In Österreich, Slowenien, Ungarn und der Slowakei laden viele Thermen zu einer entspannenden Rast ein. Unsere österreichische Partner­organisation hat 30 Anlagen getestet.

Wer sich in Österreich – egal ob im Urlaub oder auf der Durchreise – einen entspannenden Tag in einer Therme gönnen will, hat eine große Auswahl. Besonders in der östlichen Steiermark, nicht umsonst Thermenland genannt, drängelt sich gleich ein halbes Dutzend der Warmwasseroasen auf engstem Raum. Darunter sind einige der besten Anlagen in der Alpenrepublik.

Zum Beispiel das imposante Rogner Bad in Bad Blumau. Die Anlage, vom Maler Friedensreich Hundertwasser entworfen, hebt sich erfrischend vom sonstigen Einheitslook ab. Bunte Farben, verspielte Formen und ein Turm mit einer goldenen Kuppel empfangen den Besucher. Neben der Therme gibt es über 300 Gästezimmer, fünf Restaurants und einen medizinisch-heilkundlichen Bereich.

Thermalwasser statt Erdöl

Als man vor 30 Jahren bei Bad Blumau Probebohrungen durchführte, hoffte man auf Erdöl. Stattdessen sprudelte aus 3 000 Metern Tiefe eine 100 Grad heiße reichhaltige Mineralquelle. Die Entscheidung, daraus ein exklusives Thermalbad zu spei­sen, fiel aber erst 20 Jahre später, als sich die Wellnesswelle langsam über Europa auszubreiten begann.

Heute können sich Hotel- und Tagesgäste inmitten bunter Säulen im 36 Grad warmen Wasser entspannen und sich im großen Außenbereich umsprudeln oder von den Nackenduschen massieren lassen. Der Saunabereich bietet neben finnischer Außensauna, kühleren Sanarien und einem türkischen Dampfbad als Besonderheit eine Felsensauna. Nach dem Bad oder den Saunagängen können sich die Gäste im Sommer nicht nur in den Ruheräumen, sondern auch auf den begrünten Dächern der Hundertwasser-Häuser in der Sonne aalen. Völlig unbescheiden preist sich das Rogner Bad selbst als „eines der besten Spas der Welt“.

Spa ist eine andere Bezeichnung für Therme. Sie kommt vom lateinischen sanus per aquam, was so viel bedeutet wie „gesund durch Wasser“. Heiße Mineralquellen sprudeln in Österreich und in den Nachbarländern in großer Zahl. Und wo eine Quelle ist, entsteht auch bald eine Thermenanlage.

Unsere österreichische Partnerorganisation Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat 19 Thermen in Österreich und 11 in den EU-Beitrittsländern Slowenien, Ungarn und der Slowakei getestet. Tschechien konnte nicht berücksichtigt werden, da es dort keine öffentlich zugänglichen Thermen gibt. Wer Wellness-urlaub in Verbindung mit Heilwasser genießen möchte, muss sich dort in ein Thermalhotel einquartieren. Auch die beiden neuen österreichischen Thermen Aqua Dome im Ötztal und die Therme Nova in Köflach blieben außen vor, da sie zum Testzeitpunkt noch nicht eröffnet waren. Die österreichi­schen Tester stützten sich bei ihrer Untersuchung weitgehend auf ein von der Stiftung Warentest entwickeltes Prüfprogramm. Gab es in Deutschland aber nur sechs „gute“ Thermen, sind es in Österreich gleich doppelt so viele. Zur Spitzengruppe gehört noch jeweils ein interessantes Bad in Slowenien und Ungarn.

Die slowenische Terme Radenci, dicht an der Grenze zu Österreich, gehört sogar zu den schönsten und bestausgestatteten Anlagen des gesamten Testfelds. Leider konnte der Saunabereich nicht bewertet werden, da er zum Erhebungszeitraum gesperrt war. Die zehn Becken im Badebereich bieten mit Strömungskanal, Gegenstromanlage und diversen Sprudelangeboten viel Abwechslung.

Das ungarische Kehida Thermalbad, west­lich vom Balaton gelegen, ist eine Mischung aus Erlebnis- und Heilbad. Auf der einen Seite Wellenbad, Wildwasserbecken und eine 94 Meter lange Rutsche, auf der anderen Seite herrscht Sa­natoriums­at­mosphäre mit 49 Grad heißem schwefelhaltigem Heilwasser. Das Thermalwasser von Kehida ist gut geeignet für die Behandlung von Rheuma und Gelenkbe­schwerden.

Preiswert und „gut“

Nicht nur die Qualität dieser beiden Bäder ist Spitze, sondern auch der Preis. So kostet eine Tageskarte für Erwachsene inklusive Sauna in Radenci 13,75 Euro und im ungarischen Kehida-Bad nur 11,60 Euro. In Österreich muss der Badelustige oft fast das Doppelte ausgeben. Die Tagespreise reichen von rund 12 bis 24 Euro.

Für eine mehrköpfige Familie kann ein Thermenausflug teuer werden. Mitunter gibt es aber preiswerte Familienkarten. Mit rund 15 Euro für zwei Erwachsene und zwei Kinder sind auch hier die Thermen Radenci und Kehida unschlagbar günstig. In Österreich müssen Familien, wenn es überhaupt Spezialangebote für sie gibt, häufig das Doppelte bezahlen. Die Alpen Therme in Bad Hofgastein berechnet für eine vierköpfige Familie sogar 50 Euro pro Tag.

Action oder Ruhe?

Die Thermenbetreiber verfolgen ganz unterschiedliche Konzepte. Zum einen gibt es die Kombination aus Erlebnisbad und Therme, die für jeden etwas bieten will. Das funktioniert nur, wenn die Bereiche räumlich und akustisch gut getrennt sind, wie zum Beispiel in der Therme Loipersdorf, in der Eurotherme Bad Schallerbach, in der Alpen Therme Bad Hofgastein oder in der Sonnentherme in Lutzmannsburg. Wer in einer Therme aber ausschließlich Ruhe und Entspannung sucht, ist in klassischen Anlagen wie der Burgenlandtherme, der Therme Geinberg oder der Heiltherme Bad Waltersdorf wesentlich besser aufgehoben.

Saunafreunde müssen häufig Abstriche machen. Nur sieben Anlagen bieten einen „guten“ Saunabereich. Erstklassig war keiner. Zwar kann die Therme Loipersdorf mit 21 Saunen und 11 Dampfbädern punkten, zum „Sehr gut“ hat es aber nicht gereicht.

In puncto Hygiene und Sauberkeit gibt es bei den meisten Thermen wenig auszu­setzen. Beim Schlusslicht, dem Thermalbad Vadas in der Slowakei, sah es jedoch übel aus. Umkleidekabinen und Toiletten wirkten hier sehr heruntergekommen. Auch sonst ist das Angebot dürftig. Vadas ist nicht viel mehr als ein Schwimmbad mit Thermalwasser.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1625 Nutzer finden das hilfreich.