Testament Special

Die Frau darf mit ­ihrem Vermögen tun, was sie will. Sie kann ihr Haus schon zu Lebzeiten dem Nachbarn schenken, der ihr immer hilft.

Jeder kann selbst bestimmen, wer einmal was aus seinem Besitz erben soll. Er muss es nur richtig aufschreiben.

Wer keine Adelige heiratet, erbt auch nichts. So wollte noch 1938 Kronprinz Wilhelm von Preußen, der Sohn des letzten deutschen Kaisers, seinen Nachkommen ­eine standesgemäße Heirat vorschreiben. Erben des Kronprinzen wehrten sich im Jahr 2004 aber erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht gegen diese Ehevorschriften.

Die meisten Menschen stellen nicht so absurde Ansprüche an ihre Erben wie der Kronprinz. Aber auch sie wünschen sich, dass ihr Besitz in die richtigen Hände gerät: Mein Nachbar hat mich stets gepflegt, er soll mein Häuschen erhalten. Oder: Meine Frau soll zunächst alleine erben, meine Kinder erst, wenn wir beide tot sind.

Solche Wünsche kann jeder durchsetzen. Er muss nur ein gut durchdachtes und sauber formuliertes Testament schreiben. Dann wird ihm auch kein Gericht einen Strich durch die Rechnung machen.

Liegt kein Testament vor, wird das Vermögen eines Verstorbenen ausschließlich nach den gesetzlichen Regeln verteilt. Die Kinder des Verstorbenen erben dann zum Beispiel zu gleichen Teilen. Vielleicht wollte er aber, dass sein Sohn weniger erbt als seine Tochter. In einem Testament hätte er dies und vieles andere regeln können.

Mein Enkel soll die Bücher aus ­meiner Hausbibliothek bekommen.

Der Besitzer der Bücher erreicht das, indem er im Testament ein Vermächtnis ­anordnet. So kann eine beliebige Person einen bestimmten Gegenstand bekommen, ohne Erbe am Nachlass zu werden.

Alles Mögliche kann damit vermacht werden, etwa Geld, Grundstücke oder das Recht, ein Eigenheim zu nutzen.

Die Bibliothek wird für den Enkel aus dem Nachlass herausgeholt. Das Vermächtnis mindert den Nachlass, also das was die im Testament eingesetzten Erben bekommen.

Ein Vermächtnis bietet auch die Möglichkeit, einen Erben zu bevorzugen.

Beispiel: Ein Sohn bekommt vom Vater schon zu Lebzeiten ein Darlehen für die Ausbildung zum Metzgermeister. Im Testament bestimmt der Vater in Form eines Vermächtnisses, dass im Falle seines Todes der Sohn das Geld nicht zurückzahlen muss. Zudem sollen Sohn und Tochter zu gleichen Teilen Erbe werden. Unterm Strich erhält der Sohn mehr als seine Schwester.

Meine Kinder erben zu gleichen ­Teilen. Ralf erhält das Haus, Ulla die Aktien und ­Paul den Porsche.

Eine Teilungsanordnung im Testament hilft, Streit zu vermeiden. Ohne diese Anordnung würden die Kinder Haus, Aktien und Porsche gemeinsam erben und müssten alles selbst verteilen. So aber bekommt jedes Kind aus dem Vermögen des Verstorbenen eine bestimmte Sache, bezogen auf die ganze Erbschaft aber in jedem Fall ein Drittel des gesamten Nachlasswertes.

Bei der Ermittlung des Erbschaftswertes, werden die verteilten Sachen anders als beim Vermächtnis mitgerechnet. Hat Ralf wegen des Grundstücks mehr als ein Drittel des Nachlasses zugeteilt bekommen, muss er die Geschwister auszahlen.

Der Vater kann im Testament aber auch anordnen, dass die Kinder Ungerechtigkeiten nicht ausgleichen müssen. Dann erben Ralf, Ulla und Paul jeweils ihren Gegenstand und nur alles Übrige zu gleichen Teilen als Erbengemeinschaft.

Hat der Verfasser des Testaments eine Teilungsanordnung getroffen, dürfen die Erben nach seinem Tod trotzdem anders verteilen, wenn sie sich einig sind. Das kann er aber verhindern, indem er zum Beispiel die Kinder nur unter der Bedingung zu Erben macht, dass sie sich an die vorgegebene Verteilung der Sachen halten.

Dem Tierheim vermache ich 5 000 Euro mit der Auflage, dafür meinen Pudel aufzunehmen und zu pflegen.

Mit einer Auflage im Testament kann ein Tierliebhaber erreichen, dass ein Tier über seinen Tod hinaus versorgt wird. Um ­sicherzustellen, dass eine Auflage erfüllt wird, kann ein Testamentsvollstrecker im Testament eingesetzt werden, der die ­Erfüllung überwacht (siehe „Unser Rat“).

Im Testament können auch Sanktionen festgesetzt werden. Zum Beispiel so: Das Erbteil meines Sohns vermindert sich, wenn er mein Grab nicht pflegt.

Der Verfasser des Testaments kann einen Menschen auch unter einer Bedingung als Erben einsetzen: „Mein Sohn Andreas wird nur Erbe, wenn er zum Zeitpunkt meines Todes sein Studium erfolgreich abgeschlossen hat.“

Mein Ehepartner soll alles allein ­erben. Erst wenn wir beide tot sind, erben die Kinder zu gleichen Teilen.

Häufig wollen Ehepartner sich in einem Testament zunächst gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Deswegen machen sie ein gemeinschaftliches Testament. Das dürfen nur Eheleute und eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner tun.

Nichtverheiratete Paare können nur jeder für sich ein Testament schreiben. Die einzige Möglichkeit für sie, gemeinsame Verfügungen festzulegen, ist ein Erbvertrag, den die beiden vor einem Notar schließen.

Durch das gemeinsame Testament wird eine Ehefrau Alleinerbin des Nachlasses ­ihres Mannes. Eine Erbengemeinschaft mit den Kindern bleibt ihr erspart.

Will das Paar zusätzlich regeln, wer nach dem Tod beider erben soll, machen sie ein Berliner Testament, eine Sonderform des gemeinschaftlichen Testaments: Karin und ihr Mann haben festgelegt, dass nach dem Tod der Eltern die Kinder zu gleichen Teilen erben. Karins Mann hat den Text formuliert und beide haben unterschrieben.

Auch für kinderlose Ehepaare ist ein Berliner Testament sinnvoll, um festzulegen, wer später erben soll. Regeln sie nichts, fällt das Erbe in den Familienzweig des zuletzt Verstorbenen, zum Beispiel an dessen Eltern oder Geschwister.

Solange beide Partner noch leben, kann ein gemeinschaftliches Testament nur einstimmig geändert werden. Will ein Partner gegen den Willen des anderen nicht mehr am gemeinsamen Testament festhalten, muss er es bei einem Notar widerrufen. Ist einer der Partner aber bereits gestorben, kann der andere das Testament nicht mehr widerrufen.

Ihm bleibt allenfalls die Möglichkeit, das Erbe des verstorbenen Partners auszuschlagen. Dann kann er wenigstens wieder über den eigenen Nachlass verfügen und ein neues eigenes Testament schreiben.

Um es dem Überlebenden einfacher zu machen, kann das Paar im gemeinschaft­lichen Testament aber auch bestimmen, dass er es später verändern darf.

Mit einem gemeinschaftlichen Testament kann der überlebende Ehegatte voll über das Erbe des Verstorbenen verfügen.

Beispiel: Karin benötigt das Vermögen ihres verstorbenen Ehemanns, weil sie jahrelang als Hausfrau gearbeitet hat und kein eigenes Einkommen hat, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Sie darf als Alleinerbin das Vermögen sogar komplett ausgeben. Ihre Kinder bekämen dann nach ihrem Tod nichts.

Manche Ehepaare wollen aber auf jeden Fall, dass vom Nachlass etwas bei den eigenen Kindern ankommt. Im Testament wird der überlebende Partner deswegen in seinen Verfügungsmöglichkeiten beschränkt, indem er nur als Vorerbe eingesetzt wird und die Kinder als Nacherben.

Wenn die Alleinerbin Karin gleichzeitig Vorerbin ist, kann sie zum Beispiel nicht mehr das vom Ehemann geerbte Haus mit einer Hypothek belasten oder gar verkaufen. Karin darf allerdings den Nutzen aus dem Haus ziehen. Sie darf darin wohnen oder das Haus vermieten und die Miete ­behalten. Wenn Karin stirbt, gebührt das Grundstück und die Immobilie aber den Nacherben.

Hat Karin das Grundstück ihres verstorbenen Ehemanns trotzdem verkauft, können die Kinder es nach Karins Tod vom Käufer zurückverlangen.

Ein Ehepaar kann dem überlebenden Partner auch mehr Freiraum geben und ihn zum befreiten Vorerben machen. Dann darf er alles aus dem Nachlass verkaufen. Nicht gestattet ist ihm jedoch, den Nachlass einfach zu verschenken oder die Erbschaft absichtlich zum Nachteil der Nacherben zu vermindern.

Heiratet meine Frau Karin nach meinem Tod wieder, soll der Mann von meinem Nachlass nichts erhalten.

Viele wollen nicht, dass ihr Nachlass in fremde Hände gelangt. Sie schreiben eine Wiederverheiratungsklausel in ihr Testament: „Meine Frau ist Vorerbin, meine Kinder Nacherben. Der Nacherbfall tritt bei ihrem Tod ein und auch, wenn sie erneut heiratet.“

Eine solche Klausel trifft die überlebende Ehefrau Karin hart. Denn das Haus ihres Mannes, in dem sie wohnt, ginge mit ihrer erneuten Heirat direkt an die Kinder.

Karins Mann könnte ihr auch erlauben, trotz Wiederheirat wenigstens im Haus weiter zu wohnen. Oder er macht Karin zur Alleinerbin des Hauses und vermacht den Kindern für den Fall der Wiederheirat als Ausgleich Geld in Höhe ihres gesetzlichen Erbteils. Dann muss sie die Kinder auszahlen, sobald sie erneut geheiratet hat.

Mein Sohn Ralf ist enterbt, weil er Medizin statt Jura studiert hat.

Ein Vater kann seinen Sohn oder seine Ehefrau im Testament zwar enterben. Er verhindert damit aber nicht, dass sie ihren Pflichtteil erhalten.

Der Pflichtteil ist halb so groß wie das Erbe, das den Berechtigten zustehen würde, wenn kein Testament exis­tierte. Er wird immer in Geld ausbezahlt.

Selten kann ein Vater den Pflichtteil seinem Sohn ganz entziehen. Das geht nur, wenn dieser gegen ihn ein Verbrechen begangen hat oder wenn er einen unsittlichen Lebenswandel führt. Das Falsche zu studieren, fällt nicht darunter.

Manchmal hat sich ein naher Angehöriger erheblich verschuldet oder er lebt so verschwenderisch, dass der Verfasser des Testaments befürchten muss, später könnten Gläubiger den Nachlass übernehmen. Dann kann er den Pflichtteil des Schuldenmachers ausdrücklich beschränken.

Das Erbe wird dann zum Beispiel für die Kinder des Verschwenders aufgehoben. Der Erblasser kann aber auch einen Testamentsvollstrecker benennen, der den Nachlass für den Verschwender verwaltet.

Unsere Kinder sollen ihren Pflichtteil erst erhalten, wenn wir, die ­Eltern, beide gestorben sind.

Auch wenn ein Elternteil zunächst Alleinerbe wird, behalten die Kinder ihr Recht auf den Pflichtteil. Ist der Vater verstorben, muss die Mutter die Kinder somit aus­zahlen. Kann sie das nicht, muss sie ein ­geerbtes Haus zum Beispiel beleihen oder verkaufen.

„Mit einer Pflichtteilstrafklausel im Testament können die Eltern dafür sorgen, dass es für die Kinder unattraktiv wird, ihren Pflichtteil gegenüber dem überlebenden Elternteil geltend zu machen“, sagt Rechtsanwalt Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und ­Vermögensnachfolge in Angelbachtal bei Heidelberg.

Die Klausel könnte lauten: „Fordert eines unserer Kinder nach dem Tod des erstversterbenden Ehegatten gegen dessen Willen bereits seinen Pflichtteil, bekommt es, sobald auch der andere Elternteil gestorben ist, nur einen Pflichtteil.“ Für die Kinder ist es dann mitunter besser, auf das Erbe nach dem Tod beider Eltern zu warten, als zweimal den Pflichtteil zu erhalten.

Eine Alternative zur Strafklausel: Die Kinder erklären den Pflichtteilsverzicht. Sie werden sich aber oft nur gegen eine Abfindung darauf einlassen.

Das Haus bekommt schon vor ­meinem Tod mein Nachbar, der mich stets gepflegt hat.

Mancher verschenkt schon zu Lebzeiten sein Vermögen, zum Beispiel um ungeliebte Angehörige leer ausgehen zu lassen. Hat einer sein Haus schon zehn oder mehr Jahre vor seinem Tod dem Nachbarn geschenkt, können selbst die Pflichtteilsberechtigten es nicht mehr beanspruchen.

Schenkungen, die noch keine zehn Jahre alt sind, können den Pflichtteil dagegen meist nicht aushöhlen. Im Beispiel könnten die Kinder des Verstorbenen dann vom Nachbarn den Geldbetrag verlangen, um den ihr Pflichtteil durch die Schenkung des Hauses vermindert wurde.

Einen Ausgleich für kleinere Geschenke etwa anlässlich einer Konfirmation können sie aber nicht verlangen.

Und auch an größere Geschenke wie ein Haus kommen umgangene Kinder nicht mehr heran, wenn der Verfasser des Testaments aus einer sittlichen Pflicht heraus geschenkt hat. Eine Pflichtschenkung könnte dann vorliegen, wenn jemand ein Grundstück als Dank für langjährige kostenlose Pflege verschenkt oder einen verarmten Verwandten finanziell unterstützt.

Mein Exmann soll nach meinem Tod auf keinen Fall das Geld aus meiner Lebensversicherung erhalten.

Im Lebensversicherungsvertrag kann der Versicherungsnehmer eine Person bestimmen, die im Todesfall die Versicherungssumme bekommen soll. Ist der Ehemann als Bezugsberechtigter genannt, bekommt er selbst dann das Geld, wenn das Paar im Todesfall schon lange geschieden ist.

Mit dem Tod fällt die Versicherungssumme nicht in die Erbmasse. Wer eine Bezugsberechtigung ändern will, muss dies immer direkt dem Versicherer mitteilen. Eine Änderung im Testament ist ohne Wirkung, wenn der Versicherer davon nicht vor dem Tod erfahren hat.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1391 Nutzer finden das hilfreich.