Sie filmen Einbrecher auf frischer Tat oder werfen zu Hause schlicht ein Auge auf Kinder und Katze. Drei Kameras machen Neugierigen allerdings das Spionieren sehr leicht.

Eine Bewegung, ein Geräusch – und schon springt die Über­wachungs­kamera an. Sie zeichnet auf, was sich gerade im Garten oder Wohn­zimmer abspielt, und sendet einen Alarm, zum Beispiel aufs Smartphone. Das verhindert keinen Einbruch, schreckt vielleicht aber Diebe ab. Es nährt ebenso die Hoff­nung auf einen Fahndungs­erfolg der Polizei.

Über­wachungs­kameras beruhigen auch Urlauber, die hunderte Kilo­meter entfernt via Handy das traute Heim checken, sie informieren Eltern über die Rück­kehr der Kinder nach der Schule oder helfen bei der Betreuung von Personen mit Einschränkungen. Winken sie in die Kamera, alarmiert das Gerät die Vertrauens­person.

„Sicher­heits­produkte“ oft unsicher

Neun Kameras für Innenräume haben wir geprüft und sieben weitere, die für den Einsatz im Freien robust genug sind. Alle brauchen eine Internet­verbindung, es sind „IP-Cams“. Das eng­lische Kunst­wort vereint das Kürzel IP für Internet Protocol und Cam für Kamera. Am billigsten ist ein 34-Euro-Modell nur für Innenräume, die teuerste ist eine Außenkamera. Sie kostet 315 Euro.

Das Test­ergebnis ernüchtert: Keine schützt die Privatsphäre gut. Nur zwei zeichnen Videos sowohl im Hellen als auch nachts ansehnlich auf. Nur eine lässt sich besonders einfach hand­haben. Das ist bedauerlich, denn Funk­tionen wie etwa eine Cloudanbindung zum Speichern von Aufzeichnungen sind nicht trivial. Alles in allem fanden wir nur vier gute Über­wachungs­kameras.

Hacker haben leichtes Spiel

So schön der Blick via App in den eigenen Garten oder das Wohn­zimmer auch ist, er muss vor Angreifern sicher sein. Nur die D-Link-Kamera für draußen sichert gut. Allerdings über­trägt ihre App Nutzer­name und Pass­wort für die Anmeldung unver­schlüsselt – deshalb empfehlen wir die Kamera nicht. Ausgesprochen unsicher sind beide Instar-Kameras und die Technaxx. Deren Anbieter geben triviale Anmelde­daten vor, „admin“ als Nutzer­name und „instar“ oder „admin“ als Pass­wort. Zudem lassen sie wie die meisten Kameras im Test unnötige Netz­werk­zugänge offen. So etwas knacken Hacker noch im Nacht­zeug vor dem Frühstück.

Sicher­heits­bewusste Nutzer vergeben individuelle Anmelde­daten. Techniklaien sollten dazu aufgefordert werden, wenn sie die Kamera einrichten. Das machten die Apps von Instar und Technaxx nicht. Das ist fatal: Fremde können unsichere Über­wachungs­kameras über­nehmen und ihre Besitzer ausspähen. Die Website Insecam.org zeigt es: Im Test­zeitraum sahen wir etwa in Schlaf­zimmer in Asien und auf eine Auto­einfahrt in Mann­heim. Die IP-Cam verrät, wann die Hausbe­wohner ihr Grund­stück verlassen – eine Einladung für Einbrecher.

Alles andere als scharf

Hoch­glanzfotos waren das nicht. Auch im Test über­zeugte die Bild­qualität der Über­wachungs­videos bei kaum einer Kamera. Die besten Videos lieferten Netatmo Presence und Netgear Arlo Q Plus. Die Edimax fing in unserem Test­szenario Gesichter fast ohne individuelle Züge ein, sie waren auch verwischt und verfärbt. Da hätte selbst eine Mutter Probleme, ihren Sohn wieder­zuerkennen. Die anderen Kameras liefern immerhin brauch­bare Aufnahmen.

Unser Rat

Die beste Über­wachungs­kamera für Innenräume ist Netgear Arlo Q Plus (199 Euro). Tags­über macht sie gute Bilder, bei wenig Licht sehr gute. Die beste Kamera für draußen ist Nest Cam Outdoor (169 Euro). Sie ist am einfachsten zu hand­haben – die Cloud zum Speichern von Über­wachungs­videos ist aber nur 30 Tage gratis. Bessere Bilder und ein abschre­ckendes Flutlicht liefert Netatmo Presence (280 Euro).

Nur der eigene Grund und Boden

Im Außen­bereich darf die Über­wachung nur den eigenen Grund und Boden erfassen (FAQ Private Videoüberwachung). Im Haus müssen sich die Familien­mitglieder über den Einsatz der Kamera einigen. Am besten bleibt sie ausgeschaltet, sobald jemand zu Hause ist. Eine Alternative sind „Privatzonen“, von der Über­wachung ausgenom­mene Bereiche – auch außen. Diese Funk­tion bieten die Kameras Abus, D-Link DCS-2330L, beide Instar, Netatmo Presence und Technaxx. Nutzer können sie für fest­gelegte Bereiche regelrecht verblinden. Sie markieren die Stelle im Menü und sehen dann dort eine schwarze Fläche. Bei drei Kameras stießen wir auf eine nette Anwesen­heits­automatik: Die Nest – der Anbieter gehört wie Google zum US-amerikanischen Alphabet-Konzern – und beide Netgear deaktivieren die Über­wachung, sobald sie das Smartphone mit der Steuerungs-App zu Hause orten. Geofencing heißt diese Funk­tion. Das Wort setzt sich aus den eng­lischen Wörtern Geographic und Fence (Zaun) zusammen. Nutzer lösen beim Über­schreiten einer Grenze eine Aktion aus – hier das An- und Abschalten der Über­wachungs­kamera beim Verlassen oder Betreten des als Zuhause fest­gelegten Stand­orts. Der Komfort hebt aber ein Stück Privatsphäre auf, das Smartphone muss für Geofencing permanent Stand­ortdaten ermitteln. Besser wäre es, die Kamera über das Ein- und Ausbuchen des Smartphones im heimischen WLan zu steuern, ohne Stand­ortverfolgung.

Fehl­alarme vermeiden

Für ungeübte Nutzer ist die Funk­tions­fülle eine Heraus­forderung. Erst recht bei Systemen für den Einsatz mehrerer Kameras (Abus, Instar, Netatmo, Netgear Arlo Pro, Technaxx) sowie bei Kameras für Sicher­heits­netz­werke mit Sensoren etwa an Türen und Fens­tern (Instar IN-5905, Netatmo). Allein für die Bewegungs­erkennung sind mehr als 20 Details wichtig: zum Beispiel Geofencing, die Tier- und Fahr­zeug­erkennung, um Fehl­alarme zu vermeiden, oder das Einstellen eines Schwellen­werts fürs Mikrofon, damit nicht jedes Miau einen Alarm auslöst. Einen vergleich­baren Aufwand erfordern die Kamera­einstel­lungen, etwa für Auflösung und Privatzonen. Nutzer müssen oft auch den Ort der Daten­aufzeichnung fest­legen: Das kann eine Speicherkarte oder ein USB-Speicher sein oder ein Cloud­dienst.

Cloud nutzen

Immer im Bild. Die Video­über­tragung kostet binnen weniger Minuten Dutzende Megabyte Daten.

Einige Kameras speichern ihre Aufnahmen stan­dard­mäßig in der Cloud, auf Servern von Amazon. Foscam und Instar kontaktieren auch Internet­server chinesischer Unternehmen. Vorteil eines Cloudspeichers: Aufzeichnungen sind auch verfügbar, wenn Einbrecher die Kamera mitnehmen. In abge­speckten Varianten sind die Clouds oft kostenfrei. Vielen Nutzern sollte das genügen: Foscam speichert zeitlich unbe­grenzt 30 Videos oder 100 Bilder, Netgear ein sattes Gigabyte, aber nur für eine Woche. Abomodelle mit mehr Platz und längerer Speicherdauer kosten ab etwa 80 Euro jähr­lich.

Noch mehr Daten­schutz könnte ein eigener Server bieten – im Fachjargon NAS für netz­werk­basierter Speicher. Ihn einzurichten, erfordert jedoch IT-Kennt­nisse.

Gesichter erkennen – oder auch nicht

Netatmo für drinnen bietet eine Gesichts­erkennung. In einem kurzen Lern­prozess weisen Nutzer den Personen Namen zu und dass der Alarm bei ihnen entfallen kann. Fortan registriert die Kamera, wen sie sieht. Alarm schlägt sie, je nach Einstellung, nur noch bei Fremden. Das klappt aber nicht immer. Hält sich ein Einbrecher zum Beispiel ein Foto des Hausbe­wohners vors Gesicht, passiert nichts. Steht jedoch der Fernseher im Sicht­feld der Kamera, schlägt sie bei groß einge­blendeten Gesichtern Alarm. Für die Tester eher lustig, im Alltag einfach nervig. Das heißt: Kamera aus, wenn jemand zu Hause ist.

Dieser Artikel ist hilfreich. 80 Nutzer finden das hilfreich.