Thermalbäder Meldung

Ist das noch Well­ness oder schon Medizin: Was bringt ein Besuch in der Therme?

28 Millionen Menschen gehen laut einer Allens­bach-Umfrage in Deutsch­land ab und zu in eine Therme. Doch wie sieht es mit den gesundheitlichen Wirkungen aus? Was müssen Badende beachten? Rainer Stange, Inter­nist und Experte für Naturheil­verfahren an der Berliner Universitäts­klinik Charité beant­wortet die fünf wichtigsten Fragen zu den heißen und mineralischen Bädern.

Mit Bedacht genießen

Thermalbäder zeichnen sich durch Heil­wasser aus, das an der Quelle über 20 Grad warm und in der Regel reich an Mineralien beziehungs­weise Salzen ist. „Der Wärmeeintrag allein lässt Gefäße erweitern und dadurch den Blut­druck sinken. Insbesondere Bikarbonat – im Umgangs­deutsch Kohlensäure – kann die Haut sehr leicht durch­dringen, führt zu mehr Durch­blutung, was ein ‚woh­liges‘ Körpergefühl vermittelt“, sagt Inter­nist Rainer Stange. Gäste sollten Hinweise zur Badedauer beachten. „Schwer Herz­schwache müssen vorab mit einem in Bäderheil­kunde qualifizierten Arzt sprechen.“ Mehr­per­sonen-­Bäder seien nichts für Immun­schwache, bei salzhaltigen Bädern müssten Patienten mit Nieren­schwäche vorsichtig sein. Thermalbaden gilt als wirk­sam gegen Arthrose und Rheuma, es kurbelt den Kreis­lauf an.

“Thermalbäder hellen die Stimmung auf“

Thermalbäder Meldung

Rainer Stange

test.de: Was ist denn ein Thermalbad?

Rainer Stange: Der Begriff des Thermalbads ist nicht gesetzlich geschützt. Die Interes­sens­verbände der Heilbäder verstehen darunter eine natürliche Quelle, deren Wasser beim Austritt aus dem Boden mindestens 20 Grad Celsius warm ist. Dadurch sind im Wasser mehr Stoffe gelöst als in Oberflächengewässern. Das können Mineralien wie Eisen, Schwefel, Natrium, Kalium und Kalzium sein, aber vor allem auch Kohlensäure.

Wozu sind Thermalbäder gut?

Die Wärme geht vom Wasser in den Körper über. Das erweitert die Gefäße, senkt den Blut­druck und kann Körper und Geist entspannen. Thermalbäder hellen auch die Stimmung auf, vermutlich weil sie im Körper die Produktion des wichtigen Boten­stoffes Serotonin anregen. Besonders kohlensäurehaltige Bäder sorgen zudem für ein wohliges Körpergefühl. Das klappt, weil Kohlensäure die Haut leicht durch­dringen kann und so die Durch­blutung anregt und den Kreis­lauf ankurbelt.

Haben Thermalbäder denn auch einen medizi­nischen Nutzen?

Thermalbäder gelten traditionell als wirk­sam bei Arthrose und chro­nischen Rücken­schmerzen, neuerdings auch bei Angst und Depression.

Viele können profitieren, doch ein paar Regeln sind zu beachten

Wenn ein Heil­mittel wirkt, hat es oft Neben­wirkungen. Welche Personen sollten mit Thermalbädern vorsichtig sein?

Es gibt kaum Risiko­gruppen und unerwünschte Wirkungen. Was die Wirkung heißen Wassers angeht, haben wir von der japa­nischen Forschung gelernt, dass Patienten mit vielen Herz-Kreis­lauf-Beschwerden sogar von Thermalbädern profitieren können. Früher wurde solchen Patienten vom Besuch von Thermalbädern oft abge­raten. Wichtig ist in jedem Fall, die Hinweise der Bäder­betriebe zu beachten und nicht zu lange im Wasser zu bleiben. Das gilt besonders für Eltern mit Klein­kindern. Klein­kinder dürften mit ins Thermal­wasser, doch die Eltern sollten bei geringsten Anzeichen von Über­hitzung wie einer Rötung der Haut oder Apathie mit ihren Kindern aus dem Wasser gehen. Personen mit geschwächtem Immun­system sollten wegen des Risikos einer Infektion Mehr­personenbäder meiden. Zur Vorsicht rate ich Patienten mit fort­geschrittener Nieren­schwäche bei stark salzhaltigen Bädern. Wer sich unsicher ist, ob ein Thermalbad gut tut, kann vorab mit einem in Bäderheil­kunde qualifizierten Arzt sprechen.

Über­nehmen die gesetzlichen Krankenkassen ganz oder teil­weise Kosten für Thermalbadbe­hand­lungen?

Wenn Thermalbäder im Rahmen einer Reha angeboten werden, zahlt der Kosten­träger, in den meisten Fällen also ein gesetzlicher Renten- oder Kranken­versicherer. Darüber hinaus kann man relativ unbürokratisch einen Zuschuss im Rahmen einer sogenannten offenen Badekur erhalten.

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