Testament

Erben­gemeinschaft: Streit unter Erben vermeiden

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Mehrere Erben bilden auto­matisch eine Erben­gemeinschaft. Deren Grund­prinzip lautet: Allen gehört alles. Das bedeutet: Über den Nach­lass verfügen können nur alle Erben der Gemeinschaft zusammen. Das birgt ein gewisses Konflikt­potenzial. Bis auf wenige Ausnahmen ist es Sinn und Zweck jeder Erben­gemeinschaft, sich auseinander­zusetzen. Das heißt, dass sich die Erben darüber einigen, wie das Erbe verteilt werden soll. Im Ideal­fall gelingt das einvernehmlich, dann löst sich die Erben­gemeinschaft schnell wieder auf. In anderen Fällen ist der Weg zu einer Einigung schwierig. Wer erst gar nicht Mitglied einer Erben­gemeinschaft werden will, muss sein Erbe ausschlagen.

Nach­lass gehört den Erben gemein­sam

Der Nach­lass des Verstorbenen geht auf alle Miterben über. Dazu ein Beispiel: Hubert Meier setzt seine beiden Kinder Frank und Andrea testamentarisch als Erben ein. Er hinterlässt ihnen ein Auto und ein wert­volles Gemälde. Beides gehört seinen Kindern gemeinschaftlich. Folg­lich erbt nicht Frank das Auto und Andrea das Gemälde oder umge­kehrt, sondern beide beides. Das hat zur Folge, dass jeder Miterbe nur über seinen Gesamt­anteil an der Erben­gemeinschaft verfügen kann, nicht aber über seinen Anteil an einzelnen Nach­lass­gegen­ständen. Möchte etwa Frank das Auto des Vaters veräußern, kann er dies nur, wenn auch Andrea mit dem Verkauf einverstanden ist.

Tipp: Alle wichtigen Fragen zu Nach­lass, Steuer und Erben behandelt unser Ratgeber Vererben und Erben. Das Buch wendet sich sowohl an Erben als auch an jene, die etwas vererben wollen.

Erbe kann gesamten Anteil am Nach­lass veräußern

Im Gegen­satz zum Verkauf einzelner Gegen­stände kann ein Erbe seinen gesamten Anteil am Nach­lass sehr wohl veräußern. Den Verkauf muss ein Notar beur­kunden. Soll ein Außen­stehender den Anteil kaufen, können die Miterben eingreifen und ein Vorkaufs­recht geltend machen. Auf diesem Weg würden sie gemein­sam den Anteil desjenigen, der veräußern möchte, erhalten. Dafür haben die Miterben zwei Monate Zeit – gerechnet ab dem Moment, in dem sie über den geplanten Ausstieg informiert worden sind. Nehmen die Miterben ihr Vorkaufs­recht nicht wahr, tritt der Käufer in die Rechts­stellung des bisherigen Erben ein und gehört nun der Erben­gemeinschaft an. Dasselbe gilt, wenn ein Dritter einen Anteil am Nach­lass geschenkt bekommt. Wichtig: Will ein Miterbe seinen Erbanteil verschenken, können die anderen das nicht durch ein Vorkaufs­recht verhindern.

Stimm­recht entsprechend der Erbquote

Die Erben­gemeinschaft muss gemein­same Entscheidungen treffen. Sind sich die Erben nicht einig, wird abge­stimmt. Bei Abstimmungen zählt nicht jeder Miterbe gleich, sondern entsprechend seiner Erbquote, das heißt seinem Anteil am Nach­lass. Für die Abstimmung ist keine Form vorgeschrieben.

Detaillierte Rege­lungen treffen

Die bisherige Darstellung zeigt deutlich, dass eine Erben­gemeinschaft viel Konflikt­potenzial bietet. Als Vererbende oder Vererbender können Sie Streit vermeiden, indem Sie genau verfügen, wie der Nach­lass verteilt werden soll. Das Gesetz sagt nur, wer erbt und wie viel – jedoch nicht, wie die Erben das Vermögen verwalten und aufteilen sollen. Sie können dafür eine Teilungs­anordnung treffen, mit der Sie konkret fest­legen, welcher Erbe welchen Gegen­stand bekommen soll, also zum Beispiel einer das Haus, der andere das Auto.

Testaments­voll­stre­cker einsetzen

Um Streit zu vermeiden, können Sie auch einen Testaments­voll­stre­cker einsetzen, der den Nach­lass verwaltet und aufteilt. Der Testaments­voll­stre­cker muss kein Anwalt sein, sollte aber recht­liche und wirt­schaftliche Kennt­nis haben.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 04.07.2022 um 08:57 Uhr
Halbgeschwister

@Suchende: Liegt ein Testament vor, steht dort, wer Erbe des gemeinsamen Vaters wird. Liegt kein Testament vor, gehören die Söhne und Töchter aus der ersten und zweiten Ehe zu den Erben der 1. Ordnung und stehen gleichberechtigt nebeneinander und bilden eine Erbengemeinschaft.
Hat der Vater im Testament seine Kinder aus der 1. Ehe nicht als Erben bedacht, können diese gegenüber den testamentarischen Erben ihren Pflichtteil innerhalb von drei Jahren nach Kenntnis vom Tod des Vaters geltend machen (Hälfte des gesetzlichen Erbanteils).
Beim Tod der Stiefmutter ist zu beachten, dass nur ihre leiblichen Kinder zu ihren gesetzlichen Erben gehören. Haben die Kinder aus der 1. Ehe ihres verstorbenen Ehemannes ihren Pflichtteil bei dessen Tod nicht geltend gemacht, gehen diese beim Tod der Stiefmutter leer aus, es sei denn, eine testamentarische Verfügung z.B. in Form eines Berliner Testaments, bestimmt sie als Erben oder Vermächtnisnehmer.
Stiefkinder gehören nicht zu den gesetzlichen Erben des Stiefvaters, bzw. der Stiefmutter, da kein direktes (leibliches) Verwandtschaftsverhältnis zwischen ihnen besteht.

Suchende am 03.07.2022 um 10:45 Uhr
Stiefkinder

Mein Vater hat noch einmal geheiratet und hat einen weiteren Sohn aus dieser Ehe. Was passiert wenn erst er und dann ein paar Jahre später seine zweite Frau stirbt, mit dem Erbe? Wer erbt in diesem Fall?

Profilbild Stiftung_Warentest am 14.03.2022 um 09:53 Uhr
Pflichtteilsanspruch

@MintCondition: Der Pflichtteilsanspruch ist bei einer Erbengemeinschaft gegenüber allen Erben geltend zu machen. Die Erbschaftssteuer hat der Pflichtteilsberechtigte zu bezahlen. Die Erbschaftssteuer reduziert den Wert des Pflichtteils nach dessen Auskehrung, jedoch nur insoweit der Wert des Pflichtteils die Höhe des Steuerfreibetrages übersteigt. Der Freibetrag für pflichtteilsberechtigte Kinder liegt bei 400 000 €.

MintCondition am 13.03.2022 um 15:03 Uhr
Steuerabzug

Liebes StiWa Team,
ich weiß, es gibt hier keine individuelle Rechtsberatung, aber ich denke meine Frage kann für viele von Interesse sein. Ich würde gern wissen, wie der Anspruch eines enterbten Pflichtteilsberechtigten erfüllt bzw. verteilt wird. Angenommen sein Pflichtteil beträgt 25%, hat er dann einen Anspruch von 25% Auszahlungsanspruch an jeden (verbliebenen) Erbnehmer? Und wird die ggf. anfallende Erbschaftssteuer bei den vorgenannten Erbnehmern dann vor oder nach Abzug der 25% berechnet?

MKJlo am 04.12.2021 um 09:23 Uhr

Kommentar vom Administrator gelöscht. Grund: wegen Verstoß gegen die Netiquette