Kinder und „Outdoor-Arbeiter“ müssen besonders aufpassen

Sonnen­schutz­mittel Test

Dr. Claas Ulrich

Was Erwachsene und Kinder beim Sonnen­schutz beachten sollten und warum für bestimmte Bevölkerungs- und Berufs­gruppen das Risiko erhöht ist, an Haut­krebs zu erkranken, erklärt der Dermatologe Dr. Claas Ulrich im Interview. Ulrich ist Ober­arzt an der Hautklinik der Charité in Berlin.

Kinder brauchen mehr Schutz

Welchen Sonnen­schutz braucht die Haut – und gibt es dabei Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern?

Die Haut braucht Schutz vor UVA- und UVB-Strahlung, um sie vor akutem Sonnenbrand und chro­nischen Schädigungen wie Haut­krebs und früh­zeitiger Hautalterung zu bewahren. Kinder – und vor allem Babys – haben noch dünnere und empfindlichere Haut als Erwachsene, daher brauchen sie einen deutlich ausgeprägteren Schutz. Sonnen­cremes und -sprays sind dabei ein wichtiger Bestand­teil, noch wichtiger aber ist sonnenbewusstes Verhalten. Gerade Kinder sollten beispiels­weise die Mittags­zeit im Schatten oder in geschlossenen Räumen verbringen. Zusätzlich rate ich zu textilem Schutz: Zu Kleidung, Sonnenhut und -schirm. Im Ideal­fall werden all diese Maßnahmen und Verhaltens­weisen berück­sichtigt und bilden eine Einheit.

Können Sie typische Fehler nennen, die im Umgang mit Sonnen­schutz­mitteln gemacht werden?

Welt­weite Studien belegen, dass drei Fehler sehr verbreitet sind: Die Leute benutzen zu geringe Mengen der Produkte, verteilen sie nicht groß­flächig genug und cremen nicht oft genug nach. Man kann sagen, ein Groß­teil ist massiv „unter­schützt“. Wünschens­wert wäre, dass die Anbieter von Sonnen­schutz­mitteln darauf angemessen reagieren und auf ihren Produkten noch viel deutlicher machen, wie sie anzu­wenden sind. Es kommt vor allem auf die ausreichende Dosierung an. Ideal sind etwa Pump­spender, mit denen sich die richtige Menge Sonnen­schutz­lotion schnell und unkompliziert abmessen lässt. Unver­ständlicher­weise setzen die Anbieter solche einfachen Lösungen bisher jedoch erst bei wenigen Sonnen­schutz­mitteln um.

Risiko­faktoren für Haut­krebs

Gibt es bestimmte Körper­stellen, an denen Haut­krebs besonders oft auftritt?

Beim Haut­krebs muss man den schwarzen vom weißen oder hellen Haut­krebs unterscheiden. Der helle entsteht in der Regel an Körper­stellen, die besonders oft und lange UV-Strahlung ausgesetzt sind. Zu diesen sogenannten Sonnenter­rassen zählen etwa das Gesicht, die Kopf­haut, die Ohren, Unter­arme und Hand­rücken. Schwarzer Haut­krebs tritt am ganzen Körper auf – bei Frauen aber vergleichs­weise öfter an den Beinen und bei Männern häufiger am Oberkörper. Schwarzer Haut­krebs ist nach derzeitigem Wissens­stand eher die Folge von kurzen und intensiven Kontakten mit UV-Strahlung, möglicher­weise auch in Verbindung mit Sonnenbränden.

Für welche Bevölkerungs­gruppen besteht ein erhöhtes Risiko, an Haut­krebs zu erkranken?

Typischer­weise betrifft Haut­krebs natürlich vor allem Menschen, die in ihrem Leben bereits hohe Dosen UV-Strahlung abbe­kommen haben – also zum Beispiel ältere Menschen oder solche mit Frei­luft-Hobbies wie Segler und Garten­besitzer. Aber auch Reisende, die gerne und häufig in sonnen­intensive Länder fahren und dort längere Zeit verbringen, sind betroffen. Auch sogenanntes „Sonnen­anbeter-Verhalten“ sowie häufige Besuche von Solarien stellen einen Risiko­faktor für Haut­krebs dar.

Eine weitere Gruppe bilden Menschen, die aufgrund bestimmter gesundheitlicher oder körperlicher Faktoren besonders empfindlich gegen­über UV-Strahlung sind – etwa Patienten, die immun­schwächende Medikamente einnehmen müssen, die eine sehr helle Haut haben oder bei denen die Reparatur­systeme der Haut­zellen nur unzu­reichend in der Lage sind, kleinere UV-Strahlungs­schäden in ihrer Entstehung im Zellerb­gut zu reparieren.

Wer draußen arbeitet, muss besonders aufpassen

Müssen auch bestimmte Berufs­gruppen besondere Vorsicht walten lassen?

Zunehmend ins Interesse gerückt ist neuerdings die Gruppe der „Outdoor-Arbeitnehmer“. In Deutsch­land umfasst sie inzwischen zwei bis drei Millionen Beschäftigte. Hierzu gehören alle Berufs­gruppen, bei denen klassischer­weise viel an der frischen Luft gearbeitet werden muss – das betrifft beispiels­weise Gärtner, Straßen­arbeiter, Land­wirte, aber auch Polizisten, Gast­wirte oder Sport­lehrer. Bei Beschäftigten dieser Berufs­gruppen können seit dem 1. Januar 2015 akti­nische Keratosen und Platten­epithelkarzinome, beides sind typische Formen des hellen Haut­krebses, als Berufs­krankheit anerkannt werden.

Was raten Sie diesen Menschen?

Angehörige dieser Berufs­gruppen müssen sich in ihrem Arbeits­alltag ganz bewusst vor der Sonne schützen. Dafür reichen herkömm­liche Sonnen­schutz­cremes und -sprays nicht immer aus. Inzwischen sind die Arbeit­geber aber dazu verpflichtet, ihren Angestellten entsprechend geeignete Präparate und weitere Schutz­maßnahmen zur Verfügung zu stellen. Seit dem vergangenen Jahr gehört dies zur Arbeits­sicherheit und fällt in den Bereich der persönlichen Schutz­ausrüstung.

Auffällige Veränderungen der Haut

Wann sollte ein Arzt die Haut unter­suchen?

Die meisten Menschen gehen zum Arzt, wenn sie bereits auffällige Veränderungen der Haut wahr­nehmen. Etwa wenn ein Muttermal sich optisch verändert hat oder neu hinzugekommen ist, wenn sich eine Haut­stelle rötet oder rau und tast­bar wird. Dann ist es richtig und wichtig, sich unter­suchen zu lassen. Es kann aber auch sinn­voll sein, sich im Voraus beraten zu lassen - damit derartige Haut­ver­änderungen gar nicht erst auftreten. In jedem Fall ist es ratsam, die eigene Haut zu beob­achten. Ab dem 35. Lebens­jahr zahlen die Krankenkassen auch alle zwei Jahre für ein Haut­krebs-Scree­ning beim Haut- oder qualifizierten Haus­arzt.

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TestSonnen­schutz­mittel06.07.2018
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