akzeptiert. Die Mitglieder von Freundes­kreisen solcher Häuser werden bei der Karten­vergabe ebenfalls bevor­zugt. Extrem schwer zu ergattern sind Karten für hoch­karätige oder interna­tionale Fußball­spiele. Mitglieder von Fanclubs sind im Vorteil, wenn ihr Verein spielt.

Zur Orientierung: Freunde der Elbphilharmonie zahlen 80 Euro Jahres­beitrag, Bayern-München-Mitglieder 60 Euro pro Saison.

Tipp: Die Mitgliedschaft in Freundes­kreisen und Fanclubs lohnt sich für Sie eher lang­fristig, sie ist aber ein guter Weg, zu heiß begehrten Tickets zu kommen.

Theaterkassen und Kauf vor Ort: Manchmal die bessere Wahl

Früher war die Jagd nach begehrten Tickets einfacher und demokratischer: Wer etwa Jimi Hendrix oder Bob Marley live erleben wollte, stand stunden­lang an, bis die Konzert­kasse öffnete. Je eher der Fan vor Ort war, umso höher waren die Chancen, dabei zu sein. Heute läuft ein Groß­teil des offiziellen Handels über das Internet ab. Die Mitarbeiter der Theaterkassen wissen mitunter erst Minuten vor dem Vorverkaufs­start, ob sie Zugriff auf begehrte Tickets haben.

Geht es darum, Karten zu besorgen, die vermutlich nicht sofort weg sind, sind Theater- und Konzert­kassen ein guter Anlauf­punkt. Sinn­voll ist es auch, Tickets direkt im Theater oder im Konzert­haus zu kaufen. Die Mitarbeiter kennen sich gut aus und können Plätze empfehlen, von denen aus man besonders gut hört und sieht. Außerdem sind die Vorverkaufs­gebühren geringer oder fallen sogar weg.

Tipp: Wer online Tickets kauft, ärgert sich mitunter über die Versand­gebühren von knapp 5 Euro, denn nicht immer ist es möglich, die Tickets auszudrucken. Theaterkassen verlangen solche Versand­gebühren nicht.

Onlinekauf: Flinke Finger und starke Nerven gefragt

Wenn die Rolling Stones oder die Red Hot Chili Peppers Konzerte geben oder die Elbphilharmonie ihren Vorverkauf startet, müssen auch gewiefte Fans um Karten bangen. Der Andrang ist so groß, dass Zehn­tausende Tickets mitunter inner­halb einer halben Stunde ausverkauft sind.

Erfahrene Ticketkäufer raten, bereits Tage vorher bei einem Onlinehändler wie Eventim oder Ticketmaster einen persönlichen Zugang anzu­legen und sich mit den Internet­seiten vertraut zu machen. Startet der Vorverkauf etwa an einem Mitt­woch um 11 Uhr, sollte man schon eine Viertel­stunde vorher an einem möglichst schnellen Rechner einge­loggt sein, ein Zahlungs­mittel wie Kreditkarte oder Girocard bereithalten und die entsprechende Seite der Veranstaltung aufrufen. Manchmal gehen die Karten ein paar Minuten eher in den Vorverkauf, deshalb ist es wichtig, die Seite gleich nach dem Einloggen immer wieder zu aktualisieren. Das geht bei Wind­ows mit der F5-Taste, beim Mac mit der Tasten­kombination cmd+R. Das Aktualisieren schützt auch davor, plötzlich ausgeloggt zu werden.

Tipp: Wichtig ist, dass Sie die Bezahl­schnitt­stellen der Online­seiten gut kennen. Wenn Sie zum ersten Mal auf Online-Ticket­jagd gehen, können Sie vorab probeweise Tickets kaufen und kurz vor dem Abschluss des Bezahl­vorgangs abbrechen.

Last-Minute-Tickets: Kauf mit Risiken

Bei populären Veranstaltungen ist die Menge an regulär gehandelten Karten begrenzt. Beinahe grenzenlos erscheint das Angebot an Schwarz­markt­tickets im Internet. Platt­formen wie Viagogo und Fansale oder Händler bei Ebay bieten sie in großer Zahl zu happigen Preisen an. Viele Kunden merken erst, dass Tickets ursprüng­lich viel billiger gehandelt wurden, wenn sie diese in den Händen halten. Die Preise legen allein die privaten Anbieter fest – und die schlagen nach Lust und Laune drauf. Nach einer Studie der Verbraucherzentralen und des Projekts Markt­wächter lagen die Preise bei Viagogo im Schnitt drei Mal so hoch wie die der Originalkarten. Zudem mussten Kunden allen Garan­tieversprechen zum Trotz um Einlass bangen.

Was Kunden oft nicht ahnen: Die Platt­formen sind nur Vermittler. Die eigentlichen Verkäufer bleiben im Hintergrund. Es ist kaum möglich, sie zu kontaktieren. Läuft etwas schief, wird etwa das Konzert abge­sagt, trägt man das Risiko. Rück­gabe oder Umtausch sind ebenfalls kaum möglich.

Private Händler agieren in einer recht­lichen Grauzone. Wucher­preise fest­zulegen ist zwar strafbar, allerdings nur, wenn eine Zwangs­lage oder die Unerfahrenheit einer Person ausgenutzt wird. Das nach­zuweisen, ist schwierig.

Das Unternehmen Viagogo wirbt mit einer „Viagogo-Garantie“.* Sie soll den Ticketkauf über diesen Anbieter sicherer machen. Inwieweit dieses Garan­tieversprechen greift, lässt sich jedoch während der veranstaltungs­armen Corona-Zeit kaum beur­teilen.

Tipp: Kaufen Sie keine Karten auf dem Zweitmarkt. Gewerb­liche Schwarz­händler treten bei den Ticketbörsen unter Fantasie­namen auf. Sie können sich jeder­zeit einen neuen Namen und Account zulegen – und ihre Geschäfte weiterbetreiben. Deshalb ist es kaum möglich, sie ding­fest zu machen.

Wenn man nicht dabei sein kann: Karten weiterverkaufen

Es passiert immer wieder: Die Tickets für Konzert oder Sport-Event wurden bereits vor Monaten besorgt. Doch kurz vor der Veranstaltung kommt etwas dazwischen, eine Krankheit etwa oder ein beruflicher Termin. Die Karten verfallen zu lassen und damit auf den Kosten sitzen bleiben, braucht man nicht. Die meisten Tickets können ganz einfach im Bekann­tenkreis, über ein Schwarzes Brett oder eine Klein­anzeige verkauft werden. Allerdings sind Sport- und Konzert­ver­anstalter dazu überge­gangen, bei besonders begehrten Events die Karten nur personalisiert heraus­zugeben. Die Karten sind dann auf einen bestimmten Namen zugelassen, am Einlass muss zusätzlich auch der zu der personalisierten Karte passende Ausweis vorgezeigt werden.

Tipp: Sie dürfen Eintritts­karten grund­sätzlich weiterverkaufen, auch wenn der Veranstalter das in seinen allgemeinen Geschäfts­bedingungen verbietet. Sie dürfen auch gering­fügige Summen wie 10 Euro drauf­schlagen. Anders läuft es mit personalisierten Karten. Diese müssen vor dem Weiterverkauf auf einen neuen Namen umge­schrieben werden. Dafür müssen Sie sich beim Veranstalter eine Extra-Erlaubnis einholen, ansonsten erhält Ihr Käufer keinen Einlass. Käufern einfach zusätzlich zu den Karten eine Voll­macht in die Hand zu drücken, reicht in der Regel nicht aus.

Dieses Special ist erst­mals am 21. Januar 2020 auf test.de erschienen. Es wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 11. November 2020.

* Satz korrigiert am 17. November 2020

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