Die 2003 gegründete ThomasLloyd-Gruppe mit Haupt­sitzen in London und in Zürich bietet unter anderem geschlossene Fonds, Alternative Investmentfonds und Direktbe­teiligungen. Im grauen Kapitalmarkt hat sie Gewicht. Mit Infrastruktur­projekten in Asien will die global tätige Gruppe attraktive Ergeb­nisse erzielen. Das ist zweifelhaft.

„Attraktive Renditen bei kalkulier­barem Risiko“?

Die Story von ThomasLloyd klingt verführerisch: Anleger bekämen Zugang zum Wachs­tums­markt Infrastruktur in Asien mit „lang­fristig plan­baren und attraktiven Renditen bei kalkulier­barem Risiko“, weit­gehend unabhängig von Konjunktur, Inflations­entwick­lung und Zins­niveau. Die Thomas­Lloyd-Gruppe führte ein Ranking der Zeit­schrift Cash für 2018 in ihrer Sparte an, weil Privat­anleger 147,8 Millionen Euro zeichneten, etwa über Finanz­vermittler. Sie hat mehr als 50 000 Anleger und rühmt sich, „viele Tausend neue, dauer­hafte Arbeits­plätze vor Ort“ zu schaffen.

Irritierend wenige aktuelle Vermögens­werte

Doch bei unserer Recherche ließen sich aus Veröffent­lichungen der Gruppe irritierend wenige aktuelle Vermögens­werte aus dem Bereich Infrastruktur in Asien entnehmen (siehe Grafik). Dafür fanden wir auf unübliche Art berechnete Renditen und schwer verständliche Kenn­zahlen. Auch beunruhigend: 2019 sollten Anleger nach Kündigungen nur 0 Euro Rück­zahlungs­betrag erhalten.

Unser Rat

Hohe Risiken. Anleger gehen mit etlichen Angeboten von ThomasLloyd unternehmerische Risiken bis hin zum Total­verlust ein und müssen sich über viele Jahre binden. Die geschlossenen Fonds CTI 5 D, CTI 9 D und CTI Vario D wurden aufgelegt, bevor das strenge Kapital­anlagegesetz­buch im Juli 2013 in Kraft trat.

Warn­liste. Wegen der hohen Risiken und der eigenwil­ligen, kaum nach­voll­zieh­baren Darstellung der Ergeb­nisse gegen­über Anlegern setzen wir die geprüften Angebote von ThomasLloyd auf unsere Warnliste Geldanlage. Beim Fonds CTI Vario D ist zudem Ratenzahlung möglich, sie ist unge­eignet für solche Beteiligungs­angebote. Fünf Anleihen, die ThomasLloyd auf seiner Internetseite Privat­anlegern anbietet, konnten wir bis Redak­tions­schluss nicht mehr analysieren.

Philippi­nische Solar­anlagen bereits verkauft

Im Internet zeigt die Gruppe eine „Auswahl“ aktueller Infrastruktur­projekte: drei Biomasse- und drei Solar­kraft­werke auf den Philippinen und sieben Solar­kraft­werke in Indien. Die philippi­nischen Solar­anlagen hat die Gruppe aber 2015 verkauft. Sie erklärt dazu gegen­über Finanztest, sie weise Projekte als aktuell aus, solange eine finanzielle Beteiligung (exposure) bestehe, etwa weil ein Teil des Kauf­preises später gezahlt werde. Zum ausstehenden Volumen äußert sie sich nicht.

Beteiligt an Solarfirma in Indien

Die Parks in Indien entwickelt oder betreibt das indische Unternehmen SolarArise über Projektgesell­schaften. An ihm ist ThomasLloyd seit Herbst 2018 „maßgeblich“ beteiligt. Bis einschließ­lich März 2019 meldeten indische Behörden nur 14 Millionen US-Dollar (12,7 Millionen Euro) Direkt­investitionen von ThomasLloyd-Firmen an SolarArise. Weiteres Kapital sei an SolarArise geflossen, teilt ThomasLloyd mit, ohne die Höhe zu beziffern.

Viel Geld – wenige Projekte in Asien

Anleger haben in großem Umfang Angebote der ThomasLloyd-Gruppe gezeichnet. Deutlich weniger hat die Gruppe investiert. Sie begründet es unter anderem mit Platzierungs­kosten und dem Abfluss durch Kündigungen, gewinn­unabhängige Entnahmen, Ausschüttungen sowie Zinsen.

Zwei Biomasse­kraft­werke im Bau

Mit dem über­wiegenden Teil des investitions­fähigen Kapitals hat Thomas Lloyd 2018 nach eigenen Angaben die südost­asiatischen Biomasse­kraft­werke weiter aus- und aufgebaut. Zwei auf den Philippinen sind im Bau und sollen 2019 in Betrieb gehen. Falls nicht, gebe es für sie keinen Anspruch auf die Ende 2019 auslaufende philippi­nische Einspeise­vergütung, warnt ThomasLloyd. Das wirt­schaftliche Risiko sei aber zum Beispiel durch Versicherungen und durch Bank­garan­tien „weitest­gehend abge­sichert“.

Kaum Konkretes

Mehr konkrete Infrastruktur­projekte ergeben sich aus den veröffent­lichten Unterlagen nicht, darunter eine Portfolio-Über­sicht vom Juni 2019. Das erscheint wenig angesichts drei­stel­liger Millionen­beträge von Anlegern, mit denen sie über Anla­geangebote ab etwa 2008 am Erfolg der Thomas­Lloyd Cleantech Infra­structure Holding teilhaben sollten.

Anleger haben kein Mitspracherecht

Von 2003 bis etwa 2008 legte ThomasLloyd vor allem Genuss­rechte, Genuss­scheine und stille Beteiligungen auf, deren Rendite vom Unter­nehmens­erfolg abhängt. Anleger haben kein Mitspracherecht. Bis Ende 2017 hatten Anleger 243 Millionen Euro einge­zahlt, teilt ThomasLloyd mit. Bei diesen Angeboten ließ sich nicht fest­stellen, dass ihnen die genannten Infrastruktur­projekte auch nur mittel­bar als Vermögens­werte zuzu­rechnen wären. ThomasLloyd argumentiert, eine „Vielzahl unterschiedlicher Ertrags­kategorien“ zu haben.

Rück­zahlungs­betrag 0 Euro

Als Anleger Genuss­rechte, Genuss­scheine oder stille Beteiligungen von zwei ThomasLloyd-Firmen kündigten, sollte ihnen im Februar 2019 nur „0,00“ Euro als Rück­zahlung zustehen. Die beiden Firmen verschmolzen auf die CT Infra­structure Holding (CTIH) aus London. Der Vertrag wies „0 Euro“ als Wert der Anlegerbe­teiligungen für März 2019 aus.

Aktien ohne Stimm­recht – Verdruss bei Anlegern

Die Gruppe bot Anlegern als Alternative zur Kündigung Aktien der CTIH ohne Stimm­recht an. Damit sei es möglich, den Wert des ursprüng­lichen Einsatzes wieder zu erreichen – falls sich ein „Aufwertungs­potenzial“ realisiere. Von den nicht börsennotierten, schwer einschätz­baren Aktien waren etliche Anleger nicht begeistert und zogen vor Gericht.

Einzahlungen schrumpften unter anderem durch Verluste

ThomasLloyd erklärt, die von Anlegern einge­zahlten 243 Millionen Euro seien durch Rück­zahlungen an Kündiger, Ausschüttungen, Entnahmen durch Gesell­schafter und Verluste geschrumpft. Bei der Verschmel­zung habe das Anleger­kapital etwa 73 Millionen Euro betragen, aber wegen Bilanzierungs­vorgaben nicht ausgewiesen werden können. Per Ende 2018 weise CTIH 73 Millionen Euro Eigen­kapital aus, sodass Anleger je 1 Euro Anteil 1 Euro Gegen­wert erhalten hätten.

Unübliche Renditebe­rechnung

Eine Werbeinformation für die geschlossenen Fonds CTI 5D, CTI 9D und CTI Vario D nennt eine „(Netto-)Rendite“ von 10,80 Prozent bis 11,40 Prozent seit Auflage 2012 und 2013. Eine Fußnote enthüllt, dass sie „Aufwertungs­potenzial“ beziehungs­weise stille Reserven enthalten. „Aufwertungs­potenzial“ bezieht ThomasLloyd auf bekannte Entwick­lungen nach dem Bewertungs­stichtag. Ob diese sich realisieren lassen, ist unsicher.

„Blind Pools“ unge­eignet für Privat­anleger

Ihre Verkaufs­prospekte stammen aus 2012 und der ersten Jahres­hälfte 2013, als die Regulierung laxer war als heute. Darin heißt es, alle konkreten Investments stünden noch nicht fest. Solche „Blind Pools“ sind aus Sicht von Finanztest unge­eignet für Privat­anleger. ThomasLloyd argumentiert, es gebe „kein klassisches Blind-Pool-Risiko“, da Anleger sich an einem bestehenden Initialportfolio beteiligten. Über dieses hinaus bleibt aber ein Blind-Pool-Risiko. Das gilt auch für das unter die strengere Regulierung fallende Beteiligungs­modell CTI 6 A/D und die Direktbe­teiligung 4/2018.

Stiftung Warentest kritisierte ThomasLloyd bereits 2013

Finanztest schloss 2013 drei geschlossene Fonds von ThomasLloyd von einem Test aus, weil die Investments nicht fest­standen, und kritisierte die Risikodar­stellung in Informations­blättern (Vermögensanlagen: Die Anbieter informieren schlecht).

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