So kommen wir zu unseren Impf­einschät­zungen

Impfungen können vor lebens­gefähr­lichen Krankheiten wie Masern und Grippe schützen, aber auch Neben­wirkungen haben. Welche Impfungen sind über­haupt sinn­voll? Wo bestehen Risiken? Im Auftrag der Stiftung Warentest werten Wissenschaftler aktuelle Studien aus, die den Anforderungen der evidenzbasierten Medizin entsprechen. Daraus erfolgt eine Einschät­zung, ob eine Impfung der jeweiligen Zielgruppe nutzt.

Die Methodik

Wissenschaftler werten im Auftrag der Stiftung Warentest aktuelle und qualitativ hoch­wertige Studien zu Impfungen und den verfügbaren Impf­stoffen aus. Die Experten orientierten sich dabei an den Kriterien der evidenzbasierten Medizin. In die abschließende Einschät­zung fließt auch die klinische Expertise der Wissenschaftler ein. Bereits vorliegende Einschät­zungen aktualisiert die Stiftung Warentest, wenn es neue Erkennt­nisse gibt. Wichtig: In die Bewertungen der Stiftung Warentest fließen mehr Kriterien ein als bei den Zulassungs­behörden. Diese berück­sichtigen bei der Zulassung eines Impf­stoffs vorrangig den Nach­weis von Wirk­samkeit, Unbe­denk­lich­keit und pharmazeutischer Qualität. Die Impf­einschät­zungen der Stiftung Warentest können auch von denen der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts abweichen, deren Empfehlung allgemein als Richt­linie angesehen werden und die meist Grund­lage für die Kosten­erstattung einer Impfung durch die Krankenkassen sind. Auch die Stiko orientiert sich an den Methoden der evidenzbasierten Medizin.

Drei Bewertungs-Kategorien: sinn­voll, wenig sinn­voll, problematisch

Entscheidend bei den Impf­einschät­zungen der Stiftung Warentest ist einer­seits das Nutzen-Risiko-Verhältnis für den Einzelnen, anderer­seits fällt auch die epidemiologische Dimension ins Gewicht: Wie wirkt sich die Impfung größerer Bevölkerungs­gruppen auf die Entwick­lung der Krankheit in der Gesell­schaft aus? Die vorbeugende Wirk­samkeit eines Impf­stoffs gilt nur dann als erbracht, wenn mehrere Institutionen unabhängig voneinander unter wissenschaftlich anerkannten und repro­duzier­baren Bedingungen zu vergleich­bar positiven Ergeb­nissen gelangt sind. Die Stiftung Warentest hat drei Kategorien entwickelt, um die Wirkung und den Nutzen einer Impfung einzuschätzen:

  • Sinn­voll: Wird eine Impfung als „sinn­voll“ bewertet, bedeutet dies, dass ein Impf­stoff die Häufig­keit einer Erkrankung, Sterberaten und Komplikationen verringern kann. Zu dieser Kategorie zählen auch Impfungen, die größere Bevölkerungs­gruppen vor gefähr­lichen Krankheiten schützen und somit auch Risiko­gruppen, die nicht geimpft werden können. Dazu können etwa alte Menschen, Immun­schwache, Schwangere und Neugeborene gehören.
  • Wenig sinn­voll: Diese Einschät­zung erhalten beispiels­weise Impfungen gegen an sich harmlose Krankheiten sowie Impfungen, auf die das Immun­system nur unzu­reichend reagiert. In die Kategorie „wenig sinn­voll“ fallen auch Impfungen, bei denen die Daten­lage für die Zielgruppe unzu­reichend oder wider­sprüchlich ist.
  • Problematisch: Als „problematisch“ schätzen die Experten beispiels­weise Impfungen ein, durch die Kinder­krankheiten ins Erwachsenen­alter verschleppt werden oder die unerwünschte Auswirkungen auf andere Personen­gruppen haben können.

Die genaue Vorgehens­weise und die Kriterien für die Impf­einschät­zungen erläutern wir näher in unserem Methodenpapier zur Nutzeneinschätzung von Impfungen.

Auch Neben­wirkungen werden berück­sichtigt

Die einbezogenen wissenschaftlich hoch­wertigen Studien bieten nicht immer ausreichend Informationen zu seltenen, schwerwiegenden Neben­wirkungen. Das kann beispiels­weise daran liegen, dass die Studien­kollektive zu klein oder die Unter­suchungs­zeiträume zu kurz sind. Um diese Wissens­lücke zu schließen, nutzen die Impf­experten die Ergeb­nisse anderer Studien­typen oder Daten­pools wie Register und Spont­anmelde­systeme. Die Experten berück­sichtigen auch unerwünschte Wirkungen von Hilfs- und Zusatz­stoffen im Impf­stoff.

Die Experten

Seit Oktober 2015 erarbeitet die Pharmafacts GmbH als Auftrags­institut zu den einzelnen Impfungen Gutachten. Verantwort­liche Pharmazeuten am Auftrags­institut sind:

  • Professor Gerd Glaeske von der Abteilung Arznei­mittel­versorgungs­forschung an der Universität Bremen;
  • Dr. Judith Günther, Fach­apothekerin für Arznei­mittel­information in Freiburg.

Folgende Mediziner unterstützen die Erstellung der Gutachten:

  • Professor Winfried V. Kern, Leiter Infektiologie am Universitäts­klinikum Freiburg;
  • Professor Michael M. Kochen, von 1989 bis 2011 Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin an der Georg-August-Universität Göttingen;
  • Dr. Maria Beckermann, Gynäkologin in Köln, bei Impfungen im gynäkologischen Bereich.

Jetzt freischalten

TestThemenpaket Impfen15.03.2018
2,00 €
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 37 Seiten).

Wie möchten Sie bezahlen?

  • Unser Tipp
    test.de-Flatrate

    Freier Zugriff auf alle Testergebnisse und Online-Artikel für 7 € pro Monat oder 50 € im Jahr. Abonnenten von test oder Finanztest zahlen die Hälfte.

    Flatrate neu erwerben

  • Diesen Artikel per Kreditkarte kaufen
  • Diesen Artikel per PayPal kaufen
  • Diesen Artikel per Handy kaufen
  • Gutschein einlösen
Preise inkl. MwSt.
  • kauft alle Testprodukte anonym im Handel ein,
  • nimmt Dienstleistungen verdeckt in Anspruch,
  • lässt mit wissenschaftlichen Methoden in unabhängigen Instituten testen,
  • ist vollständig anzeigenfrei,
  • erhält nur rund 6 Prozent ihrer Erträge als öffentlichen Zuschuss.

Dieser Artikel ist hilfreich. 210 Nutzer finden das hilfreich.