Annähern. Was ist das für ein interes­santes Ding?

Von 30 Erst­spielzeugen für Babys können wir 24 empfehlen. Das ist nicht perfekt. Aber in den vorherigen Tests waren deutlich mehr wegen Schad­stoffen und anderer Mängel durch­gefallen.

Patschen, greifen, lutschen, lauschen – mit allen Sinnen erkunden Babys ihre Umwelt. Eben noch haben die kleinen Finger ihr erstes Spielzeug intensiv erkundet, schon landet es im Mund und wird genüss­lich abge­lutscht. Ist das nicht gefähr­lich, wenn Kinder so lange daran nuckeln? Viele Eltern haben ein mulmiges Gefühl, wenn sie sehen, wie intensiv ihre Kleinen mit den ersten Spielzeugen in Kontakt kommen. Sie sorgen sich, dass sie giftige Stoffe aufnehmen oder an Klein­teilen ersti­cken könnten.

Die Bedenken sind nicht unbe­gründet. Von 2011 bis 2015 haben wir insgesamt 100 Plüschtiere, Puppen, Holz- und Plastikspielsachen geprüft. Erschre­ckenden 35 von ihnen konnten wir wegen Schad­stoffen oder anderer Sicher­heits­mängel nur das Urteil mangelhaft geben. Zum Beispiel fanden wir in Holz­spielzeugen oft gefähr­liche Substanzen im Lack.

30 Spielzeuge im Sicher­heitscheck

Für den neuen Test haben wir 30 Erst­spielzeuge für Babys gekauft, aus Holz, Kunststoffen, Textilien oder einer Kombination dieser Materialien. Die Auswahl reicht vom einfachen Fisch­ring aus natur­farbener Birke über farben­frohe Greiflinge und Schnul­lerketten bis hin zu Wagenketten und -clips mit Perlen oder Knisterfolie.

Das Ergebnis ist besser als in den Tests zuvor: 23 Produkte schneiden gut oder sehr gut ab, eines befriedigend. Aber auch diesmal fanden wir Spielzeuge, mit denen Eltern ihre Kinder nicht unbe­sorgt spielen lassen können: Zwei sind ausreichend, vier mangelhaft. Bei dreien von ihnen fanden wir gesund­heits­schädliche Stoffe in den Gummi­schnüren. Drei sind unsicher, weil sich verschluck­bare Kleinteile lösen, Strangulations­gefahr besteht oder eine Stoß­gefahr im Rachen.

Die Diskussion, ob Holz- oder Plastikspielzeug grund­sätzlich besser ist, kann unser Test­ergebnis nicht befeuern. Beide Materialien stecken sowohl in sehr guten als auch in mangelhaften Produkten.

Unser Rat

Acht­zig Prozent der geprüften Spielzeuge können wir als sicher empfehlen. Die jeweils besten:

Greiflinge. Die Bestnote 1,0 erzielen Heim­ess Regenbogen für rund 6,50 Euro und Steiff Jocko Äffchen für rund 20 Euro.

Schnul­lerketten. Gut sind Heim­ess Mond und Stern für zirka 7 Euro und Fehn Slee­ping Forest Eule für zirka 9,50 Euro.

Wagenketten. Eine glatte 1,0 erreicht Ross­mann Babydream Fuchs für zirka 6,50 Euro. Gut ist Haba Frosch­freunde für rund 16 Euro.

Greifen. Wie gehen denn da bloß die Finger rum?

Schneiden, kratzen, analysieren

Für den Sicher­heits­test haben unsere Prüfer im Labor wochen­lang Textilien zerschnitten, Lacke von Holz gekratzt und Kunststoffe zerkleinert. Alles wogen sie milligramm­genau ab, bevor sie die Spielzeuge auf bis zu 280 chemische Substanzen prüften. Um zu ermitteln, ob die Produkte den Bedürf­nissen des Babyall­tags entsprechen, haben unsere Experten sie exakt vermessen und einer Reihe von Belastungs­tests unterzogen.

Drei Spielzeuge nicht verkehrs­fähig

Erkennen. Was hängt denn da oben?

Am Ende der Prüfungen steht fest: Die Schnul­lerkette von Glücks­käfer sowie eine Schnuller- und eine Wagenkette von Hess halten recht­liche Vorgaben nicht ein. Sie hätten nicht verkauft werden dürfen.

Wir haben die Anbieter und die zuständigen Aufsichts­behörden informiert. In vergleich­baren Fällen bei früheren Tests haben einzelne Anbieter unsicheres Spielzeug zurück­genommen oder bean­standete Materialien verändert. Glücks­käfer und Hess teilten uns mit, dass sie unsere Hinweise über­prüften und mit den Aufsichts­behörden in Kontakt stünden.

Die drei Produkte hätten aus unterschiedlichen Gründen nicht in den Handel kommen dürfen. So ist die Schnul­lerkette von Glücks­käfer länger als 22 Zenti­meter. Diese Grenze setzen die Normen, um zu gewähr­leisten, dass sich eine solche Kette nicht voll­ständig um den Hals eines Babys schlingen und es strangulieren kann.

Tipp: Zur Sicherheit sollten Sie Schnul­lerketten nie verlängern, sie immer an der Kleidung befestigen und abnehmen, wenn das Kind im Bett liegt.

Hess ist zweimal mangelhaft

Bei der Schnul­lerkette Käfer Tom von Hess können sich Kleinteile zu leicht ablösen. Die aus Halb­kugeln bestehenden Käfer-Öhrchen halten den Zugkräften der Prüf­maschine nicht stand. Sie lassen sich zu leicht abziehen und könnten vom Kind verschluckt werden.

Tipp: Wackeln, ziehen und schnuppern Sie schon im Laden an den Spielsachen. Achten Sie auf die Verarbeitung. Lösen sich Einzel­teile, riecht etwas unangenehm oder färbt es ab, lassen sie es lieber liegen.

Die mangelhafte Kinder­wagenkette Nixe von Hess hat eine große Schwanz­flosse aus Holz, mit der sich das Baby im Rachen stoßen und verletzen kann. Müsste der auf dem Rücken liegende Säugling deshalb sogar erbrechen, könnte er ersti­cken.

Tipp: Legen Sie Wagenketten nie lose in die Nähe Ihres Babys. Sind sie nicht befestigt, kann es sich darin verheddern und im schlimmsten Fall strangulieren. Entfernen Sie Wagenketten, wenn Ihr Kind anfängt zu krabbeln.

Vier Spielzeuge mit Schad­stoffen

Schle­cken. Wie sich das wohl mit der Zunge anfühlt?

Die Wagenkette Nixe von Hess ist auch wegen gesund­heits­schädlicher Substanzen mangelhaft, ebenso der Greifling Space von Selecta. Die gefundenen Stoffe sind nicht akut giftig, wirken jedoch lang­fristig im Organismus. Aus dem grünen Lack der Hess-Wagenkette lösen sich mehr Organozinn­verbindungen als die Spielzeug-Richt­linie erlaubt (Diese Schadstoffe haben wir gefunden). Einige dieser Verbindungen können das Immun­system schädigen, die Fort­pflan­zungs­fähig­keit oder ein Kind im Mutterleib.

In der Gummi­schnur des Selecta-Greiflings fanden unsere Prüfer zu hohe Mengen nitrosier­barer Stoffe. Lutscht ein Baby an ihr, können sich die Substanzen lösen, in den Magen gelangen und stark krebs­erzeugende Nitrosamine bilden. Selbst in kleinsten Mengen sind diese gefähr­lich. Die Stoffe können vor allem bei der Herstellung von Gummi entstehen, lassen sich aber tech­nisch vermeiden.

Riskante Gummi­schnüre

Ebenfalls mehr nitrosier­bare Stoffe, als der Grenz­wert erlaubt, lösen sich aus den Wagenketten Crocolini von Selecta und Nixe von Hess. Crocolini gibt auch zu viel Nitrosamine ab. Da Babys diese Schnüre beim typischen Gebrauch nicht in den Mund bekommen, haben wir diese Funde noch mit ausreichend bewertet. Dass die Hess-Wagenkette dennoch die Schad­stoff­note mangelhaft bekam, liegt an den Organozinn­verbindungen im Lack.

In einzelnen aus Schnur gefertigten Sonnen­strahlen der Sigikid-Wagenkette fanden wir Nonylphenoleth­oxylate. Für Wasser­organismen sind sie sehr giftig. Die Europäische Union hat für das Umwelt­gift ab 2021 in wasch­baren Textilien einen Grenz­wert fest­gelegt. Da er bisher nicht verbindlich ist, haben wir den Fund noch mit ausreichend bewertet.

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