Testament

Wenn Sie jemanden enterben wollen

Inhalt

Um jemanden zu enterben, ist ein Testament nötig. Darin können Sie anordnen, dass beispiels­weise eines Ihrer Kinder oder Ihr Partner von der Erbschaft ausgeschlossen sein soll. Es besteht auch die Möglich­keit, denjenigen, der leer ausgehen soll, im Testament einfach nicht zu bedenken. Das heißt: Sie benennen die anderen Erben und erwähnen denjenigen, der enterbt werden soll, nicht. Die Enterbung führt dazu, dass die enterbte Person von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen wird. An deren Stelle treten andere gesetzliche oder testamentarisch einge­setzte Erben.

Der Enterbte geht in der Regel nicht leer aus

Schließen Sie einen nahen Verwandten von der gesetzlichen Erbfolge aus, kann dieser einen Mindest­anteil am Nach­lass einfordern, den sogenannten Pflicht­teil. Dieser steht zum Beispiel Kindern, Ehepartner und Eltern zu – Geschwistern dagegen nicht. Der Pflicht­teil umfasst die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Die konkrete Höhe hängt vom Verwandt­schafts­verhältnis und der Zahl der Erben ab (Was ist der Pflichtteil?).

Pflicht­teil durch Schenken verringern

Den Pflicht­teils­anspruch können Vererbende Angehörigen nur unter engen, im Gesetz fest­gelegten Voraus­setzungen entziehen. Viele Menschen, die etwas zu vererben haben, suchen deshalb nach anderen Wegen, um ungeliebten Angehörigen nichts zukommen lassen zu müssen. Ein geeignetes Mittel ist es, bereits zu Lebzeiten Vermögen zu verschenken, um den späteren Nach­lass und damit den Pflicht­teil zu verkleinern.

Wer zu Lebzeiten Vermögen verschenkt, kann den Anspruch auf einen Pflicht­teil dadurch aber nicht beliebig aushöhlen. Die meisten Schenkungen, die jemand in den letzten zehn Jahren vor seinem Tod veranlasst hat, werden zu seinem Nach­lass gezählt und erhöhen so den Pflicht­teils­anspruch. Davon ausgenommen sind lediglich kleinere Geschenke, zum Beispiel zur Hoch­zeit.

Wann Schenkung für Pflicht­teil keine Rolle mehr spielt

Je länger eine Schenkung zurück­liegt, desto geringer ist der Wert­anteil, der in die Berechnung des Pflicht­teils einfließt. Wer also früh genug mit dem Schenken anfängt, kann den Pflicht­teil verkleinern oder sogar ganz loswerden. Verstirbt der Schenker im ersten Jahr nach der Schenkung, fließt deren Gesamt­wert in die Berechnung ein. Stirbt der Schenker im zweiten Jahr nach der Schenkung, sind es 90 Prozent des Wertes, im dritten Jahr 80 Prozent, und so weiter. Nach zehn Jahren spielt die Schenkung für den Pflicht­teil keine Rolle mehr.

Manchmal beginnt Frist nicht zu laufen

Für verschenkte Immobilien gilt: Hat sich der ehemalige Eigentümer zum Beispiel einen Nieß­brauch, also ein Wohn- beziehungs­weise Nutzungs­recht, vorbehalten, läuft die Frist nicht (siehe auch Vererben oder verschenken? So finden Sie den richtigen Weg!). Das Haus oder die Wohnung zählt bei der Berechnung des Pflicht­teils mit – selbst wenn seit der Schenkung bereits zehn Jahre vergangen sind. Die Frist läuft ebenso wenig, wenn sich Ehepartner gegen­seitig Geschenke machen, etwa um den Pflicht­teil vor- oder außer­ehelicher Kinder zu verkleinern. Sie beginnt erst, wenn die Ehe aufgelöst ist.

Tipp: Wie Sie den Wert Ihrer Immobilie korrekt ermitteln, sich in einem verschenkten Haus das eigene Wohn­recht sichern und verhindern, dass Ihr Ex-Partner Zugriff auf das Haus erhält, erläutern wir ausführ­lich in unserem Ratgeber Immobilien verschenken und vererben.

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