Tür­schlösser

Tür­schlösser: Welche Schließ­zylinder Atta­cken sehr gut über­stehen

25.10.2017
Tür­schlösser - Welche Schließ­zylinder Atta­cken sehr gut über­stehen
Bohr­prüfung. Ein Bohr­schutz soll Angriffe wie diesen vereiteln. © F. Generotzky

Die besten Schließ­zylinder halten Einbruch­versuchen sehr gut stand. Vielen Modellen fehlen verständliche Angaben zu wichtigen Sicher­heits­merkmalen.

Tür­schlösser Testergebnisse für 12 Schließ­zylinder 11/2017

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Knapp jeder zweite Einbruch­versuch in Mehr­familien­häusern zielt auf die Wohnungs­tür ab. Manchmal greifen Einbrecher das Türschloss selbst an und gehen brutal vor: Sie bohren es auf, zerstören den Schließ­zylinder mit Zugkraft, brechen oder drehen ihn aus dem Schloss heraus.

Für den Test haben unsere Prüfer sowohl rabiate als auch „feine“ Methoden der Einbrecher angewendet – an zwölf Schließ­zylindern, die 14 bis 92 Euro kosten. Test­ergebnis: Die Hälfte der Modelle wehrte sich erfolg­reich gegen die Einbruch­versuche. Insgesamt am besten schneiden die Schließ­zylinder von Dom und Kaba ab. Die schlechteren der Zwölf sind schnell zerstört und dann einfach zu öffnen. Vier sind in der Einbruchhemmung und insgesamt mangelhaft.

Jenseits der Test­ergeb­nisse können Verbraucher zuver­lässige und wenig widerstands­fähige Zylinder im Handel kaum unterscheiden. Die Kenn­zeichnung der Produkte verwirrt, einige im Test tragen keine Angaben zu Bohr- und Zieh­schutz – den wichtigsten Eigenschaften wehr­hafter Schließ­zylinder.

Unser Rat

Testsieger ist der sehr gute Schließ­zylinder von Dom, für den wir 77 Euro zahlten, gefolgt von Kaba (91,50 Euro). Beide bieten erhöhten Schutz vor Aufbohren und Heraus­ziehen. Auch der Iseo für nur 30 Euro schützt sehr zuver­lässig vor beidem; Mängel bei der Kenn­zeichnung verhageln ihm das test-Qualitäts­urteil.

Wann sich der Austausch empfiehlt

Kriminal­haupt­kommis­sar Georg von Strünck vom Landes­kriminal­amt Berlin berät Bürger, die ihr Heim gegen Einbrecher rüsten wollen. Er empfiehlt einen neuen Zylinder einzubauen, wenn der Schlüssel abhandenge­kommen ist. „Sofort handeln sollten Sie, wenn zum Beispiel die Hand­tasche mit Schlüssel und Adress­dokumenten geklaut wurde.“

Steht ein Umzug in eine neue Wohnung an, legt der Kommis­sar ebenfalls nahe, den Zylinder zu tauschen. Der Original­zylinder muss beim Auszug wieder einge­baut werden, wenn der Vermieter es verlangt. „Sicher ist der neue Zylinder, wenn er gegen intelligente Öffnungs­methoden gewappnet ist und einen Zieh- und Bohr­schutz hat, wie ihn zum Beispiel die VdS-Klassen AZ und BZ fordern.“ Dieses Zertifikat der privaten Initiative „Vertrauen durch Sicherheit“ (VdS) stuft die Sicherheit in Klassen ein (siehe Einblick in die verwirrende Welt der Kennzeichnung).

Tür­schlösser Testergebnisse für 12 Schließ­zylinder 11/2017

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Drei Minuten sind gut

Manche Einbrecher öffnen das Schloss, indem sie mit einer Bohr­maschine den Schließ­zylinder zerstören. Verspricht ein Anbieter Bohr­schutz, sollte sein Produkt standhalten. Für eine gute Note im Prüf­punkt Bohren mussten die Schließ­zylinder dem Angriff mindestens drei Minuten Paroli bieten. Die meisten Modelle hielten deutlich länger durch. Drei Zylinder versagten. Sie schneiden in diesem Prüf­punkt mangelhaft ab – obwohl sie angeblich Bohr­schutz bieten.

Gewalt­sam heraus­drehen ließ sich kein Produkt. Auch zerstörungs­frei, mit feinem Werk­zeug – dem Picking – konnten unsere Prüfer nur einen einzigen Zylinder öffnen: Stabilit von Bauhaus. Picking ist jedoch zeit­aufwendig und wird daher selten genutzt.

Zieh­schutz lässt sich nach­rüsten

Tür­schlösser - Welche Schließ­zylinder Atta­cken sehr gut über­stehen
Ziehtest. Als wir prüften, ob dieser Schließ­zylinder sich gewalt­sam heraus­ziehen lässt, zerbrach er. © F. Generotzky

Ziehen bezeichnet eine Methode, bei der Einbrecher eine Schraube ins Schloss drehen und dann mit großer Kraft den Schließ­zylinder heraus­ziehen oder zumindest dessen Kern. Zylinder, die Zieh­schutz verheißen, sollten dagegen gewappnet sein. Im Test mussten sich diese Modelle einer Kraft von 15 Kilonewton widersetzen – das entspricht einem Gewicht von 1,5 Tonnen*. Im Optimalfall knallt die Schraube heraus und reißt nur ein Loch in den Zylinder, der sich aber nicht öffnen lässt. Vier der fünf Modelle, die einen Zieh­schutz versprechen, bestanden den Ziehtest sehr gut. Das Produkt von Evva fiel durch.

Ein Zieh­schutz im Zylinder ist nicht in jedem Fall erforderlich: Die gleiche Aufgabe über­nimmt auch ein Türschild – wenn er denn mit einem Zieh­schutz ausgestattet ist. Schließ­zylinder, die lediglich mit einem Bohr­schutz gerüstet sind, bieten nur zusammen mit einem solchen Schild hinreichenden Schutz vor Einbrechern.

Verschlossene Branche

Für den Test wollten wir Zylinder mit erhöhter Sicher­heits­ausstattung auswählen. Aber selbst unsere geübten Markt­analytiker und Einkäufer taten sich schwer, solche Zylinder aus den Sortimenten heraus­zusuchen. Die Anbieter geben Eigenschaften wie Bohr- und Zieh­schutz nicht immer an, häufig verbergen sie diese hinter Kürzeln und Kenn­zeichnungs­systemen.

Die europäische Norm verschlüsselt sie in einem acht­stel­ligen Code, die deutsche verwendet einen ganz anderen. Einige Anbieter nutzen Zertifikate wie die VdS-Klassen, andere eigene Systeme – manche gar nichts (Testergebnisse). Das ernüchternde Ergebnis: Trotz ausführ­licher Recherche und Bestel­lungen über Fachhändler sind nun Zylinder im Test vertreten, die unterschiedliche Sicher­heits­niveaus verheißen.

Die drei Produkt­gruppen in der Tabelle machen die unterschiedlichen Start­bedingungen der Schließ­zylinder trans­parent. In der ersten Gruppe stehen die Modelle von Dom und Kaba, die eine erhöhte Sicher­heits­klasse versprechen. Sie meisterten den Test mit Bravour. Die größte Gruppe bündelt jene Zylinder, die laut Anbieter lediglich Bohr­schutz bieten. Bei ihnen bewerteten wir den Ziehtest nicht. In der Gruppe befinden sich auch zwei preisgüns­tige Baumarkt-Produkte, die wir exemplarisch ausgewählt haben: Ansa­Pro sowie die Bauhaus-Marke Stabilit.

Tipp: Welche Buch­staben, Zahlen und anderen Aufschriften auf den Bohr- und Zieh­schutz hinweisen, erklären wir im Unter­artikel Einblick in die verwirrende Welt der Kennzeichnung.

Mehr Trans­parenz erforderlich

Selbst für Fachleute ist die Kenn­zeichnung nicht einfach. Wir finden: Laien sollten auf der Packung oder in der Gebrauchs­anleitung verständliche Angaben zu Sicherheit und Ausstattung des Zylinders finden. Fach­kundige sollten einen Bohr- oder Zieh­schutz allein auf dem Zylinder erkennen können. Das erfüllt kein Produkt im Test.

Acht Schließ­zylinder sind mangelhaft oder ausreichend gekenn­zeichnet. Deren Anbieter machen wenige, verwirrende oder fehler­hafte Angaben. Ärgerlich ist das bei BKS, Iseo und Keso, denen die schlechte Kenn­zeichnung das Test­urteil verdirbt. Sie alle bieten sehr gute Einbruchhemmung. Kritischer ist es anders­herum: Drei Modelle, die laut Anbieter einen Bohr­schutz haben, hatten dem Bohrer wenig entgegen­zusetzen. Eines, das Zieh­schutz haben soll, scheiterte im Ziehtest.

Wir empfehlen, sich persönlich von Fachhänd­lern, etwa Anbietern von Sicher­heits­technik, beraten zu lassen. Sie können von vielen Anbietern Zylinder in verschiedenen Sicher­heits­ausstattungen ordern. Ein wichtiges Merkmal neben Bohr- und Zieh­schutz ist eine hohe Verschluss­sicherheit. Dazu gehört, dass mindestens fünf Stifte den Zylinder blockieren. Zudem darf der Zylinder nicht mehr als drei Milli­meter aus dem Schloss ragen. Einbrecher könnten ihn sonst mit einer Zange abbrechen.

Kopieren schwer gemacht

Tür­schlösser - Welche Schließ­zylinder Atta­cken sehr gut über­stehen
Stift­kreise. Wie viele Stifte im Zylinder stecken, verrät meist dessen Unterseite. Fünf sollten es mindestens sein. © F. Generotzky

Der Schlüssel sollte nur mit Sicher­heits­karte nach­zumachen sein. Wer sie nicht zeigt, blitzt beim Schlüssel­dienst ab. Drei Modelle im Test bieten das nicht. Manche Schlüssel verfügen über Kopier­schutz durch bewegliche oder magnetische Elemente. Sie können nur im Werk geprägt werden. Das ist oft teuer. Der nachbestellte Schlüssel zum Kaba-Zylinder kostet 40,50 Euro. Soll ein Schloss auch von außen aufschließ­bar sein, obwohl innen ein Schlüssel steckt, empfiehlt sich eine Not- und Gefahren­funk­tion. Sie ermöglicht es, einer Person drinnen Hilfe zu leisten.

Pflege muss sein

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Dauer­test. Alle Schlösser über­standen 50 000 Schließ­zyklen – bei guter Pflege. © F. Generotzky

Im Test mussten Schlüssel und Zylinder 50 000 Schließ­zyklen erdulden. So simulierten wir 10 bis 15 Jahre intensive Nutzung. „Insbesondere kompliziertere, filigrane Zylinder brauchen Pflege“, sagt der Tester im Prüf­institut. Alle 5 000 Zyklen schmierten unsere Prüfer mit Feinöl – das entspricht etwa einer jähr­lichen Wartung. Alle Produkte bestanden so den Dauer­test.

Tipp: Beschädigte Schlüssel schaden dem Zylinder und sollten ersetzt werden. Verschmutzte Schlüssel sollten Sie vor dem Schließen reinigen.

Mehr Sicherheit. Das Buch Einbruchschutz gibt Tipps. 160 Seiten kosten 19,90 Euro.

* Korrigiert am 3.11.2017.

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